Schilf-Glasflügelzikade – Monitoring im Gemüsebau in Hessen 2025
Die Schilf-Glasflügelzikade (SGFZ, Pentastridius leporinus) hat in den letzten Jahren durch die Übertragung von bakteriellen Schaderregern erhebliche Schäden im Zuckerrüben- und Kartoffelanbau verursacht. Diese Bakterien wurden im Jahr 2024 auch bei verschiedenen Gemüsearten in Deutschland nachgewiesen und verursachten an einigen Kulturen wirtschaftlich bedeutsame Schäden, unter anderem auch in Hessen.

Im Jahr 2025 führte die LLH-Gartenbauberatung in Zusammenarbeit mit dem hessischen Pflanzenschutzdienst ein Monitoring in mehreren Landkreisen in Gemüsekulturen durch. Dazu wurden Klebetafeln auf Möhren- bzw. Zwiebeläckern aufgestellt, welche wöchentlich gewechselt und ausgewertet wurden, um den Flug der adulten Zikade zu erfassen. Die Ackerböden wurden stichprobenartig auf Anwesenheit von Jungtieren (Nymphen) kontrolliert. Zusätzlich wurden Pflanzenproben entnommen, welche mit molekularbiologischen Methoden auf das Vorhandensein der bakteriellen Schaderreger überprüft wurden.
Ergebnisse
In Südhessen wurden auf einem Speisezwiebelacker die ersten adulten Zikaden bereits Mitte Mai auf der Leimtafel gefangen, an den anderen beiden Standorten erst drei Wochen später. Die meisten Tiere wurden Ende Juni auf den Klebefallen ausgezählt (Flughöhepunkt). Vier Wochen später wurden die letzten Tiere gefangen. Das Fallenmonitoring lief noch bis Ende August.
Generell zeigte sich, dass auf den Gemüseflächen deutlich weniger Zikaden gefangen wurden, als auf Zuckerrüben- und Kartoffelflächen derselben Region (unter 20 Exemplare auf Gemüseflächen im Vergleich zu über 100 Zikaden pro Woche in der Spitze).
Nymphen wurden dieses Jahr in Hessen erstmalig bei Möhren gefunden, was in 2024 auch aus Baden-Württemberg gemeldet wurde. In anderen Kulturen (unter anderem Rhabarber, Knollensellerie, Speisezwiebeln, Süßkartoffeln) wurden bei den Stichprobenkontrollen in Hessen keine Funde von Nymphen im Boden gemacht.
Tabelle 1: Ergebnisse der Labortestung 2025
| Kultur | Zeitraum | Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus | Candidatus Phytoplasma Solani |
| Möhren | KW 14 | negativ | negativ |
| Rote Bete | KW 14 | negativ | negativ |
| Zwiebeln (rot/gelb) | KW 14 | positiv | positiv |
| Möhren | KW 14 | negativ | negativ |
| Zwiebeln (gelb) | KW 37 | negativ | negativ |
| Zwiebeln (rot) | KW 37 | negativ | negativ |
| Süßkartoffeln | KW 37 | negativ | negativ |
| Möhren | KW 37 | negativ | negativ |
| Knollensellerie | KW 37 | negativ | positiv |
| Möhren | KW 37 | negativ | positiv |
| Chinakohl | KW 44 | negativ | negativ |
| Rhabarber | KW 47 | negativ | negativ |
| Zwiebeln (rot/gelb) | KW 47 | negativ | negativ |

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass eine positive Testung auf einen oder beide bakterielle Schaderreger nicht zwangsläufig mit einem Schaden an der Kulturpflanze einhergeht. So wurde 2024 bei Speisezwiebeln der Nachweis beider Erreger erbracht, ohne dass die Pflanzen Schaden zeigten.
Bei anderen Kulturen wie Rote Bete, Möhren, Pastinaken, Wurzelpetersilie, Knollensellerie und Rhabarber ist erwiesen, dass sie durch eines der beiden Bakterien oder einer Mischinfektion geschädigt werden können. Insbesondere wenn biotischer oder abiotischer Stress – zum Beispiel Wassermangel – hinzukommt, kann es zu massiven Kulturschäden kommen.
Die Liste der Wirtspflanzen der Schilf-Glasflügelzikade wächst kontinuierlich. 2025 meldete Baden-Württemberg erstmals Nymphen auf Spargel (Grünspargelanlage), wobei Schäden an der Kultur noch nicht nachgewiesen wurden.
Das Monitoring in Gemüsekulturen in Hessen wird in 2026 von der LLH-Gartenbauberatung fortgeführt, um die Betriebe bestmöglich zu unterstützen.