Feuerbrand: Jetzt Anlagen kontrollieren
In vielen Obstbauregionen Hessens führten die Witterungsbedingungen der vergangenen Wochen erneut zu einem erhöhten Risiko für mögliche Feuerbrandinfektionen: Während der Blüte sorgten wiederholt warme Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit sowie einzelne Niederschlags- und Gewitterereignisse für grundsätzlich günstige Ausgangsbedingungen in Kernobstanlagen.

Feuerbrand bleibt damit auch 2026 ein ernstzunehmendes Thema im Apfel- und Birnenanbau. Besonders gefährdet sind Anlagen mit starkem Blühverlauf, wüchsigen Beständen sowie empfindlichen Sorten. Der Erreger Erwinia amylovora dringt vor allem über offene Blüten ein. Warme, schwüle Witterung ab etwa 18 °C in Kombination mit ausreichender Blatt- bzw. Blütennässe fördert Infektionen. Erwinia amylovora überwintert in sogenannten „Cankern“, also abgestorbenen Rinden- und Gewebestellen an befallenen Pflanzen. Bei günstiger Witterung kann dort im Frühjahr bakterienhaltiger Schleim austreten, der durch Insekten, Regen, Wind sowie über Werkzeuge verbreitet wird.
Anfällige Sorten im Apfel- und Birnenanbau
Als besonders anfällig für Feuerbrand gelten im Apfelanbau unter anderem die Sorten Gala, Jonagold, Braeburn, Fuji, Elstar sowie zahlreiche wüchsige Clubsorten. Im Birnenanbau zeigen vor allem Alexander Lucas, Conference und Williams Christ eine erhöhte Empfindlichkeit. Auch stark wachsende Junganlagen und Nachpflanzungen reagieren häufig sensibler auf Infektionen.
Wichtig für die Praxis: Feuerbrandinfektionen treten primär über die Blüte auf, können jedoch auch nach der Blüte über frische Triebspitzen oder Verletzungen (z. B. durch Hagel, Windbruch oder Schnittmaßnahmen) erfolgen. Insbesondere bei warm-feuchter Witterung und starkem Triebwachstum sind sogenannte Triebinfektionen möglich. Gewitterereignisse mit Starkregen und Hagel erhöhen das Risiko zusätzlich deutlich.

Einordnung der Infektionslage in Hessen (in den vergangenen Wochen)
Nach den modellbasierten Prognosen (u. a. blütenbasierte Warndienstmodelle) ergaben sich in den meisten Regionen Hessens erst gegen Ende der Blüte bzw. in der abgehenden Blüte ein oder wenige relevante Infektionsereignisse. Damit handelte es sich nicht um eine durchgehende Infektionsperiode, sondern um kurzzeitige, witterungsabhängige Risikophasen, die nur unter dem gleichzeitigen Auftreten von offenen Blüten, ausreichender Wärme und Nässebedingungen zustande kamen.
Nach diesen Ereignissen sollten Anlagen jetzt intensiv kontrolliert werden. Erste Symptome zeigen sich häufig erst einige Zeit nach der Infektion durch folgende Merkmale:
• schwarzbraun, verbrannt wirkende Blütenbüschel
• hakenförmig gekrümmte Triebspitzen
• welke Blätter, die am Trieb haften bleiben
• eingesunkene Rindenpartien oder bakterielle Schleimaustritte
Wichtiger Hinweis zur Diagnose
Bei der Bonitur ist besondere Sorgfalt erforderlich, da Verwechslungen möglich sind. Ähnliche Symptome können auftreten durch:
• Triebwespenbefall (hakenförmige Triebe durch Larvenfraß)
• Pseudomonas-Infektionen (bakterielle Blatt- und Triebschäden)
• Monilia-Spitzendürre
• Apfelbaumkrebs (eingesunkene Rindenstellen und Rindennekrosen)
• Frost- oder Kälteschäden
• mechanische Schäden oder Herbizidabdrift
Charakteristisch für Feuerbrand bleiben jedoch das verbrannt wirkende Erscheinungsbild, das häufige Verbleiben vertrockneter Blätter am Trieb sowie bei geeigneter Witterung bakterielle Exsudate (Schleimaustritt).
Hygienemaßnahmen durchführen
Ein konsequentes Hygienemanagement ist jetzt entscheidend:
• befallene Triebe großzügig bis ins gesunde Holz zurückschneiden
• Schnittwerkzeuge nach jedem Baum bzw. bei Befallsverdacht regelmäßig desinfizieren
• zur Desinfektion geeignete Mittel wie 70 % Alkohol oder zugelassene Desinfektionsmittel verwenden
• Schnittgut konsequent aus der Anlage entfernen (nicht mulchen oder liegen lassen)
• auffällige Bäume markieren und engmaschig nachkontrollieren
Praxiszeitraum
Der wichtigste Zeitraum für Kontrolle und Früherkennung reicht vom Blühende bis weit in den Frühsommer hinein. Auch nach Abschluss der Blüte bleibt bei entsprechender Witterung ein mögliches Risiko für Trieb- und Verletzungsinfektionen bestehen. Kurzzeitige günstige Bedingungen dürfen daher nicht unterschätzt werden.
Praxis-Tipp: Junge Anlagen sowie Randbereiche besonders sorgfältig kontrollieren. Dort treten erste Befallsherde häufig früher und deutlicher sichtbar auf als im Anlageninneren.



