Ergebnisse der LSV Öko-Wintertriticale 2026

Wintertriticale trotzt den Herausforderungen – erneut hohe Anbausicherheit im Ökolandbau

Im ökologischen Getreideanbau sind langstrohige Sorten mit ausreichender Standfestigkeit, einer schnellen Jugendentwicklung und guter Unkrautunterdrückung gefragt. Darüber hinaus müssen selbstverständlich auch Ertragspotenzial und Inhaltsstoffe überzeugen. Triticale erfüllt diese Anforderungen wie kaum eine andere Getreideart. Zwischen den einzelnen Sorten bestehen jedoch erhebliche Unterschiede hinsichtlich dieser Merkmale. Die Landessortenversuche unterstützen die Landwirtinnen und Landwirte dabei, die für ihren Standort am besten geeigneten Sorten auszuwählen.

Aus der Kreuzung von Winterweizen und Winterroggen entstanden, vereint Triticale die Anspruchslosigkeit des Roggens mit der Ertragsleistung des Weizens. Dadurch kann sie auf nahezu allen landwirtschaftlich genutzten Standorten wirtschaftlich angebaut werden. In vielen ökologisch wirtschaftenden Betrieben hat der Triticaleanbau daher einen festen Platz in der Fruchtfolge.

Triticale wird überwiegend als Futtergetreide angebaut und ist in der Tierfütterung vielseitig einsetzbar. Besonders geschätzt wird sie in der Milchvieh- und Schweinefütterung. Aber auch in der Geflügelhaltung kann Triticale in begrenzten Anteilen eingesetzt werden.

Bei der Krankheitsanfälligkeit gilt der Gelbrost als wichtigste Krankheit. Bei anfälligen Sorten und entsprechenden Witterungsbedingungen kann ein Befall rasch zu erheblichen Ertragseinbußen führen. Daneben treten Braunrost, Rhynchosporium-Blattflecken und seltener auch Mehltau auf.

In Hessen werden Wintertriticalesorten auf zwei Öko-Versuchsstandorten geprüft. In Alsfeld-Liederbach rotiert der Sortenversuch auf den Flächen des seit 1989 biologisch-dynamisch wirtschaftenden Betriebs Kasper und steht dort regelmäßig im ersten Jahr nach zweijährigem Feldfutterbau.

Der zweite Versuchsstandort befindet sich auf der hessischen Staatsdomäne Frankenhausen in Nordhessen. Auch hier folgt der Versuch in der Regel auf zweijährigen Feldfutterbau. Der Umbruch des Kleegrases erfolgte an beiden Standorten jedoch sehr unterschiedlich. In Alsfeld wurde das Kleegras am 8. Oktober ohne vorherigen Stoppelsturz direkt mit dem Pflug umgebrochen. Zwei Tage später erfolgte die Aussaat nach Saatbettbereitung mit der Kreiselegge.

Am Standort Frankenhausen wurde die Kleegrasnarbe bereits am 8. August zunächst flach mit der Fräse bearbeitet. Anschließend folgten mehrere Überfahrten mit dem Grubber, bevor am 17. Oktober der Pflug zum Einsatz kam. Die Aussaat erfolgte einen Tag später ebenfalls nach Saatbettbereitung mit der Kreiselegge.

Diese intensive Bodenbearbeitung birgt grundsätzlich die Gefahr, dass bereits im Herbst größere Mengen Stickstoff mineralisiert werden und bei hohen Niederschlägen in tiefere Bodenschichten verlagert werden. Je tiefgründiger die Böden, desto geringer ist aber die Gefahr, dass Stickstoff ins Grundwasser gelangt und damit für die Pflanzen verloren geht. Durch die intensivere Bodenbearbeitung und die einsetzende Mineralisation im Herbst steht im Frühjahr der Stickstoff früher zur Verfügung. Die Nmin-Beprobung bis 90 cm Bodentiefe ergab im März am Standort Frankenhausen einen Wert von 129 kg N/ha, während in Alsfeld 17 kg N/ha gemessen wurden.

In Alsfeld konnte ab Mitte Mai ein starkes Auftreten von Vogel- und Rauhaariger Wicke beobachtet werden. Dadurch entstand zusätzliche Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe.

Hohe Niederschläge begünstigten den Gelbrostbefall

Blätter mit Gelbrostbefall
Gelbrostbefall im Mai hat bei anfälligen Sorten zu Mindererträgen geführt

Die Niederschlagsmengen in den Monaten März bis Juni sind sehr unterschiedlich ausgefallen. Am Standort Alsfeld sind in diesem Zeitraum 160 l/m², in Frankenhausen 300 l/m² Regen gemessen worden. Damit war die Wasserversorgung in Nordhessen mehr als ausreichend.

