Bekämpfung von Wurzelunkräutern nach der Ernte
Quecke, Ackerwinde und Disteln sind auf einigen Flächen derzeit häufiger zu beobachten. Die aktuelle Trockenheit erschwert jedoch eine erfolgreiche Bekämpfung. Sowohl bei der chemischen als auch bei der mechanischen Bekämpfung kommt es deshalb auf den richtigen Zeitpunkt an.
Wurzelunkräuter mechanisch bekämpfen
Die Bodenbearbeitung kann bei Wurzelunkräutern wie Disteln, Quecke oder Winde sowohl Ursache für deren Ausbreitung als auch ein wichtiger Baustein der Bekämpfung sein. Die Pflanzen vermehren sich vor allem über Wurzeln und Rhizome. Bereits kurze Rhizomstücke können unter günstigen Bedingungen wieder austreiben. Intensive, flach schneidende Bodenbearbeitung, beispielsweise mit einer Kurzscheibenegge, kann daher die Vermehrung fördern. Auch anhaftende Wurzel- und Rhizomstücke an Grubber oder Kreiselegge können zur Verschleppung beitragen. Arbeitsgeräte sollten deshalb regelmäßig gereinigt werden.



Für eine gezielte mechanische Bekämpfung nach der Getreideernte empfiehlt sich eine mehrmalige, zunehmend tiefere Bearbeitung. Zunächst sollte der Bestand flach in etwa 5–10 cm Tiefe mit einem Flügel- oder Gänseschar bearbeitet werden. Anschließend folgen zwei weitere Bearbeitungsgänge bei etwa 10–15 cm und 15–20 cm Tiefe. Ziel ist es, die Wurzelunkräuter wiederholt zum Austrieb zu bringen und dabei ihre Reservestoffe aufzubrauchen. Wichtig: Die nach einem Bearbeitungsgang neu entstehenden Austriebsstellen müssen bei den folgenden Durchgängen zuverlässig erfasst werden.
Auf die Witterung achten: Bei trockenen Bedingungen können oberflächlich abgelegte Rhizome vertrocknen. Bei feuchter Witterung besteht dagegen die Gefahr, dass abgeschnittene Rhizomstücke erneut anwachsen und die Unkrautproblematik sogar verstärken. Es sollten bei einer so stark ausgeprägten Trockenheit wie zurzeit in Hessen die Staubentwicklung und der Materialverschleiß nicht außer Acht gelassen werden. Die mechanische Bekämpfung sollte daher gezielt und an die Boden- und Witterungsbedingungen angepasst erfolgen.
Chemische Bekämpfung von Wurzelunkräutern
Bei starkem Trockenstress der Unkräuter oder Ungräser sollten blattaktive Pflanzenschutzmittel (z. B. Glyphosat) nicht angewendet werden. Die Wurzelunkräuter müssen ausreichend Blattmasse gebildet haben und aktiv wachsen, damit der Wirkstoff aufgenommen und in die Wurzeln bzw. Rhizome verlagert werden kann.
Nach einem ausreichenden Niederschlag sollte daher zunächst die Erholung und das Wiederergrünen der Unkräuter abgewartet werden. Besonders günstig sind anschließend mehrere wüchsige Tage. Ein kurzfristiger Regen reicht nicht unbedingt aus, wenn die Pflanzen weiterhin unter starkem Trockenstress stehen.
Für eine erfolgreiche Behandlung gilt weiterhin:
- Quecke: mindestens 3–4 voll entwickelte Blätter
- Disteln, Winden und andere Wurzelunkräuter: ausreichend entwickelte Blattmasse, etwa 10–15 cm Höhe bzw. Breite
- nicht auf deutlich welken oder vertrockneten Pflanzen behandeln
- möglichst bei wüchsiger Witterung behandeln
- nach der Behandlung ausreichend Zeit bis zur nächsten Bodenbearbeitung einplanen, damit der Wirkstoff in die Wurzeln bzw. Rhizome verlagert werden kann
- die jeweils geltenden Zulassungen und Anwendungsbestimmungen beachten
Die Behandlung mit einem glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln ist nicht erlaubt in:
- Wasserschutzgebieten
- Heilquellenschutzgebieten
- Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten
Die Anwendung ist nur zulässig, wenn nach den Umständen des Einzelfalls vorbeugende Maßnahmen wie die Wahl einer geeigneten Fruchtfolge, eines geeigneten Aussaatzeitpunktes oder mechanische Maßnahmen oder das Anlegen einer Pflugfurche nicht durchgeführt werden können und andere mechanische Maßnahmen nicht geeignet sind. Aufwandmenge, Anwendungshäufigkeit und zu behandelnde Flächen auf notwendiges Maß beschränken.
Weitere Anwendungsvorgaben für Glyphosat in Hessen sind beim Pflanzenschutzdienst Hessen (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung: Regierungspräsidium Gießen – Dezernat Pflanzenschutzdienst) zu finden.
Für die aktuelle Situation gilt daher: Stark gestresste Wurzelunkräuter zunächst beobachten. Bei einer chemischen Bekämpfung sollte die Behandlung erst nach ausreichender Durchfeuchtung und dem Wiederbeginn des aktiven Wachstums erfolgen. Bei der mechanischen Bekämpfung muss man sich zwischen zu trocken und zu nass orientieren und sollte die Gefahr der Verbreitung der Wurzelunkräuter durch die Arbeitsgeräte im Blick behalten.
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