Ökolandbau: Steinbrand – Was tun bei Befall?

Geplatzte Brandbutte (T. caries) im Weizenährchen mit schwarzer Sporenmasse; © Dr. Hendrik Hanekamp, Pflanzenschutzdienst Niedersachsen
Geplatzte Brandbutte (T. caries) im Weizenährchen mit schwarzer Sporenmasse; © Dr. Hendrik Hanekamp, Pflanzenschutzdienst Niedersachsen

Steinbrand ist eine samen- und bodenbürtige Pilzkrankheit des Getreides, die vor allem Weizen, Triticale, Dinkel, Emmer und Einkorn befällt. Häufig bleibt ein Befall bis zur Ernte unbemerkt. Erst beim Dreschen platzen die Brandbutten auf und setzen die Brandsporen frei. Befallene Partien sind aufgrund der Verunreinigung mit Brandsporen sowie des typischen „fischigen“ Geruchs häufig nicht handelsfähig und können erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen.

Wie erfolgt die Infektion?

Beim Dreschen haften die freigesetzten Brandsporen an den bis dahin gesunden Getreidekörnern. Sie dringen jedoch nicht in das Korn ein. Erst wenn das Korn nach der Aussaat im Boden keimt, keimt auch die Spore aus und infiziert den jungen Getreidekeimling. Bei infizierten Pflanzen entwickelt sich anstelle eines Korns mit Mehlkörper eine sogenannte Brandbutte mit mehreren Millionen Brandsporen – der Kreislauf schließt sich. Häufig ist die gesamte Ähre betroffen. Eine Infektion kann außerdem durch bodenbürtige Sporen erfolgen, die beim Mähdrusch freigesetzt wurden.

Die Überdauerungszeit der Sporen im Boden beträgt bis zu sechs Jahre. Im trockenen Zustand, beispielsweise im Getreidelager, bleiben sie noch deutlich länger, bis zu 20 Jahre, keimfähig.

Was ist bei einem Befall zu tun?

Eine Partie, die durch Sporenbefall dunkel erscheint oder unangenehm „fischig“ riecht, ist nach den Einheitsbedingungen im Deutschen Getreidehandel nicht handelsfähig. Der typische Geruch wird durch Trimethylamin verursacht. Durch Bürstanlagen kann der Sporenbesatz um bis zu 99 % reduziert und damit die Vermarktungsfähigkeit einer Partie wiederhergestellt werden. Die Firma Granum in Halle an der Saale hat sich auf die Reinigung von mit Steinbrand befallenem Biogetreide spezialisiert. Telefon: 0160/94530380; E-Mail: info@granum-halle.de

Kann eine Partie nicht aufbereitet werden, bleibt im Extremfall nur die Verwertung über eine Biogasanlage.

Alle Maschinen, Transportmittel und Lager, die mit befallenem Getreide in Kontakt gekommen sind, müssen anschließend gründlich gereinigt werden, um eine Verschleppung der Brandsporen zu vermeiden.

Folgen für den weiteren Anbau

Bei einem festgestellten Befall sollte auf den betroffenen Flächen ein Anbauabstand für Wirtspflanzen (Weizen einschließlich Saatweizen, Triticale, Dinkel, Emmer und Einkorn) von mindestens vier, besser fünf Jahren eingehalten werden.

Eine Aussaat unter Bedingungen, die eine rasche Keimung fördern, reduziert das Infektionsrisiko. Eine langsame Keimung hingegen begünstigt eine Infektion mit Steinbrand. Es empfiehlt sich zudem dringend, Nachbausaatgut vor der Aussaat auf Brandsporen untersuchen zu lassen. Die Kosten für die Untersuchung (ca. 35 €/Probe) sind im Vergleich zum möglichen wirtschaftlichen Schaden eines Steinbrandbefalls gering. Die Untersuchung führt beispielsweise der Landesbetrieb Hessisches Landeslabor, Am Versuchsfeld 11–13, 34128 Kassel, durch. Für die Untersuchung wird eine repräsentative Probemenge von etwa 500 g benötigt.

Saatgut mit einem Sporenbefall von mehr als 10–20 Sporen je Korn sollte nur nach einer Saatgutbehandlung ausgesät werden. Die Saatgutbehandlungsmittel Tillecur® auf Basis von Gelbsenfmehl sowie Cerall® (für Saatgut ohne Spelzen) beziehungsweise Cedomon® (für Saatgut mit Spelzen) auf Basis des Bakteriums Pseudomonas chlororaphis sind im ökologischen Landbau zugelassen. Nachbausaatgut mit einem Sporenbesatz von mehr als 100–300 Sporen je Korn sollte nicht verwendet werden.

Die Anfälligkeit gegenüber Steinbrand ist zudem stark von der Sortenwahl abhängig. Dazu hat das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen über mehrere Jahre und an verschiedenen Standorten Versuche durchgeführt. Hierfür wurde Saatgut mit 10.000 Sporen je Korn inokuliert. In Abbildung 2 sind die relativen Befallswerte aller 37 geprüften Sorten als Mittelwert mehrerer Versuche dargestellt. Die Sorten unterscheiden sich dabei deutlich in ihrer Anfälligkeit. Die Sorten Aristaro und Roderik zeigten in der Regel keine einzige befallene Ähre und erwiesen sich damit als vollständig resistent. Auch Tilliko, Axaro und Tillsano waren mit weniger als 0,5 % befallener Ähren in Einzelversuchen hoch widerstandsfähig, gefolgt von den ebenfalls sehr gesunden Sorten Campesino und Trebelir. Die Sorten Criterio, RGT Zunder, Chevignon, LG Optimist und Emmerto wiesen dagegen mit durchschnittlich über 45 % befallener Ähren die höchsten Befallswerte auf.

Diagramm: Sortenresistenzen gegen Steinbrand in Winterweizen
© LWK Niedersachsen, Pflanzenschutzamt, 71.14 Mykologie, Hanekamp

Dieser Beitrag stammt aus der Beratungs-Info des Beratungsteams Ökologischer Landbau „Ökomail“. Zur Online-Anmeldung.

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Weiterführende Links

Informationen der LWK Niedersachsen zum Thema:

Steinbrand in Winterweizen - Sorten-Resistenzprüfungen


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