Schnecken: Witterung entscheidet über das Schadrisiko

Schnecken können große Schäden in Getreide- und Rapsbeständen anrichten. Das Ausmaß hängt wesentlich von der Witterung im Jahresverlauf ab.

Nahaufnahme eines ausgehöhlten Weizensaatkorns mit Lochfraß
Schneckenfraß am Weizenkorn

Der Absatz von Molluskiziden war von 2016 bis 2023 tendenziell rückläufig bis die hohen Niederschlagsmengen von 2023 und 2024 zu einem starken Anstieg der Schneckenpopulation geführt haben. Daraus resultierten im Frühjahr und ganz besonders im Herbst 2024 erhebliche Schäden in den Ackerkulturen. Insbesondere in Winterraps, aber auch in Wintergetreide kam es verbreitet zu Ausdünnungen. Nicht selten mussten Bestände umgebrochen werden.

Nach dem milden Winter 2024/2025 war die Schneckenpopulation hoch. Doch die verbreitete Frühjahrstrockenheit sorgte dafür, dass die Aktivität der Schnecken – mit Ausnahme von beregneten Flächen – stark eingeschränkt blieb. Schäden an Sommerkulturen wie Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais traten daher 2025 kaum auf. Auch die Fortpflanzung der Schnecken wurde durch die Trockenheit stark reduziert.

Das Schadrisiko für Herbstsaaten ist derzeit gering. Für verlässliche Aussagen zum Schadrisiko sind weiterhin Feldbeobachtungen an Tagen mit Niederschlag nötig, da Schnecken dann aktiv werden.

Graphik, die den Absatz von Mollusikziden zeigt. Der Absatz schwankt stark.
Der Inlandsabsatz von Molluskiziden in Tonnen von 2002-2020. Der Absatz ist nicht gleichzusetzen mit der angewendeten Menge in dem jeweiligen Jahr; Quelle: BVL

Schnecke ist nicht gleich Schnecke

Von den ca. 250 Schneckenarten schädigen nur wenige Nacktschneckenarten landwirtschaftliche Kulturen, dazu gehören:

  • die Genetzte Ackerschnecke (Derocereas reticulatum),
  • die Einfarbige Ackerschnecke (Deroceras agreste),
  • die Graue Wegschnecke (Arion circumscriptus), sowie
  • die Gemeine Wegschnecke (Arion vulgaris), die manchmal auch als Spanische Wegschnecke bezeichnet wird.

Eine taxonomische Zuordnung dieser Schadschneckenarten ist im Feld schwierig.

Vier wenige Millimeter kleine Nacktschnecken auf dem Zeigefinger
Jungschnecken reagieren sehr empfindlich auf trockene Luft. Wasserverluste von mehr als 40% sind tödlich.
Nahaufnahme von zehn glänzend leuchtenden Schneckeneiern auf dem Erdboden
Ackerschnecken vermehren sich bei feuchten und nicht zu warmen Bedingungen ganzjährig

Das Ausmaß der Schädigung durch Ackerschnecken hängt grundsätzlich von deren Besatzstärke, deren Aktivität und den Auflaufbedingungen der Pflanzen ab. Der Schneckenbesatz steht wiederum in engem Zusammenhang mit der Witterung der vorangegangenen Monate, der Anzahl vorhandener Grobporen im Boden, der Vorfrucht und der Bodenart. Das Vermehrungspotenzial der Schnecken ist grundsätzlich sehr hoch. Die Genetzte Ackerschnecke legt bis zu 500 Eier in kleinen Portionen von 4-10 unter schützendem Mulch oder in Erdspalten ab. Aus diesen schlüpfen nach zwei bis vier Wochen die Jungschnecken. Nach weiteren vier bis sechs Wochen sind die Jungschnecken geschlechtsreif und beginnen einen neuen Generationszyklus. Nacktschnecken verlieren pro Stunde etwa 5 % Wasser, sobald die Luftfeuchte unter 45 % abfällt. Wasserverluste von über 40 % sind für Schnecken tödlich, besonders für Jungtiere.

Schneckenschäden sind am ehesten auf Flächen zu erwarten, die besonders bodenschonend (Minimalbodenbearbeitung) bewirtschaftet werden. Auch die Kulturen haben einen großen Einfluss auf den Schneckenbesatz.

Raps ist bei Schnecken beliebt

Ausgewachsene rotbraune Gemeine Wegschnecke kriecht in 30 cm Höhe auf einem dünnen Ast des Vergissmeinnicht
Die Gemeine Wegschnecke ist vergleichsweise mobil. Sie wandert häufig von den Randbereichen der Äcker in die Fläche ein.

