Schorfmanagement beginnt im Herbst – Falllaub gezielt zersetzen

Mit dem Laubfall beginnt bereits die Vorbereitung auf die kommende Schorfsaison. Der Apfelschorferreger Venturia inaequalis überwintert vor allem auf befallenem Falllaub. Dort entstehen die Fruchtkörper, aus denen im Frühjahr die Ascosporen freigesetzt werden. Je schneller das infizierte Laub abgebaut wird, desto weniger Ausgangsinokulum steht für die Primärinfektionen zur Verfügung. Damit bietet die Zeit des Laubfalls eine wichtige Möglichkeit, den Schorfdruck der kommenden Saison bereits vor dem Austrieb zu beeinflussen.
Falllaub zerkleinern und Zersetzung fördern
Eine besonders praxisnahe Maßnahme ist die mechanische Zerkleinerung des Falllaubs. Durch das Zerkleinern wird die Blattfläche reduziert und die Zersetzung beschleunigt. Gleichzeitig werden die Bedingungen für die Bildung der Überwinterungsstrukturen des Schorfpilzes verschlechtert.
Für die Praxis gilt:
- Falllaub aus dem Baumstreifen mit Laubbesen, Stockräumer oder vergleichbaren Geräten in den Bereich der Fahrgasse bzw. des Mulchers bringen.
- Das zusammengeführte Laub mit Mulcher, Schlegelmulcher oder Kreiselmulcher möglichst fein zerkleinern.
- Dabei besonders darauf achten, dass auch Laub direkt unter der Baumkrone erfasst wird.
- Je vollständiger das Falllaub zerkleinert wird, desto stärker kann das vorhandene Schorfinokulum reduziert werden.
- Eine weitere Möglichkeit ist die Aufnahme und Entfernung des Falllaubs mit speziellen Laubsaugern.
Auch Laubansammlungen an Zäunen, Hecken, Böschungen und anderen Randbereichen sollten berücksichtigt werden. Dort kann sich durch Wind oder die Bearbeitung der Anlage befallenes Laub konzentrieren, das vom Mulcher nicht erfasst wird. Solche Bereiche sollten deshalb ebenfalls kontrolliert und – soweit möglich – in die Zerkleinerung oder Entfernung einbezogen werden.
Harnstoff: Blattfallspritzung oder Falllaubbehandlung?
Auch Harnstoff kann zur Reduzierung des Schorfinokulums eingesetzt werden. Dabei lassen sich zwei Anwendungen unterscheiden.
Blattfallspritzung: Noch hängendes Laub wird nach der Ernte, aber vor bzw. während des Laubfalls behandelt. Ziel ist, die Entwicklung von Venturia inaequalis auf dem später abfallenden Laub und damit die Bildung der Überwinterungsstrukturen zu vermindern. Wichtig ist dabei, dass das behandelte Laub anschließend zeitnah abfällt.
Falllaubbehandlung: Bereits abgefallenes Laub wird gezielt mit Harnstoff behandelt. Dabei kann sowohl der mikrobielle Abbau des Laubs gefördert als auch die Entwicklung der Überwinterungsstrukturen von Venturia inaequalis beeinträchtigt werden. Dadurch lässt sich das im Frühjahr verfügbare Primärinokulum reduzieren.
Für die Praxis bedeutet das: Harnstoff kann entweder im Rahmen einer Blattfallspritzung auf noch hängendes Laub oder anschließend als Falllaubbehandlung eingesetzt werden. Beide Verfahren können mit der mechanischen Zerkleinerung des Falllaubs kombiniert werden.
Kupfer: Zwischen Schorf und Krebs abwägen
Beim Kupfer wird ein wichtiger Zielkonflikt der Herbstmaßnahmen deutlich. Für das Schorfmanagement soll das Falllaub möglichst schnell mikrobiell abgebaut werden. Kupfer kann die am Laubabbau beteiligten Bodenorganismen beeinträchtigen und damit dem Ziel einer schnellen Zersetzung entgegenwirken. Insbesondere bei wiederholten Kupferanwendungen sollte dieser Aspekt berücksichtigt werden.

Anders sieht die Situation beim Obstbaumkrebs aus. Der Erreger Neonectria ditissima infiziert den Baum vor allem über Wunden. Während des Laubfalls entstehen innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Blattnarben, die wichtige Eintrittspforten darstellen. Gerade bei feuchter Witterung und bekanntem Krebsdruck ist diese Phase deshalb besonders kritisch.
