Ergebnisse der LSV Öko-Winterweizen 2025
Meist erreichen nur die E-Weizen-Backqualität
Die Ergebnisse der Sortenversuche geben den Landwirten darüber Aufschluss, welche Sorten für den Back- bzw. Futterweizenanbau geeignet sind. Reinhard Schmidt vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen fasst die Ergebnisse der drei hessischen Landessortenversuche zu Öko-Winterweizen zusammen.
Durch den direkten Sortenvergleich werden nicht nur die Unterschiede im Ertrag und der Qualität deutlich, sondern auch Unterschiede in pflanzenbaulichen Merkmalen wie Jugendentwicklung und Krankheitsanfälligkeit werden ermittelt und können so bei der Sortenwahl mitberücksichtigt werden.
Die Wahl der Weizensorte bestimmt im Ökolandbau in erheblichem Maße, ob der Stickstoff vorrangig in Rohprotein und damit Qualität (Backfähigkeit) oder in Kornertrag umgesetzt wird. Der Landwirt stellt somit bereits bei der Sortenwahl die Weichen für Back- oder Futterweizen. Neben der Sortenwahl beeinflussen aber auch Standort, Fruchtfolge, Düngung und die Witterung das Qualitätsniveau. Die Sortenergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass meist nur Sorten der Qualitätsgruppe E (Eliteweizen) Backqualität erreichen. Aber selbst aus diesem Qualitätssegment gibt es Sorten, die den verfügbaren Stickstoff stärker in Ertrag umsetzen und so nur unzureichende Qualitäten erzielen. Meist sind diese Sorten unter konventionellen Bedingungen gezüchtet worden und benötigen entsprechende (Mineral)-Stickstoffgaben, um die nötigen Qualitätsziele zu erreichen. Um diese Sorteneigenschaften zu erkennen, werden in Hessen auf drei Standorten Landessortenversuche zum Öko-Winterweizen durchgeführt.
Drei Öko-Sortenversuche in Hessen
Neben Alsfeld-Liederbach (VB; Vogelsbergkreis) und der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen (FH, Landkreis Kassel) steht mit der Versuchsstation Weilburger Grenze (WG) bei Gießen ein dritter Standort für den Landessortenversuch Öko-Winterweizen zur Verfügung. Die Standortdaten können der Tabelle 1 entnommen werden.
Auf allen Standorten wurde ein übereinstimmendes Kernsortiment von insgesamt 20 Sorten geprüft. Darunter sechs Sorten die der Qualitätseinstufung E entsprechen; sieben Sorten der Qualität A; fünf Sorten der Qualität B und zwei Sorten entsprechend der C-Qualität. Am Standort Weilburger Grenze konnten die beiden Sorten Ernestus und Ambientus wegen Wildschadens allerdings nicht ausgewertet werden. Zusätzlich wurden an den Standorten Alsfeld und Weilburger Grenze der Wechselweizen Lennox, sowie nur an der Weilburger Grenze die E-Sorten Alessio, Criterio, Ekonom und Arameus, geprüft.
Die Aussaat an den Standorten erfolgte Mitte Oktober (Alsfeld und Frankenhausen) bzw. Ende Oktober (Weilburger Grenze).
Wetter mit Trockenphasen im Frühjahr und Frühsommer
Die Witterung in der Vegetationsperiode ab Frühjahr 2025 war durch zwei länger anhaltende Trockenphasen geprägt. Der Februar war vielerorts schon deutlich trockener als der langjährige Durchschnitt. Ab Anfang März bis Ende der zweiten Aprildekade sind dann keine nennenswerten Niederschläge mehr gefallen. Diese Zeit konnte für eine intensive Beikrautregulierung in den Winterungen genutzt werden. Diese fand auch auf den Versuchsstandorten durch mehrmaliges Striegeln bzw. Hacken statt. Sehr warm und trocken wurde es wieder ab dem 10. Juni. Bei Tageshöchsttemperaturen zwischen 25 und 30°C sind Niederschläge teilweise wochenlang ausgeblieben. Auf knappen Standorten sind in dieser Phase erste Trockenschäden aufgetreten. Auf den tiefgründigen Versuchsstandorten wurden beide Trockenphasen ohne nennenswerte Trockenschäden überstanden.
Geringer Pilzdruck hat zu guten Erträgen beigetragen
Die mehrwöchigen Trockenphasen haben sich sehr positiv auf den Krankheitsdruck in den Weizenbeständen ausgewirkt. Blattkrankheiten wie Septoria-Blattflecken oder Gelbrost waren in den Beständen kaum zu finden. Auch der, im weiteren Vegetationsverlauf immer häufiger auftretende Braunrost, hat nur bei einzelnen Sorten zu stärkerem Befall geführt. Wendelin zeigte den stärksten Befall.
