Zu den diesjährigen Feldbesichtigungen bei Wintergetreide lässt sich ein insgesamt positives Fazit ziehen. Die überwiegende Zahl der Flächen präsentierte sich in gutem bis hervorragendem Kulturzustand und sehr gesund. Bis auf vereinzelten Durchwuchs von Ungräsern und – im ökologischen Anbau – von breitblättrigen Unkräutern sowie Disteln gab es wenig zu bemängeln. Insgesamt wurden bei Wintergetreide von rund 2660 Hektar angemeldeter Vermehrungsfläche nur 18 Hektar ohne Erfolg feldbesichtigt. Rund 59 Hektar wurden vor der Besichtigung aufgrund von nicht behebbaren Mängeln zurückgezogen.
Die überwiegend vielversprechenden Bestände litten in der zweiten Junihälfte dann jedoch unter der Hitze und zunehmender Trockenheit, sodass ertraglich – insbesondere beim Weizen – die Erwartungen nicht immer erfüllt werden konnten. Inwieweit sich die beschleunigte Abreife auf die Saatgutqualität ausgewirkt hat, werden die Beschaffenheitsprüfungen in den kommenden Wochen zeigen.
Aus der geernteten Saatware wird nach der Aufbereitung von jeder Partie eine Probe in der Saatgutprüfstelle auf die saatgutrechtlich relevanten Beschaffenheitskriterien untersucht und deren Ergebnisse an die Anerkennungsstelle übermittelt. Für einzelne Vermehrungsvorhaben wird das Verfahren nach §8(2) der Saatgutverordnung fortgesetzt, da zu erwarten ist, dass die im Feld festgestellten Mängel im Zuge der weiteren Bearbeitung des Saatguts behoben werden können. Dies wird dann ebenfalls in der nachfolgenden Beschaffenheitsprüfung im Labor überprüft, bevor eine Anerkennung als Saatgut ausgesprochen werden kann.
In den beigefügten Tabellen sind die mit Erfolg feldbesichtigten Wintergetreideflächen nach Sorten zusammengefasst. Die wichtigste Getreideart bleibt Winterweizen, wobei die A-Weizensorten mit 717 Hektar (Vorjahr 785 ha) den größten Flächenumfang einnehmen. Sorten der Qualitätsgruppe B absolvierten auf 421 Hektar (im Vorjahr 523 ha nach einem Zuwachs um damals 120 Hektar) die Feldbesichtigung mit Erfolg.
In der Beschaffenheitsprüfung wird u. a. die Keimfähigkeit jeder Partie überprüft.
Bei den rund 660 Hektar Wintergerste haben die zweizeiligen Sorten leicht die Nase vorn. Die Flächen von Sommergerstenvermehrungen in Herbstaussaat sind in dieser Auswertung nicht enthalten. Eine erneute Flächenausdehnung verzeichnet Winterdinkel. Hier belaufen sich die erfolgreich besichtigten Vermehrungen auf nunmehr 208 Hektar, wobei rund die Hälfte davon Vorstufenvermehrungen waren – ein Indikator für die Aktivitäten der in Hessen ansässigen Züchter. Auch bei Wintertriticale ist eine Flächenzunahme um 33 Hektar gegenüber dem Vorjahr auf jetzt rund 190 Hektar erfolgreich feldbesichtigte Vermehrungen erfolgt.
Beschaffenheitsprüfung
Hinsichtlich der Beschaffenheitsprüfung lässt sich vorläufig feststellen, dass Keimfähigkeit und Sortierung der bisher untersuchten Wintergerstenpartien überdurchschnittlich gut sind. Wie sich die flächendeckende Hitzeperiode in Kombination mit Wassermangel auf die Beschaffenheit des Saatgutes der anderen Wintergetreidearten ausgewirkt hat, werden die Laborergebnisse in den nächsten Wochen zeigen.
Saatgut rechtzeitig ordern!
Aufgrund der trockenen Erntebedingungen ist diesjährig nicht mit größeren Mengenausfällen zu rechnen. Dennoch sollte der betriebliche Saatgutbedarf frühzeitig geordert werden, um die Verfügbarkeit spezifisch gewünschter Sorten möglichst aus der Region sicherzustellen.