Ergebnisse der LSV Öko-Winterroggen 2025
Anbau von Öko Winterroggen

Roggen besitzt gerade im ökologischen Ackerbau einige pflanzenbauliche Vorteile und ist daher auf vielen Ökobetrieben ein fester Bestandteil der Fruchtfolge. Durch die geringeren Standort- und Nährstoffansprüche ist der Roggen ideal für den Anbau auf sogenannten Grenzstandorten, also zum Beispiel Flächen mit Defiziten in der Wasserversorgung und sandigeren Bodenverhältnissen. Innerhalb der Fruchtfolge bietet sich die abtragende Stellung am Ende der Rotation aus mehreren Gründen an: Die Nährstoffvorräte im Boden sind durch die Vorfrüchte zum Großteil aufgebraucht worden, womit der Roggen weniger Probleme hat als andere Getreidearten. Zudem nimmt der Unkraut- und Ungrasdruck zum Ende der Fruchtfolge meist deutlich zu. Durch die grundsätzlich gute Massebildung und seine Langstrohigkeit kommt der Roggen recht gut mit dieser Konkurrenzsituation zurecht. Außerdem bieten sich verschiedene Möglichkeiten den nachfolgenden Feldfutterbau bereits als Untersaat im Getreidebestand zu etablieren. Das ideale Saatzeitfenster reicht von Ende September bis Mitte Oktober. Die Saatstärke liegt je nach Zeitpunkt und Sortentyp bei ca. 200 bis 300 Körnern pro Quadratmeter. Bei früheren Saaten und bei Hybridsorten kann die Saatstärke reduziert, bei Populationssorten und zu späteren Zeitpunkten erhöht werden. Die optimale Saattiefe liegt im Bereich von 1 bis 2 cm und damit etwas flacher als bei den übrigen Getreidearten. Voraussetzung für einen guten Bestand sind trockene Aussaatbedingungen. Zu nasse Bodenverhältnisse oder gar Staunässe verträgt der Roggen überhaupt nicht. Durch das gute Unkrautunterdrückungsvermögen sind mechanische Regulierungsmaßnahmen in der Regel nicht notwendig. Im Gegenteil können sich Striegeldurchgänge insbesondere im Herbst gar kontraproduktiv auswirken. Aufgrund der geringen Saattiefe und daraus resultierender mangelnder Verankerung im Boden kann es mitunter zu hohen und ertragswirksamen Kulturpflanzenverlusten kommen. Wie bereits erwähnt kommt der Roggen gut mit niedrigeren Nährstoffgehalten zurecht, sodass eine zusätzliche organische Düngung meist nicht notwendig ist. Im Gegenteil können sich höhere Stickstofffrachten unter Umständen sogar negativ auswirken, indem der tendenziell langwüchsigere Roggen mit vermehrtem Lager reagiert, was zu schwierigen Erntebedingungen mit der Gefahr von Ertrags- und Qualitätsverlusten führen kann. Die Vermarktungssituation beim Roggen zeigt sich nicht immer unproblematisch, weshalb sich Absprachen mit dem Handel vor dem Anbau meist auszahlen. In der Regel wird der Roggen mit dem Ziel zur Verwertung als Brotgetreide angebaut. Hier gilt es selbstverständlich bestimmte Qualitätsparameter wie Rohproteingehalt, Fallzahl, Besatz etc. einzuhalten. Auch der Einsatz in der Fütterung ist möglich, wenngleich die Nachfrage nach Futterroggen von den Tierhaltern meist eher verhalten ist. Hinsichtlich der Sortenwahl spielen neben dem Ertrags- und Qualitätspotential natürlich auch bestimmte agronomische Eigenschaften eine wichtige Rolle. Hierzu zählt neben der Wuchslänge und Halmstabilität natürlich auch die Anfälligkeit gegenüber verschiedenen Krankheiten. Insbesondere Braunrost, Mehltau und natürlich Mutterkorn spielen hier eine wichtige Rolle.
Nach der entsprechenden EU-Verordnung (2024/1808) wurde der Höchstgehalt an Mutterkornsklerotien in unverarbeitetem Brotroggen von zuvor 0,5 g/kg auf den seit dem 01.07.2025 geltenden Grenzwert von 0,2 g/kg herabgesetzt. Für Futterroggen besteht nach wie vor der Höchstwert von 1 g/kg. Damit kommt der Belastung der Erntepartien mit Mutterkorn und den enthaltenen, gesundheitsgefährdenden Ergotalkaloiden noch einmal mehr Bedeutung zu. Das sogenannte Mutterkorn ist die Überdauerungsform des Pilzes Claviceps purpurea und kann grundsätzlich bei allen Getreidearten und Wildgräsern vorkommen. Der Roggen als Fremdbefruchter ist allerdings besonders gefährdet. Die Infektion der Pilzsporen findet während der offenen Blüte des Roggens statt. Eine tragende Rolle für das Infektionsgeschehen spielen insbesondere die Witterungs- und Umwelteinflüsse während der Blüte. So lassen kühl-feuchte Wetterphasen die Blühdauer und damit die Infektionsgefahr deutlich ansteigen. Die vorbeugenden Managementmaßnahmen im Anbau zur Reduktion des Mutterkornbefalls sind begrenzt. Neben einer ausgewogenen Fruchtfolge, guter Feldrandhygiene und die Förderung eines gleichmäßigen Pflanzenbestandes ohne Entwicklungsunterschiede spielt auch die Sortenwahl eine Rolle. Tendenziell bieten Populationssorten ein höheres Pollenschüttungsvermögen als Hybridroggen und reduzieren damit die Infektionsgefahr. Dem Saatgut von Hybriden wird oft ein gewisser Anteil Populationsroggen beigemischt um die Anfälligkeit abzusenken. Neue Züchtungen versprechen aber auch bei den Hybridsorten eine verbesserte Pollenbildung und schnellere Befruchtung zur Reduktion des Mutterkornbefalls. Die Einstufung der Mutterkornanfälligkeit durch das Bundessortenamt beruht auf einer mehrjährigen und mehrortigen Resistenzprüfung unter erhöhten Infektionsbedingungen.
Beim Roggen als Fremdbefruchter hat sich die Hybridzüchtung seit den 1980er Jahren fest etabliert. Wenngleich im Ökolandbau oftmals die klassischen Populationssorten unter anderem wegen der gegebenen Nachbaumöglichkeit und guten Qualitätseigenschaften nach wie vor die bedeutendere Rolle spielen, zeigt sich bei den Hybridsorten auch in den Ergebnissen der Landessortenversuche in der Regel ein Ertragsvorteil von bis zu 20 %.
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