Physiologische Blattflecken
Eine Besonderheit war in diesem Juni das Auftreten von physiologischen Blattflecken in mehreren Weizensorten. Diese hatten eine starke Ähnlichkeit mit den, durch die Pilzkrankheit DTR verursachten, Blattflecken. Allerdings konnten bei den betroffenen Sorten keine Krankheitserreger gefunden werden. Ursächlich für diese bundesweit auftretenden Symptome waren wahrscheinlich Witterungseinflüsse, wie hohe Tag/Nacht-Temperaturschwankungen oder hohe Strahlungsintensitäten. Am stärksten waren die Sorten SU Fiete, Ernestus, Ambientus und Montalbano betroffen.
Gute Erträge auf allen Prüfstandorten
Im Mittel des gemeinsamen Sortiments von 20 Sorten konnten auf allen Standorten gute Erträge erzielt werden. Der Durchschnittertrag lag auf den Standorten Alsfeld und Frankenhausen bei ca. 70 dt/ha. In Gießen wurde ein mittlerer Ertrag von 62 dt/ha erzielt. Nach Qualitätsgruppen aufgegliedert ergibt sich ein mittleres hessenweites Ertragsniveau bei den E-Qualitäten von 62,3 dt/ha; bei den A-Qualitäten von 66,4 dt/ha und bei den B/C-Sorten von 72,9 dt/ha. Im E-Segment konnte in allen Prüfjahren Exsal den höchsten Ertrag erzielen. Auch der mehrjährig geprüfte Montalbano schneidet sehr stark im Ertrag ab. Etwas schwächer als in den Vorjahren schneiden aktuell Wendelin und die beiden Sorten aus der Ökozüchtung (Grannosos und Castado) ab. Sie liegen im Mittel der drei Standorte bei einem Relativertrag knapp unter 90%. Vinzenz als neue E-Sorte startet mit einem guten Relativertrag von 95 in die Prüfung.
Roderik, ebenfalls eine Sorte aus ökologischer Züchtung, ist ein sehr qualitätsbetonter A-Weizen. Im Ertrag liegt er knapp unter dem Ergebnis von Montalbano und Vinzenz und bestätigt die sehr guten Ertragsergebnisse der Vorjahre.
Bei den A-Sorten erzielte Ambientus (rel. 114) mit deutlichem Vorsprung den höchsten Ertrag. Allerdings stand diese Sorte im ersten Prüfjahr und konnte nur auf zwei Standorten gedroschen werden. Die mehrjährig geprüften Rübezahl und Euforia erreichten mittlere Erträge. Ertragsschwächste Sorte im gesamten Sortiment war Illusion. Hier traten im Herbst bereits Auflaufprobleme auf, sodass die Sorte mit einem sehr ausgedünnten Bestand in den Winter gegangen ist. Auch in den Vorjahren konnte Illusion nur Erträge unter dem Versuchsmittel einfahren.
Von den mindestens zweijährig geprüften Futterweizensorten konnten RGT Dello (rel. 117), Knut (rel. 115) und KWS Keitum (rel. 113) im Ertrag überzeugen.
Rohprotein- und Feuchtklebergehalte
Die Rohproteingehalte werden von allen Sorten ermittelt, während die Feuchtklebergehalte nur von den Sorten aus dem E- und A-Segment erhoben werden. Die durchschnittlichen Rohproteingehalte liegen am Standort Weilburger Grenze mit 11,3 % um 2 Prozentpunkte höher als auf den beiden anderen Standorten. Im Mittel der drei Standorte reicht die Spanne von 8,0 % Rohprotein bei KWS Keitum bis 11,6 % Rohprotein bei Grannosos. Rohproteingehalte über 11% erreichen noch Castado und Montalbano.
Für den Verkauf von Backweizen ist der Feuchtklebergehalt nach wie vor das Maß der Dinge. Auch hier fällt der große Standortunterschied auf. Wie schon beim Rohproteingehalt, werden auch beim Feuchtklebergehalt an der Weilburger Grenze deutlich höhere Werte erzielt als auf den beiden anderen Standorten. Grannosos und Castado erzielen auf allen Standorten die höchsten Feuchtklebergehalte. Weiterhin können auch Wendelin, Roderik, Montalbano und Vinzenz mit guten Klebergehalten punkten. Die hohen Gehalte von Illusion sind sicherlich dem ausgedünnten Bestand und dem damit sehr geringem Ertragsniveau geschuldet. Der sehr ertragsstarke E-Weizen Exsal erreicht nur am Gießener Standort zufriedenstellende Feuchtkleberwerte (24,2%). Aber auch hier beträgt der Abstand zu den Spitzensorten gut 6 Prozentpunkte. In Alsfeld (18,5%) und Frankenhausen (15,6%) werden die Anforderungen an eine Backweizenqualität dagegen deutlich verfehlt.
Hinweis
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