Wintergerste nicht zu früh säen
Die Aussaat der Wintergerste beginnt in Kürze. Dabei sollte der Saattermin nicht zu früh gewählt werden, denn die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass eine frühe Aussaat verschiedene pflanzenbauliche Risiken erhöhen kann.
Später säen – mehrere Vorteile
Durch den Klimawandel hat sich die Vegetationsperiode insbesondere im Herbst tendenziell verlängert. So standen den Pflanzen in den vergangenen Jahren häufig 3 bis 5 Tage mehr Vegetationszeit zur Verfügung, wodurch sich die Bestände bei einer frühen Aussaat bereits im Herbst sehr kräftig entwickeln können.
Dies erhöht unter anderem das Risiko für eine Infektion mit dem Gerstenverzwergungsvirus (BYDV). Die Übertragung erfolgt durch Blattläuse, die bei langen und teilweise warmen Herbstperioden länger aktiv bleiben. Ein späterer Saattermin kann das Risiko reduzieren, weil die Gerste zum Zeitpunkt des Blattlauszuflugs weniger weit entwickelt ist.
Zudem bremst eine spätere Aussaat Ungräser: Ackerfuchsschwanz und Windhalm keimen überwiegend im Herbst. Wird das Saatbett früh vorbereitet, können die Ungräser noch vor der Gerstenaussaat auflaufen und gezielt beseitigt werden. Gleichzeitig sinkt bei späterer Aussaat der Anteil der Ungräser, die gemeinsam mit der Gerste auflaufen. Damit startet die Wintergerste mit weniger Konkurrenz und die Ungrasbekämpfung wird erleichtert.
Ein weiterer Vorteil einer nicht zu frühen Aussaat: Eine zurückhaltende Herbstentwicklung kann das Risiko für Typhula-Fäule verringern.
Video zur Aussaatzeit von Wintergerste
Spätere Aussaat muss nicht zulasten des Ertrags gehen
Häufig wird angenommen, dass eine spätere Aussaat zwangsläufig zu deutlichen Ertragseinbußen führt. Versuchsergebnisse zeigen jedoch, dass auch bei späteren Saatterminen gute Erträge möglich sind. Dabei spielen insbesondere Standort, Witterung, Sorte und die Entwicklung des Bestandes vor Winter eine wichtige Rolle.
Auch bei später Aussaat ist der Einsatz von Hybridsorten nicht grundsätzlich erforderlich. Bei der Sortenwahl sollten vielmehr die Standortbedingungen und die jeweiligen Sorteneigenschaften berücksichtigt werden.
Wer sich bei einer Spätsaat für eine Hybridsorte entscheidet, sollte zudem beachten, dass die Saatstärke gegenüber einer Liniensorte nicht automatisch reduziert werden sollte. Entscheidend sind vielmehr die für die jeweilige Sorte und den jeweiligen Saattermin empfohlenen Saatstärken.
Weitere Sorteninformationen zur Wintergerste
- Ergebnisse der LSV Wintergerste 2025/26 & Empfehlungen
- Ergebnisse der LSV Winterbraugerste 2025/26 & Empfehlungen
- Ergebnisse der LSV Öko-Wintergerste 2026
Entscheidungshilfe: Wann später säen?
Ein späterer Saattermin bietet sich an, wenn:
- ein hoher Unkraut- und Ungrasdruck und/oder erhöhtes BYDV-Risiko bestehen,
- sich die Bestände bei früher Aussaat voraussichtlich sehr kräftig entwickeln würden,
- am eigenen Standort gute Erfahrungen mit späteren Saatterminen vorliegen.
Fazit
Bei der Wintergerste gilt zunehmend: Nicht möglichst früh, sondern zum passenden Termin säen. Ein etwas späterer Saattermin kann insbesondere hinsichtlich Viruskrankheiten, Schadgräsern und weiterer ackerbaulicher Risiken Vorteile bieten, ohne zwangsläufig zu deutlichen Ertragseinbußen zu führen.
Weiterführende Informationen u.a. zu Saatstärken bei Wintergerste je nach Sorte finden Sie in den regelmäßig erscheinenden Beratungsinfos Pflanzenproduktion Nord/Süd. Jetzt hier anmelden und immer informiert sein!