Sortenversuch Öko-Winterackerbohnen

Über den letzten Winter und die Vegetationsperiode 2025 haben sich die Winter-Körnerleguminosen zu ordentlichen Beständen entwickelt und zogen vermehrt die Aufmerksamkeit auf sich. Ein Grund für die hohe Überwinterungsrate der Bestände waren auch die Witterungsverhältnisse, mit denen die Bestände in diesem Jahr deutlich besser zurechtkamen.

Im Vergleich zum langjährigen Mittel war der Winter 2024/2025 deutlich milder, mit nur vereinzelten kurzanhaltenden Frostphasen. Hinzu kamen die geringeren Niederschläge, mit einzelnen örtlichen Ausnahmen über das gesamte hydrologische Winterhalbjahr (Nov. 2024 – April 2025). Somit fiel das Winterhalbjahr deutlich trockener aus als normal (Quelle: https://landwirtschaft.hessen.de/presse/winterhalbjahr-in-hessen-aussergewoehnlich-trocken-und-warm).

Versuchsfeldflächen mit unterschiedlich entwickelten Winterackerbohnenpflanzen im Frühjahr
Auch bei Winterackerbohnen ist die Unkrautregulierung im Frühjahr entscheidend für den Erfolg.

Trotz des vergleichsweise trockenen Winters zeigten die Winter-Körnerleguminosen ihren Entwicklungsvorsprung im Vergleich zu den Frühjahrs-Aussaaten. Die Bodenverhältnisse erlaubten es den Pflanzen, den Wurzelhorizont in seiner gesamten Tiefe gut zu erschließen. Im weiteren Vegetationsverlauf konnte das pflanzenverfügbare Wasser aus diesen Bodenschichten zum Wachstum frühzeitig genutzt werden. Die milden Temperaturen und nur kurz anhaltenden Frostphasen über die Wintermonate wirkten sich positiv auf die Entwicklung der Bestände aus. Anders verhält es sich bei starken Temperaturwechseln, welche die Bestände stark belasten können. Diese Wechseltemperaturen traten in einzelnen Regionen Anfang April auf und stockten das Wachstum der Winterungen. Doch auch diese kritische Phase meisterten die Winter-Körnerleguminosen und gingen fast ohne Auswinterungsverluste aus dem Winter. Für den Erfolg von Winter-Körnerleguminosen ist somit nicht nur die oft genannte Winterhärte der verfügbaren Sorten ausschlaggebend, sondern auch die Wahl des geeigneten Standorts. Kaltluftsenken oder exponierte Höhenlagen mit Kahlfrostgefahr scheiden beispielsweise für den Anbau aus. 

beschildertes Versuchsfeld mit Winterackerbohnen im Juni
Gut entwickelte Winterackerbohnen Anfang Juni

Erfahrungen und erste Ergebnisse aus den Sortenversuchen zu Öko-Winterackerbohnen

Um dem wachsenden Interesse der landwirtschaftlichen Praxis am Anbau von Winterformen der Sommerleguminosen mit Erfahrungen und Ergebnissen zu begegnen, führt die Fachinformation des LLH seit 2024 Öko-Sortenversuche zu Winterackerbohnen am Standort Alsfeld-Liederbach durch. Die Bohnen werden dabei in weiter Reihe ausgesät, um die Möglichkeit zur Unkrautbekämpfung mit der Hacke zu haben. Im ersten Versuchsjahr konnten die Parzellen zwar geerntet, jedoch nicht statistisch ausgewertet werden.

Versuchsfelder mit verschiedenen Ackerbohnensorten im Mai
Winter-(links) und Sommerackerbohnen (rechts) im Vergleich: Die Winterackerbohnen zeigen ihren Entwicklungsvorsprung (Mitte Mai).

Problematisch waren hier in erster Linie zwei Faktoren: Zum einen war die Witterung nach der Aussaat bis ins Frühjahr von reichlich Niederschlag geprägt, was die mechanische Unkrautregulierung über lange Zeit praktisch unmöglich machte. Bis im Frühjahr war die Verunkrautung schon so weit fortgeschritten, sodass die Scharhacke nur noch begrenzten Erfolg zwischen den Reihen brachte. Zum anderen zeigten die Versuchsparzellen in Folge eines Kahlfrostereignisses Mitte Januar 2024 mit Temperaturen von unter -15˚C starke Auswinterungsschäden bis hin zum Totalausfall einzelner Sorten. Dazu kam es durch die feucht-warme Witterung im Frühjahr 2024 auch zu einem massiven Befall mit verschiedenen Blattkrankheiten. Aufgrund dieser Umstände war hier die Sommerackerbohne letztlich klar im Vorteil. In diesem Jahr kamen die Versuchsparzellen dagegen ohne nennenswerte Schäden aus dem Winter und auch die Unkrautregulierung war deutlich besser möglich. Die Bohnen wurden am 24.10.2024 mit einer Aussaatstärke von 25 Körnern/m2 ausgesät und am 18.08.2025 geerntet. Rückblickend schien die Saatstärke für den Termin Ende Oktober etwas zu gering, da die Pflanzen nicht ausreichend bestockten und damit zu dünne Bestände erzielt wurden. Die Sorten Augusta und GL Alice zeigten in diesem Jahr die besten Ertragsleistungen. Augusta hatte in 2024 die geringsten Auswinterungsschäden, während GL Alice deutliche Pflanzenverluste zeigte. Irena war 2024 nahezu komplett ausgefallen, konnte aber auch in diesem Jahr nicht überzeugen. Aufgrund der Erfahrungen aus zwei Versuchsjahren lässt sich festhalten, dass die Winterackerbohne – einen geeigneten Standort vorausgesetzt – eine sinnvolle Ergänzung zur Sommerform im Sinne der Risikostreuung darstellen kann. Der komplette Ersatz der Sommerung birgt allerdings ein hohes Anbaurisiko und die Sommerackerbohne zeigte am Öko- Versuchsstandort Alsfeld-Liederbach in beiden Jahren einen Ertragsvorteil.

Tabelle 1: Einjährige Ergebnisse Sortenversuch Öko-Winterackerbohne 2025 in Alsfeld-Liederbach

       Sekun-
däre
Inhalts-stoffe
Prüf-jahreErtrag dt/ha,
86 % TS
Ertrag
rel. zum VD
Roh-
protein in
TM
[%]
Roh-
protein
bei 86 %
TS
[%]
Tausend-korn-
masse
bei 86 %
TS

[g]
Roh-
protein-
ertrag
bei 86 %
TS
[dt/ha]
2025
      
VD
(dt/ha)
34,534,530,726,4472,6 9,1
GD 5 % (abs./rel.) 4,613,3    
Augustatanninhaltig244,312830,226,048611,5
GL Arabellatanninhaltig232,5 9431,026,74698,7
Diva EUtanninhaltig229,7 8631,226,84138,0
(Irena)* 224,3 7031,827,34776,7
(GL Alice)* 241,812129,325,251810,5

VD = Versuchsdurchschnitt über alle Sorten des Versuchs (inkl. Sorten, die nicht dargestellt werden)
GD = Grenzdifferenz

Abb. 1: Ertrag im Versuchsdurchschnitt (dt/ha), Sortenversuch Öko-Winter- und Sommerackerbohne 2024 und 2025 am Standort Alsfeld-Liederbach
Abb. 1: Ertrag im Versuchsdurchschnitt (dt/ha), Sortenversuch Öko-Winter- und Sommerackerbohne 2024 und 2025 am Standort Alsfeld-Liederbach

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