Ergebnisse der LSV Öko-Winterhafer 2026

Winterhafer – eine Alternative zur Sommerhafer?

Die vergangenen Jahre zeigten vielerorts eine deutlich ausgeprägte Frühsommertrockenheit, auch in diesem Jahr gestaltete sich der Zeitraum von Anfang März bis Ende April wieder recht niederschlagsarm. Das stellt den Anbau von Sommerkulturen vor besondere Herausforderungen. Aus diesem Grund kommen aus der Praxis immer wieder Anfragen zum Anbau von entsprechenden Winterformen der Sommerungen, um durch optimale Ausnutzung der Winterfeuchtigkeit den Ertragsdepressionen im trockenen Frühjahr zu begegnen. Um den Landwirtinnen und Landwirten fundierte Erkenntnisse und Zahlen für ihre Anbauentscheidung zu liefern hat der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen seit dem Anbaujahr 2023/24 den Winterhafer mit in das Sortiment der Öko Landessortenversuche am Standort Alsfeld-Liederbach aufgenommen.

LSV Öko-Winterhafer 2024, 2025 und 2026

Der Landessortenversuch Öko-Winterhafer am Standort Alsfeld-Liederbach konnte im ersten Standjahr 2024 aufgrund starker Auswinterungsschäden leider nicht ausgewertet werden. Insbesondere in Folge eines Kahlfrostereignis am 20. und 21. Januar (Temperatur bis -19,8 ˚C in 20 cm Höhe über der Bodenoberfläche) sind die Hälfte der Versuchsparzellen nahezu komplett ausgefallen. Die übrig gebliebenen Parzellen haben mit den Frostnächten vom 21. bis zum 23. April (Temperaturen zwischen -4,6 ˚C bis -7,4 ˚C in 20 cm Höhe über der Bodenoberfläche) eine weitere Wachstumsdepression erfahren. Während von den vier geprüften Sorten KWS Snowbird und Rhapsody komplett ausgefallen sind, konnten von den Sorten Fleuron und insbesondere Eagle zumindest noch einige Parzellen bis zur Ernte weitergeführt werden. Insbesondere die Sorte Eagle zeigte die geringsten Auswinterungsschädigungen. Von den übrig gebliebenen, beerntbaren Parzellen konnten Erträge zwischen ca. 13 und 29 dt/ha verzeichnet werden. Das Versuchsjahr 2024 mit den Frostereignissen und dem niederschlagsreichen Frühjahr zeigte, dass der Winterhafer sehr zu kämpfen hatte und seine Vorteile gegenüber dem Sommerhafer, welcher im Gegenzug deutlich von der Witterung profitierte, bei weitem nicht ausspielen konnte.

Im vergangenen Jahr 2025 zeigte sich dann ein anderes Bild, da wir keine extremen Kahlfrostereignisse zu verzeichnen hatten und die Haferbestände ohne nennenswerte Schäden oder Pflanzenverluste aus dem Winter kamen. Nach der für den Winterhafer üblichen, verhaltenen Pflanzenentwicklung zu Vegetationsbeginn, holten die Bestände nach den Niederschlägen Ende Mai/ Anfang Juni deutlich in der Entwicklung auf. Wenngleich der Winterhafer versuchsbedingt nach zweijähriger Kleegrasvorfrucht stand, gingen die Parzellen nicht ins Lager. Nach der wechselhaften Witterung in der zweiten Julihälfte konnte der Versuch am 12.08.25 mit einem beachtlichen Durchschnittsertrag von 74,1 dt/ha gedroschen werden. Ertragsstärkste Sorten waren KWS Snowbird und Fleuron, Eagle hat leicht unter dem Mittel gedroschen. Alle drei Sorten lagen im Hektolitergewicht über den geforderten 54 kg. Die Sorte Rhapsody ist deutlich kürzer und später in der Entwicklung als die übrigen Sorten. Auch hinsichtlich Ertragsleistung und Hektolitergewicht konnte sie nicht überzeugen. Aus diesen Gründen wurde sie im aktuellen Versuchsjahr 2026 auch aus dem Sortiment gestrichen.