Auch die Sorte kann eine Rolle spielen. ´Braeburn´ und ´Gala´ werden als besonders krebsanfällig beschrieben. ´Cox Orange´ wird ebenfalls als anfälliger eingestuft. Bei ´Boskoop´ und ´Jonagold´ finden sich dagegen unterschiedliche Einstufungen, während ´Elstar´ und ´Pinova´ eher zu den weniger anfälligen Sorten gerechnet werden. Für die Praxis sollte deshalb neben der Sorte immer auch die bisherige Krankheitsentwicklung der jeweiligen Anlage berücksichtigt werden.
Schorf und Krebs gemeinsam betrachten
Die Herbststrategie sollte nicht nach einem festen Schema erfolgen, sondern am Schorf- und Krebsrisiko der jeweiligen Anlage ausgerichtet werden.
Bei hohem Schorfdruck und geringem Krebsrisiko:
- Falllaub konsequent zerkleinern.
- Zersetzung fördern.
- Harnstoff als Blattfallspritzung oder Falllaubbehandlung berücksichtigen.
- Unnötige Maßnahmen vermeiden, die den Laubabbau bremsen.
Bei relevantem Obstbaumkrebs:
- Den Laubfall als wichtige Infektionsphase beachten.
- Blattnarben und Witterungssituation berücksichtigen.
- Bei anfälligen Sorten und bekanntem Krebsdruck die Krebsstrategie entsprechend priorisieren.
- Harnstoff und Kupfer nicht isoliert betrachten, sondern in die gesamte Herbststrategie einordnen.
Bei gleichzeitig hohem Schorf- und Krebsdruck ist die Abstimmung besonders wichtig. Maßnahmen zum Schutz der Blattnarben können mit dem Ziel einer schnellen Falllaubzersetzung in Konflikt geraten. Dann sollte das Falllaubmanagement – insbesondere die mechanische Zerkleinerung – konsequent genutzt werden, um das verbleibende Schorfinokulum zu reduzieren.
Was jetzt im Betrieb zu prüfen ist
- Wie hoch war der Schorfbefall in diesem Jahr?
- Wie viel befallenes Falllaub verbleibt in der Anlage?
- Kann das Laub mit den vorhandenen Geräten ausreichend zerkleinert werden?
- Gibt es Laubansammlungen an Zäunen, Hecken, Böschungen oder anderen Randbereichen?
- Besteht ein relevantes Obstbaumkrebsproblem?
- Welche Sorten stehen in der Anlage?
- Wie ist die Witterung während des Laubfalls?
- Soll eine Blattfallspritzung auf noch hängendes Laub oder eine Falllaubbehandlung auf bereits abgefallenes Laub erfolgen?
- Welche Herbstmaßnahme verfolgt welches Ziel?
- Lassen sich die Maßnahmen zeitlich so aufeinander abstimmen, dass Schorf- und Krebsstrategie möglichst wenig miteinander kollidieren?
Fazit: Herbstmaßnahmen richtig aufeinander abstimmen
Mit dem Laubfall beginnt eine wichtige Phase für das Schorfmanagement im kommenden Frühjahr. Wer befallenes Falllaub konsequent zerkleinert und dessen Zersetzung fördert, kann das Ausgangsinokulum für die kommende Saison reduzieren. Auch Laubansammlungen an Zäunen und in Randbereichen sollten dabei nicht übersehen werden.
Harnstoff kann entweder als Blattfallspritzung auf noch hängendes Laub oder als Falllaubbehandlung eingesetzt werden. Gleichzeitig muss in krebsgefährdeten Anlagen der Laubfall als Infektionsphase berücksichtigt werden.
Entscheidend ist deshalb eine an Schorf-, Krebs- und Sortensituation angepasste Planung der Herbstmaßnahmen.
Kennen Sie schon unseren Newsletter „GartenbauInfo“? Expertinnen und Experten des LLH informieren darin über Termine und Veranstaltungen, aktuelle Entwicklungen, Projekte und praxisorientierte Lösungen in den Bereichen Obst-, Gemüse- und Zierpflanzenbau sowie Baumschule. Sie erhalten kompakte, fachlich fundierte Beiträge – zugeschnitten auf die Anforderungen der gärtnerischen Praxis in Hessen.
Der Newsletter „GartenbauInfo“ erscheint regelmäßig per E-Mail. Melden Sie sich jetzt an und bleiben Sie stets auf dem neuesten Stand! Hier geht es zur Anmeldung.