Trauermückenbekämpfung
Bei der generativen und vegetativen Vermehrung sowie nach dem Topfen von Jungpflanzen können sich Trauermücken unter feuchten und warmen Bedingungen stark vermehren.

Die Larven der Trauermücke sind weißlich durchscheinend, besitzen eine schwarze Kopfkapsel und werden bis zu 7 mm lang. Sie fressen zunächst an den Wurzeln der Pflanzen und dringen ohne entsprechende Bekämpfung in den Stängel ein. Dies führt zu Welkeerscheinungen und begünstigt einen sekundären Pilzbefall, was zusammen zum Absterben der Pflanzen führen kann.
Sobald die Larven in den Stängel eingedrungen sind, ist eine Bekämpfung weitgehend unmöglich.
Teilweise können die Larven auch an Blättern, die auf dem Substrat aufliegen, fressen.
Bekämpfungsmaßnahmen
Zur Bekämpfung der Larven werden direkt zu Beginn der Kultur (Aussaat, Stecklingsvermehrung, Topfen) Nützlinge oder biologische Präparate eingesetzt.
Dazu zählen:
- die Nematodenart Steinernema feltiae,
- die Raubmilbenart Hypoaspis miles sowie
- das insektenpathogene Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (z. B. in Gnatrol SC).
Steinernema feltiae
Jungpflanzen können bereits vor dem Topfen mitsamt der Jungpflanzenplatte in eine Suspension mit Steinernema feltiae getaucht werden. Dadurch wird sichergestellt, dass in jedem Topf eine ausreichende Menge an Nematoden vorhanden ist.
Steinernema feltiae wird im Gewächshaus ganzjährig bei Temperaturen über 12 °C mit etwa 500.000 Tieren pro m² ausgebracht. Bei der Anwendung ist darauf zu achten, dass die im Wasser gelösten Nematoden ständig in Bewegung bleiben und nicht absinken. Wird eine Pflanzenschutzspritze oder ein Dosatron verwendet, müssen zuvor alle Siebe (< 0,5 mm) und Drallkörper entfernt werden. Die Ausbringung erfolgt bei maximal 5 bar Druck.
Alternativ können die Nematoden als Depotkapseln dem Substrat vor dem Topfen beigemischt oder beim Topfen mit entsprechender Technik direkt in jedes Pflanzloch dosiert werden. Nach der Anwendung sollte das Substrat gleichmäßig feucht gehalten werden.
Hypoaspis miles

Bei Hypoaspis miles handelt es sich um eine sehr agile, im Boden bzw. Substrat lebende Raubmilbenart. Sie ernährt sich von Trauermückenlarven, aber auch von Thripslarven. Je nach Befallsstärke werden 100 bis 500 Tiere pro m² direkt auf das Substrat oder den Boden ausgebracht. Der Einsatz erfolgt vorbeugend unmittelbar nach dem Topfen, der Aussaat oder der Stecklingsvermehrung.
Je nach Befallsdruck kann eine wiederholte Anwendung von Steinernema feltiae und Hypoaspis miles sinnvoll sein.
Trauermückenfallen
Als weiterer Baustein zur Bekämpfung von Trauermücken stellte Prof. Dr. Stefan Kühne vom Julius-Kühn-Institut im Jahr 2024 eine neue Methode vor: die Trauermückenfalle.
Es handelt sich dabei um eine Trichterfalle, die zu etwa einem Drittel mit Substrat und einem Esslöffel kerniger Haferflocken gefüllt wird. Nach dem Anfeuchten des Substrats wird in jeder Falle eine Gelbtafel platziert. Das auf den Haferflocken wachsende Pilzmyzel lockt die adulten Trauermücken an, die beim Einflug idealerweise direkt an der Gelbtafel haften bleiben.

Praxisversuche in hessischen Gemüsebaubetrieben zeigten, dass mit diesen Fallen etwa doppelt so viele Trauermücken gefangen werden wie mit freistehenden Gelbtafeln. Die Fallen dienen daher nicht dem Monitoring, sondern ermöglichen einen Massenfang und können die Bekämpfung mit Nützlingen effektiv unterstützen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Nützlinge wie Schwebfliegen, Schlupfwespen oder Gallmücken nicht in die Fallen gelangen und somit nicht unbeabsichtigt auf Gelbtafeln gefangen werden.
Nach etwa drei Wochen müssen die Fallen geleert und neu aufgebaut werden. Denn es ist möglich, dass einige Trauermücken ihre Eier in das verpilzte Substrat ablegen können, bevor sie an der Gelbtafel haften bleiben. Die daraus entstehenden Larven entwickeln sich innerhalb von drei Wochen zu adulten Tieren und würden anschließend wieder ein Befallspotenzial für die Kultur darstellen.
Bei geringem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann sich zudem Atheta, ein Kurzflügelkäfer, in der Falle ansiedeln, ohne von der Gelbtafel erfasst zu werden. Die Käfer leben im Boden bzw. Substrat und ernähren sich unter anderem von Trauermückenlarven und Thripsen. Sie sind in der Lage, die Larven, die sich in der Falle entwickeln können, zu vertilgen.