Die Ergebnisse aus 2026 zeigen im Prinzip ein spiegelverkehrtes Bild zu 2025. Unter den diesjährigen Witterungs- und Standortbedingungen überzeugte sowohl hinsichtlich Ertrag als auch Qualität vor allem die Sorte Eagle, während KWS Snowbird und Fleuron leicht unterdurchschnittliche Erträge sowie Hektolitergewichte knapp unter den geforderten 54 kg/HL erreicht haben.

Abb. 1: Ertrag und Hektolitergewicht, Versuchsdurchschnitt Öko Winter- und Sommerhafer 2025 und 2026, Standort Alsfeld-Liederbach
Abb. 1: Ertrag und Hektolitergewicht, Versuchsdurchschnitt Öko Winter- und Sommerhafer 2025 und 2026, Standort Alsfeld-Liederbach

Tabelle 1: Standortdaten 2026

     Alsfeld
Vorfrucht Kleegrasgemenge
Aussaatdatum 10.10.2025
Saatstärke (Kö/m²) 350
Teilstücksgröße bei Ernte (m²)12,0
Erntedatum 14.07.2026
Bodenklimaraum 1) 133
Anbaugebiet 2) 3
Höhe über NN (m) 296
Ø Jahrestemperatur 3) (°C)9,0
Σ Niederschlag 3) (mm)670
BodentypPseudogley-Parabraunerde
Geologische Herkunft Löss
Bodenart der Krume Lehm
Humusgehalt humos
Ackerzahl 58
Stärke Krume (cm) 30
Kulturzustand Boden gut
pH-Wert 5,7
P2O5 (mg/100 g) 13
K2O (mg/100 g) 11
Mg (mg/100 g) 9

3) langjähriges Mittel
1) Bodenklimaräume
132 = Osthessische Mittelgebirgslagen
133 = Zentralhessische Ackerbaugebiete / Warburger Börde
134 = Lehmböden / Sauerland / Briloner Höhen / Höhenlagen
2) Anbaugebiete Sommerhafer ökologisch
1 = Sandstandorte Nord-Ost
2 = Sandstandorte Nord-West
3 = Lehmige Standorte West

Tabelle 2: Ergebnisse LSV Öko-Winterhafer, Alsfeld-Liederbach

   Ertrag dt/ha, 86 % TSMarkt-ware-ertrag
[dt/ha]
Ertrag
rel. zur BB
Roh-protein
in TM [%]
Tausend-korn-
masse
erntefrisch
[g]
Hekto-
liter-gewicht [kg/hl]
Markt-ware-anteil
> 2,0 mm
[%]
 Spelzen-farbePrüf-jahre2026202620252026
BB (dt/ha)39,438,739,474,1    
VD  (dt/ha)39,438,739,474,1 8,932,053,998,2
GD 5 % (abs./rel.) 2,7  6,8 5,7    
KWS Snowbird *(w)338,638,1981069,331,852,698,8
Fleurong337,737,0961088,631,353,898,2
Eagle(w)342,041,0107978,833,055,497,7
Rhapsody(g)2   89    

VD = Versuchsdurchschnitt über alle Sorten des Versuchs (inkl. Sorten, die nicht dargestellt werden)
GD = Grenzdifferenz
g = gelb, (g) = züchtereigene Einstufung
w = weiß, (w) = züchtereigene Einstufung
BB 2025 KWS Snowbird, Fleuron, Eagle, Rhapsody
BB 2026 KWS Snowbird, Fleuron, Eagle
2024 keine Auswertung wegen Auswinterung nach Kahlfrost
züchtereigene Einstufung / nicht in die „Beschreibende Sortenliste“ eingetragen

Fazit

Die Erfahrungen aus drei Versuchsjahren mit Winterhafer können wie folgt zusammengefasst werden: Der Winterhafer kann, bei den genannten Risiken im Anbau, allenfalls eine Ergänzung zum Sommerhafer hinsichtlich der Ertrags- und Qualitätsabsicherung darstellen. In den meisten Regionen in Mittel- und Nordhessen dürfte das unkalkulierbare Risiko von Auswinterungsschäden einem ausgedehnten Anbau oder gar dem Ersatz des Sommerhafers entgegenstehen. Unter den tendenziell wärmeren klimatischen Gegebenheiten in Teilen Südhessens könnte dies anders aussehen. Weitere Versuchsjahre werden zusätzliche Rückschlüsse zu Anbauwürdigkeit und Sorteneigenschaften geben.

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