Winterraps ist ein idealer Lebensraum für Schnecken. Einerseits sind Rapspflanzen für die Ackerschnecken eine schmackhafte Nahrungsquelle und andererseits beschatten die Pflanzen den Boden fast ganzjährig. Zudem bieten die Erntereste gute Rückzugsmöglichkeiten. Das Schadrisiko von Schnecken für die Herbstaussaat kann daher am einfachsten nach der Rapsernte im Ausfallraps festgestellt werden. Von den Schadschneckenarten ist die Gemeine Wegschnecke (Arion vulgaris) die mobilste Art. Sie kann deshalb in Trockenzeiten leichter geeignete, noch feuchte Bereiche aufsuchen und sich dort tagsüber zurückziehen. In Randbereichen der Äcker zu Gräben und Staudenfluren ist deshalb mit Kulturschäden zu rechnen, auch wenn es zuvor lange Zeit nicht geregnet hat.

Schneckenaktivität mittels Falle prüfen

Für eine Kontrolle der Schnecken mit einer Falle müssen Bedingungen vorherrschen, die eine Aktivität vorhandener Schnecken erwarten lassen: bei Hochdruckwetter muss so viel Tau vorhanden sein, dass die Bodenoberfläche sichtbar feucht ist. Als geeignete Fallen dienen z.B. Schneckenfolien, feuchte Säcke oder Blumenuntersetzer. Dabei wird ungefähr ein Teelöffel Futter (z.B. Legemehl) abends unter die Falle ausgelegt. Morgens, bevor die Sonne die Fallen erwärmt und vorhandene Schnecken sich verkriechen, kann man dann nach Schleim und Schnecken schauen. Kleine, stecknadelgroße Jungschnecken werden bisweilen übersehen. Deshalb müssen auch kleinste Schleimspuren genau beachtet werden. Die Schneckenkontrolle sollte vor der Saat der Kultur erfolgen, spätestens jedoch unmittelbar nach der Saat. Gesicherte Schadschwellen gibt es nicht. Eine direkte Bekämpfung ist erfahrungsgemäß bei einer Sichtung von ein bis zwei Schnecken je Falle und Tag anzuraten. Bei Einzelkornsaaten ist das erhöhte Schadrisiko zu berücksichtigen.

Indirekte Maßnahmen haben einen großen Einfluss

Genetzte Ackerschnecke sucht Unterschlupf in einer schmalen Bodenspalte
Schnecken können nicht graben und sind auf Rückzugsmöglichkeiten wie Regenwurmlöcher, Bodenrisse, Streu, Klumpen oder Steine angewiesen
Nur spärliches Grün ist auf der Ackeroberfläche im linken Bildteil zu sehen. Rechts ist ein ca. drei Meter breiter grüner Streifen mit gut aufgelaufener Wintergerste zu sehen.
Großer Schaden in Wintergerste durch Schnecken (2024). Rechts sichtbar: Folgen der besseren Rückverfestigung.

Da die Schnecken nicht aktiv graben können, sind alle Maßnahmen nützlich, die den Schnecken Unterschlupfmöglichkeiten nehmen: z.B. Pflügen mit Krumenpacker, Herstellung eines feinkrümeligen Saatbettes, gute Rückverfestigung der Saat sowie unmittelbares Anwalzen der Saat. Diese Maßnahmen sind sehr effektiv, erhöhen andererseits aber die Erosionsgefahr. Gerade auf lößreichen Böden mit viel Feinerde sollten die Risiken sorgfältig abgewogen werden. Falls das Stroh nicht abgefahren wird, ist bei der Stoppelbearbeitung unbedingt auf eine intensive Einmischung in den Boden zu achten, damit den Schnecken Unterschlupfmöglichkeiten genommen werden. Hilfreich ist es ebenfalls, den Schnecken die Nahrungsgrundlage zu entziehen, daher sollte Ausfallgetreide und Ausfallraps rechtzeitig beseitigt werden. Dies gilt insbesondere für geplante Mulchsaatverfahren.

Direkte Bekämpfung: Mit Schneckenkorn den Fraß stoppen

Schneckenkorn ist das wirksamste Mittel der direkten Bekämpfung. Dennoch ist die Bekämpfungsleistung bei sehr hohen Schneckenzahlen (z.B. 100 Schnecken/Folie) nicht immer ausreichend. Deshalb kommt den indirekten Maßnahmen bei der Schadschneckenregulierung eine besonders große Bedeutung zu. Und: Wegen der eingeschränkten Lagerfähigkeit der Produkte können Hersteller bei einer Schneckenplage den kurzfristig steigenden Bedarf oft nicht decken.

