Scharkavirus: Nach der Ernte aufmerksam bleiben
Die Scharkakrankheit ist in Deutschland weit verbreitet und gehört zu den wirtschaftlich wichtigsten Viruskrankheiten bei Pflaume, Zwetsche, Aprikose und Pfirsich. Befallene Bäume können nicht kurativ behandelt werden. Für den Erwerbsobstbau kommt es deshalb vor allem darauf an, Infektionen früh zu erkennen, ihre Ausbreitung zu begrenzen und bei Neupflanzungen geeignete Sorten und Unterlagen zu wählen.
Übertragung durch Pflanzgut und Blattläuse
Das Virus kann bereits mit infizierten Jungbäumen in eine neue Anlage gelangen. Im Bestand wird es vor allem durch Blattläuse verbreitet. Zu den bekannten Überträgern gehören die Kleine Pflaumenblattlaus (Brachycaudus helichrysi), die Marillenlaus (Hyalopterus pruni) und die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae). Auch weitere Blattlausarten können das Virus übertragen.
Die Übertragung erfolgt bereits bei kurzen Saugvorgängen. Eine Blattlaus kann das Virus an einem befallenen Baum aufnehmen und unmittelbar danach an einen gesunden Baum weitergeben. Bei Pfirsich und Nektarine können Blattläuse bestimmte Scharkavirus-Stämme besonders effizient übertragen. Eine gezielte Bekämpfung der Blattläuse kann deshalb die Ausbreitung des Virus bremsen.
Für den Obstbaubetrieb beginnt der Scharkaschutz bereits mit dem Pflanzgut. Da infizierte Bäume äußerlich unauffällig sein können, sollte bei Neupflanzungen nur geprüftes Pflanzmaterial aus nachvollziehbarer Herkunft verwendet werden.
Sorten und Unterlagen bewusst wählen
Wie stark Scharka wirtschaftlich ins Gewicht fällt, hängt sowohl von der Kulturart als auch von der Sorte ab. Bei Pflaume und Zwetsche stehen Fruchtsymptome und Ertragsverluste im Vordergrund. Bei Aprikose ist die Sortenreaktion sehr unterschiedlich. Auch bei Pfirsich und Nektarine reicht die Reaktion von starker Anfälligkeit bis zu deutlich geringerer Empfindlichkeit.
Interessant sind resistente beziehungsweise hypersensible Sorten. Bei ihnen kann sich das Virus nach einer Infektion nicht oder nur sehr begrenzt im Baum ausbreiten. Bei Zwetschen ist beispielsweise die Sorte ‚Jojo‘ für ihre Scharkaresistenz beziehungsweise hypersensible Reaktion bekannt.
Tolerante Sorten werden dagegen zwar weniger stark geschädigt und zeigen häufig nur geringe oder keine ausgeprägten Symptome, können aber infiziert sein und das Virus weiterverbreiten. Deshalb sollte Toleranz nicht mit Resistenz gleichgesetzt werden.
Bei der Sortenwahl für neue Anlagen sollte die Scharkaanfälligkeit deshalb neben Ertrag, Fruchtqualität und Vermarktungseignung berücksichtigt werden. Die Hauszwetsche sollte in Scharkagebieten nicht neu gepflanzt werden.
Auch die Unterlage kann für den Scharkaschutz eine wichtige Rolle spielen. Hypersensible Unterlagen wie Docera 6 können verhindern, dass sich das Scharkavirus über die Unterlage weiter ausbreitet. Besonders in Befallslagen kann deshalb die Kombination einer hypersensiblen Unterlage mit toleranten oder resistenten Sorten sinnvoll sein.
Eine weitere Möglichkeit ist die Zwischenveredlung mit der hypersensiblen Sorte ‚Jojo‘. Bei der Veredlung von anfälligen oder toleranten Sorten kann eine hypersensible Jojo-Zwischenveredlung dazu beitragen, eine Verschleppung des Virus über das Veredlungsmaterial zu begrenzen.
Für einen möglichst wirksamen Scharkaschutz sollte dabei das gesamte Veredlungssystem – Unterlage, Zwischenveredlung und Sorte – betrachtet werden.
Scharka an Blättern und Früchten erkennen
An den Blättern zeigen sich verwaschene hell- bis olivgrüne Flecken, Ringe oder bandförmige Zeichnungen, die je nach Sorte unterschiedlich deutlich ausgeprägt sein können.





An den Früchten treten blauviolette bis dunkelblaue Ringe, Linien oder Bänder auf, später teilweise auch eingesunkene Stellen. Bei manchen Sorten reichen die ringförmigen Verfärbungen bis an den Stein. Befallene Früchte können deformiert sein und vorzeitig abfallen. Bei Zwetschgen können sich außerdem pocken- und rillenartige Verformungen sowie Verfärbungen und Veränderungen des Fruchtfleisches zeigen.
Nachernte ist ein wichtiger Kontrollzeitraum
Die Zeit nach der Ernte bis in den September sollte für eine gründliche Bestandskontrolle genutzt werden. Auffällige Bäume können markiert und Befallsstellen erfasst werden.
Befallene Bäume sollten einschließlich Wurzelstock und möglicher Stockausschläge vollständig entfernt werden, da diese als Virusquelle für Blattläuse dienen können.
Auch das Umfeld sollte auf weitere auffällige Bäume und mögliche Stockausschläge kontrolliert werden. Eine zusätzliche Gefahrenquelle können infizierte Wild-Prunus im Umfeld der Anlagen sein, vor allem Schlehen (Prunus spinosa).
Nacherntebehandlung im Herbst
Nach der Ernte ist im September und Oktober ein wichtiger Zeitraum für die Kontrolle und gegebenenfalls Bekämpfung der Blattläuse. Beim Rückflug auf Pflaumen- und Zwetschenbäume können sie das Scharkavirus von infizierten Pflanzen aufnehmen und auf gesunde Bäume übertragen. Eine gezielte Nacherntebehandlung kann die Zahl der Überträger und damit das Infektionsrisiko für die kommende Saison verringern. Besonders in Befallslagen und Junganlagen ist diese Maßnahme wichtig.
Für Pflaumen und Zwetschgen stehen im professionellen Erwerbsobstbau zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Blattläuse zur Verfügung. Welche Mittel eingesetzt werden können, hängt von der jeweils aktuellen Zulassung, der Kultur, dem Befall und den vorgeschriebenen Anwendungsbedingungen ab. Vor jeder Anwendung ist deshalb die aktuelle Zulassungssituation zu prüfen.
Fazit
Scharka lässt sich nicht kurativ behandeln. Für den Erwerbsobstbau sind deshalb gesundes Pflanzmaterial, die Wahl möglichst wenig anfälliger oder resistenter Sorten, geeignete Unterlagen und Veredlungssysteme, eine konsequente Bestandskontrolle und die gezielte Bekämpfung der Überträger entscheidend. Besonders in Befallslagen gilt es, Infektionsquellen frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen, um die weitere Ausbreitung des Virus zu begrenzen.
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