Nützlingsplanung in Poinsettien

Der Einsatz von Nützlingen in Poinsettien (Euphorbia pulcherrima) ist in vielen Betrieben fester Bestandteil des Pflanzenschutzes. Bereits vor der Anlieferung der Jungpflanzen sollte ein Nützlingsplan erstellt werden. Darin werden sowohl der kontinuierlich steigende Flächenbedarf der getopften Jungpflanzen (Topf an Topf) als auch der Flächenbedarf nach dem Rücken der Pflanzen berücksichtigt. Die Nützlingsberatung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen unterstützt Sie dabei gerne (Kontakte siehe Sidebar).

Die gemeinsam erarbeitete Strategie wird an den Nützlingslieferanten übermittelt. Dadurch können die planbaren Nützlinge passend zu den jeweiligen Kulturabschnitten automatisch geliefert werden. Anschließend sind in der Regel nur noch situationsbedingte Anpassungen erforderlich.

1. Zwei weiße Fliegen mit leicht gelblich gefärbten Köpfen in Nahaufnahme auf einem Blattausschnitt. Vor den Fliegen sind einige Eier und im Hintergrund sind einige leere durchscheinende Puparien der Weißen Fliege zu sehen.
Weiße Fliegen (Bemisia tabaci) mit Eiern und leeren Puparien

Zum Monitoring von Trauermücken, Weißen Fliegen und Thrips werden nach dem Topfen Gelb- und Blautafeln im Bestand verteilt. Diese werden regelmäßig kontrolliert und ausgetauscht.

Bekämpfung von Trauermücken

Zur Bekämpfung von Trauermücken werden die Nematodenart Steinernema feltiae (500.000 Tiere/m²) sowie die Raubmilbenart Hypoaspis miles (100 – 500 Tiere/m² je nach Befallsstärke) eingesetzt.

Der Einsatz beider Nützlinge wird abhängig von der Befallsstärke und dem zu erwartenden Befallsdruck im Betrieb ein- bis zweimal wiederholt.

Da das Topfen der Weihnachtssterne im Sommer häufig bei hohen Temperaturen erfolgt, ist beim Einsatz von Nematoden besonders darauf zu achten, dass diese nicht bei Temperaturen über 32 °C ausgebracht werden. Für ihre Vitalität ist eine Ausbringung in den frühen Morgen- oder Abendstunden am günstigsten.

Bekämpfung von Weißen Fliegen

Eine komplett weiße Fliege in Nahaufnahme auf einen Blattausschnitt.
Weiße Fliege (Trialeurodes vaporariorum)

Die Bekämpfung der Weißen Fliege beginnt unmittelbar nach dem Topfen der Jungpflanzen mit der Erzwespenart Encarsia formosa (5–10 Tiere/m²). Die Wespe parasitiert die Puparien der Weißen Fliege, die sich anschließend je nach Art schwarz (Trialeurodes vaporariorum) oder bräunlich (Bemisia tabaci) verfärben.

Es empfiehlt sich, die Art der Weißen Fliege im Bestand zu bestimmen, um den Nützlingseinsatz gezielt anpassen zu können.

Bei einem Befall mit Bemisia tabaci wird eine höhere Anzahl an Encarsia formosa eingesetzt. Zusätzlich können Eretmocerus eremicus (Erzwespe) und Chrysoperla carnea (Florfliegenlarven) eingeplant werden.

Bekämpfung von Spinnmilben

Seit einigen Jahren treten Spinnmilben auch an Poinsettien auf. Besonders betroffen sind Sorten der Euphorbia-Hybride ‚Princettia‘.

Ausschnitt eines Weihnachtssternblattes, welches auf der rechten Blatthälfte eine leichte, schwach gesprenkelte Vergilbung
Diffuse Symptome eines Spinnmilbenbefalls an Poinsettien

Vorbeugend können die Pflanzen mit der Raubmilbenart Amblyseius californicus (5 Tiere/m²) abgestreut werden, ab Blattschluss können Tüten verwendet werden. Diese Art ist nicht auf Spinnmilben spezialisiert, sie kommen allerdings besser mit den hohen Temperaturen zurecht, in der die Weihnachtssternkultur startet.

Werden bei den regelmäßigen Bestandskontrollen (mit einer zehnfach vergrößernden Lupe) Spinnmilben festgestellt, kommt die spezialisierte Raubmilbenart Phytoseiulus persimilis (10–20 Tiere/m²) zum Einsatz.

Zwölf orange gefärbte Raubmilben der Art Phytoseiulus persimilis in Nahaufnahme auf der Unterseite eines Blattauschnitts
Spezialisierte Raubmilbenart Phytoseiulus persimilis

Zur vorbeugenden Bekämpfung von Thripsen wird die Raubmilbenart Amblyseius cucumeris (50 Tiere/m²) eingesetzt. Sobald sich die Blätter der Pflanzen berühren, können die Raubmilben auch in Tüten ausgebracht werden. Diese haben den Vorteil, dass kein Streumaterial auf den Blättern der Poinsettien zurückbleibt. Zudem enthalten die Tüten Futtermilben, von denen sich die Raubmilben zunächst ernähren können. Dadurch entwickeln sich in den Tüten neue Raubmilbenpopulationen.

Der Einsatz wird wiederholt oder intensiviert, sobald die ersten Thripse auf Gelbtafeln gefunden werden.

Nach der Getreideernte kommt es – abhängig von der Lage des Gewächshauses – häufig zu einem starken Zuflug von Thripsen. Dieser hohe Befallsdruck lässt sich in vielen Fällen allein mit dem Einsatz von Raubmilben nicht ausreichend kontrollieren.

Trotz eines regelmäßigen Nützlingseinsatzes kann der Einsatz eines Pflanzenschutzmittels erforderlich werden. In diesem Fall sollten nützlingsschonende beziehungsweise in den Nützlingseinsatz integrierbare Pflanzenschutzmittel verwendet werden. Bitte wenden Sie sich hierzu an Ihre Nützlingsberatung.

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