Die feucht-kühlen Witterungsbedingungen Anfang Mai am Standort Frankenhausen boten aber auch gute Infektionsbedingungen für Gelbrost. In der Folge konnte ab dem 20. Mai bei anfälligen Sorten ein deutlicher Befall mit den typischen gelben Rostpusteln beobachtet werden. Besonders stark betroffen waren Toristo, Tiesto und Fantastico. Auch am Standort Alsfeld waren die gleichen Sorten betroffen, allerdings auf einem deutlich geringeren Niveau als in Frankenhausen. Eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Gelbrost zeigten Lumaco, Brehat, Bicross und Bonjour, die nahezu während der gesamten Vegetation ohne Befall blieben.

Eine etwas höhere Anfälligkeit gegenüber Rhynchosporium-Blattflecken zeigten die Sorten Kitesurf und Trimobe.

Der Standort entscheidet über den Ertrag

Nach den Rekorderträgen aus dem Vorjahr lagen die Sorten im Mittel der beiden Standorte in diesem Jahr noch deutlich unter dem Ertragsniveau aus 2024. Allerdings führten die unterschiedlichen Anbaubedingungen in diesem Jahr zu deutlichen Ertragsunterschieden zwischen den beiden Versuchsstandorten. Am Standort Frankenhausen wurde ein Durchschnittsertrag von 64,9 dt/ha erzielt, während am Standort Alsfeld mit durchschnittlich 43,0 dt/ha deutlich geringere Erträge erreicht wurden.

Blick in ein Triticalfeld
Triticale mit hohen Erträgen und guter Beikrautunterdrückung

Zu den ertragsstärksten Sorten am nordhessischen Standort zählten Bonjour, Lumaco und die erstmals geprüfte Sorte Balino mit Erträgen von über 70 dt/ha. In Alsfeld hoben sich Balino und Brehat vom übrigen Sortiment ab und erreichten Erträge von knapp 48 dt/ha.

Von den mindestens dreijährig geprüften Sorten können besonders Lumaco und Bicross mit stabilen Erträgen überzeugen. Die Erträge von Brehat streuen stärker über die Jahre und Standorte. Die Höchsterträge vom Vorjahr konnte Brehat in diesem Jahr nur am Standort Alsfeld wiederholen. Alle drei Sorten weisen eine sehr geringe Gelbrostanfälligkeit auf.

Der hohe Gelbrostinfektionsdruck am Standort Frankenhausen führte bei den anfälligen Sorten zu erheblichen Ertragseinbußen. Toristo, Tiesto und Fantastico erzielten lediglich unterdurchschnittliche Erträge. Die erstmals geprüfte Sorte Fantastico bildete dabei an beiden Standorten im Ertrag das Schlusslicht.

Hohe Rohproteingehalte und kleine Körner

Die Rohproteingehalte fallen im Mittel über beide Standorte mit 10,8 % i. d. TM durchschnittlich gut aus. Dabei zeigten sich zwischen dem Standort Alsfeld mit 9,8 % und Frankenhausen mit 11,7 % deutliche Unterschiede. Am Standort Frankenhausen erreichten die Sorten Balino, Tributo, Bonjour und Lumaco Rohproteingehalte von jeweils 12 % i. d. TM. Am Standort in Alsfeld erzielten Kitesurf, Tributo und Fantastico die höchsten Werte mit über 10 % i. d. TM.

Die Kornausbildung und damit auch die Tausendkornmasse erreichten dagegen nicht die guten Werte der Vorjahre. Vermutlich verhinderte die Hitzephasen im Juni/Juli eine vollständige Kornausbildung. Lediglich die Sorte Kitesurf konnte mit einer Tausendkornmasse von 49,9 g an die guten Ergebnisse der Vorjahre anknüpfen. Auch der Gelbrostbefall hat sich bei den anfälligen Sorten negativ auf das Korngewicht ausgewirkt. Toristo, Tiesto und Fantastico erreichen auch in diesem Merkmal nur unterdurchschnittliche Werte. Bei Lumaco ist die vergleichsweise geringe Tausendkornmasse vermutlich genetisch bedingt, da diese Sorte auch in den Vorjahren durch die Bildung vergleichsweise „leichter“ Körner auffiel.