Derzeit sind drei Wirkstoffe zur Schneckenbekämpfung im Ackerbau zugelassen:

  • Eisen-III-phosphat
  • Eisen-III-pyrophosphat
  • Metaldehyd

Als Fraßgifte müssen sie in ausreichender Menge von den Schnecken aufgenommen werden, um ihre Wirkung zu entfalten. Metaldehyd schädigt die schleimproduzierenden Zellen. Daraus resultiert eine übermäßige Schleimbildung, die den Energieverbrauch erhöht und infolgedessen zum Tod der Schnecke führt. Eisen-III-phosphat und Eisen-III-pyrophosphat schädigen Zellen im Kropf und Mitteldarm. Die Schnecken hören auf zu fressen, suchen einen Unterschlupf auf und verenden dort (keine toten Schnecken sichtbar). Daher bietet sich Eisen-III-Phosphat nicht als Köder zur Kontrolle der Schneckenaktivität mittels Falle an.

Voraussetzungen einer effektiven Wirkung

Damit das Schneckenkorn wirken kann, muss die Schnecke das Korn finden. Die Lockwirkung des Schneckenkorns konkurriert dabei mit der Lockwirkung der Kulturpflanze. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schnecke ein Schneckenkorn und keine Kulturpflanze frisst, steigt mit der Anzahl der Körner pro Quadratmeter. Optimal sind ca. 35 gleichmäßig verteilte Körner pro Quadratmeter. Die Verteilung hängt vom Produkt und von der Streubreite ab. Leichte Körner fliegen nicht weit, und mit steigender Streubreite wird das Streubild ungleichmäßiger. Deshalb sollte die Streubreite maximal 18 m betragen. Für größere Streubreiten sind schwerere Körner erforderlich, die aufgrund ihres höheren Gewichts dann größere Aufwandmengen (kg/ha) benötigen, um die angestrebte Körnerdichte zu erreichen.

Das Schneckenkorn sollte regenstabil sein. Zudem sollten frische Produkte verwendet und Aufbrauchfristen beachtet werden. Die Stabilität hängt vom Herstellungsverfahren ab: Feucht-Extrusionen und Nasspressungen halten deutlich länger als Trockenpressungen. Nasspressungen bleiben selbst nach 5 Tagen und 100 mm Regen stabil, während Trockenpressungen früher zerfallen. Häufig wird dies zu spät bemerkt, sodass die Schnecken dann auflaufende Kulturpflanzen bereits geschädigt haben.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schnecke ein Korn findet und frisst, erhöht sich, wenn es keine Nahrungsalternativen gibt. Dies ist der Fall, wenn das Schneckenkorn unmittelbar nach der Saat ausgebracht wird (Schneckenkorn als alleinige Nahrungsquelle).

Bei sehr hohem Schneckendruck ist die Anwendung nach ca. 14 Tagen zu wiederholen, wenn die Körnerdichte von ca. 35 Körnern/m2 deutlich unterschritten ist.

Zusätzliche Stressfaktoren wie warmes, sonniges Wetter am Tage und wenig Unterschlupfmöglichkeiten verbessern die Wirkung der Produkte.

Tab. 1: Beispiele von Molluskiziden auf Basis von Metaldehyd

Streubreite in der Regel nicht über 18 m (Streutabellen der Ausbringtechnik beachten). Leichte Körner fliegen nicht so weit und verschlechtern das Streubild bei Arbeitsbreiten von mehr als 18 m.
Auflagen: Die Auflagen und Anwendungsbestimmungen sind der Gebrauchsanweisung zu entnehmen. Für alle Produkte gilt die NT 116: Bei der Anwendung muss ein Eintrag in angrenzende Flächen vermieden werden. Ferner ist der jeweilige länderspezifische Mindestabstand an Gewässern einzuhalten. Ebenso muss im Rahmen der GAP-Konditionalitäten-Verordnung (GLÖZ 4) der geforderte 3 m breite Pufferstreifen entlang von Gewässern eingehalten werden. 

Tab. 2: Beispiele von Molluskiziden auf Basis von Eisen-III-phosphat

Streubreite in der Regel nicht über 18 m (Streutabellen der Ausbringtechnik beachten). Leichte Körner fliegen nicht so weit und verschlechtern das Streubild bei Arbeitsbreiten von mehr als 18 m. 
Auflagen: Die Auflagen und Anwendungsbestimmungen sind der Gebrauchsanweisung zu entnehmen. Für alle Produkte gilt die NT 116: Bei der Anwendung muss ein Eintrag in angrenzende Flächen vermieden werden. Ferner ist der jeweilige länderspezifische Mindestabstand an Gewässern einzuhalten. Ebenso muss im Rahmen der GAP-Konditionalitäten-Verordnung (GLÖZ 4) der geforderte 3 m breite Pufferstreifen entlang von Gewässern eingehalten werden. 


Erstveröffentlichung: GetreideMagazin Ausgabe 4/25

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