Sortenbeschreibung der geprüften Sorten

Mindestens zweijährig geprüfte Sorten

Kitesurf
Langjährig geprüfte Sorte mit Erträgen, die meist knapp unter dem Versuchsmittel liegen. Kitesurf ist langstrohig und besitzt eine mittlere Standfestigkeit. Die Sorte zeichnet sich durch eine gute Bodenbedeckung und Blattmassebildung im Frühjahr aus. Hervorzuheben sind die hohen Rohproteingehalte sowie die sehr hohen Tausendkorngewichte. Zu beachten ist die mittlere Anfälligkeit gegenüber Rhynchosporium-Blattflecken und Gelbrost.

Lumaco
Stand im fünften Versuchsjahr. Die Erträge und Rohproteingehalte liegen meist knapp über dem Versuchsmittel. Charakteristisch sind die geringe TKM sowie die gute Blattgesundheit. Lumaco ist mittellang, bildet früh viel Blattmasse und deckt den Boden gut ab. Im Frühsommer 2025 traten physiologische Blattflecken auf. Lumaco hat eine mittlere Lageranfälligkeit.

Brehat
Konnte in den vergangenen Jahren mit Erträgen meist über dem Versuchsmittel überzeugen. Aktuell konnte Brehat das gute Ergebnis aber nur am Standort Alsfeld bestätigen. Die Sorte ist langstrohig, weist jedoch eine erhöhte Lageranfälligkeit auf. Im Frühjahr entwickelt sie eine sehr gute Bodenbedeckung. Die Anfälligkeit gegenüber Mehltau ist mittel, während die guten BSA-Einstufungen für Braun- und Gelbrost bestätigt wurden.

Bicross
Seit 2024 im Versuch und bislang mit stabilen, leicht überdurchschnittlichen Erträgen. Bicross ist langstrohig und besitzt eine mittlere Lageranfälligkeit. Die Sorte entwickelt sich sehr zügig und zeichnet sich durch eine hervorragende Blattgesundheit aus. Besonders hervorzuheben ist die geringe Anfälligkeit gegenüber Gelb- und Braunrost. Nach Angaben des Züchters eignet sich Bicross zudem gut für eine GPS-Nutzung.

Tiesto
Stand im zweiten Prüfjahr und konnte aktuell nicht an die guten Ergebnisse aus dem Vorjahr anschließen. Die Rohproteingehalte fallen eher niedrig aus und die Frühjahrsentwicklung verläuft verhalten. Besonders am Standort Frankenhausen trat ein stärkerer Gelbrostbefall auf.

Bonjour
Vom Züchter als Sorte mit Wechseleignung für Herbst- und Frühjahrsaussaat empfohlen. Bei Herbstaussaat lagen die Erträge bisher meist knapp unter dem Versuchsmittel. Bonjour zeigte sich bislang ausgesprochen blattgesund. Lediglich gegenüber Blattseptoria und Ährenfusarium besteht eine mittlere Anfälligkeit. Die Sorte ist mittellang und besitzt eine mittlere Standfestigkeit.

Toristo
Vom Bundessortenamt als Sommertriticale zugelassen, wird Toristo vom Züchter auch für die Herbstaussaat empfohlen. In beiden Prüfjahren konnten keine Auswinterungsschäden beobachtet werden. Die Erträge lagen meist knapp unter dem Versuchsmittel. Auch die Rohproteingehalte liegen bisher im unteren Bereich. Toristo ist mittellang und zeichnet sich durch eine schwache Frühjahrsentwicklung sowie eine geringe Bodenbedeckung aus. Negativ fiel in diesem Jahr der starke Gelbrostbefall auf beiden Standorten auf.

Tributo
Stand im zweiten Prüfjahr und überzeugte bislang mit stabilen Erträgen. Die etwas später abreifende Sorte weist lediglich gegenüber Gelbrost eine mittlere Anfälligkeit auf und ist ansonsten sehr blattgesund. Tributo zählt zu den kurzstrohigen Sorten im Sortiment.

Neue Sorten

Trimobe
Langstrohige Sorte mit Schwächen in der Standfestigkeit. Im ersten Prüfjahr konnten die Erträge nicht überzeugen. Mit Ausnahme einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Rhynchosporium zeigte sich Trimobe sehr blattgesund.

Balino
Konnte im ersten Versuchsjahr auf beiden Standorten mit sehr hohen Erträgen überzeugen. Dieses Ergebnis dürfte auch auf die ausgewogene Blattgesundheit zurückzuführen sein. Lediglich die mittlere Anfälligkeit gegenüber Braunrost ist zu beachten. Balino ist mittellang und standfest.

Fantastico
Mit Abstand die kürzeste Sorte im aktuellen Sortiment. Der starke Gelbrostbefall führte zu deutlichen Ertragseinbußen und damit zu den geringsten Erträgen auf beiden Standorten.

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