Mehr Hülsenfrüchte aus der Region: Hessischer Leguminosentag stärkt heimischen Anbau
Ober-Erlenbach. Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) und Frankfurter Landwirtschaftlicher Verein e. V. (FLV) boten Fach- und Feldtag rund um heimische Eiweißpflanzen.

Wie können Ackerbohne, Soja, Kichererbse und andere Körnerleguminosen den regionalen Anbau stärken? Antworten darauf gab der 8. Hessische Leguminosentag am 24. Juni 2026 in Ober-Erlenbach. Unter dem Motto „Mehr Hülsenfrüchte aus der Region – Anbau, Vermarktung, Perspektiven“ informierten der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) und der Frankfurter Landwirtschaftliche Verein e. V. (FLV) Landwirtinnen und Landwirte sowie Fachleute aus Beratung, Verarbeitung und Vermarktung über Anbaupraxis und Zukunftsperspektiven heimischer Eiweißpflanzen.
Positive Entwicklung beim Leguminosenanbau in Hessen
Der Fach- und Feldtag zeigte auf, wie sich der heimische Leguminosenanbau weiterentwickeln lässt. Dabei wurden sowohl etablierte Kulturen wie Acker- und Sojabohne als auch neue Anbauoptionen wie Linse, Kichererbse oder Trockenbohne betrachtet. Neben Anbaufragen standen auch Verwertung, Vermarktung und regionale Wertschöpfungsketten im Fokus.
Leguminosen leisten wichtige Beiträge für eine zukunftsfähige Landwirtschaft: Sie liefern hochwertiges pflanzliches Eiweiß, stärken die heimische Eiweißfuttermittelversorgung und fördern eine vielfältige Fruchtfolge. Durch ihre Fähigkeit zur Stickstoffbindung tragen sie zudem zu einer ressourcenschonenden Produktion und zum Klimaschutz bei.

Anna Mawick, Abteilungsleiterin Fachinformation beim LLH und Leiterin des LWZ Eichhof, verwies in ihrem Grußwort auf die positive Entwicklung des Körnerleguminosenanbaus in Hessen. Mit der Hessischen Eiweißpflanzeninitiative verfolgt das Land seit 2013 das Ziel, die heimische Eiweißversorgung zu stärken und den Leguminosenanbau weiterzuentwickeln. Die Anbaufläche für Körnerleguminosen stieg dabei von rund 3.000 Hektar auf etwa 15.000 Hektar im Jahr 2025. „Der LLH unterstützt diesen Weg mit Versuchen, Demonstrationen, Beratung und Wissenstransfer“, erklärte Anna Mawick und betonte: „Dabei betrachten wir nicht nur den Anbau, sondern die gesamte Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung.“
Dr. Christian Hey aus dem Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) betonte die Chancen, die sich aus der steigenden Nachfrage nach Leguminosen für die hessische Landwirtschaft ergeben: „Entscheidend ist nun, die gesamte Wertschöpfungskette in Hessen zu stärken – und dazu braucht es mehr Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen. Mit unserer Förderinitiative ‚Hessen schmecken‘ schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass mehr Produkte aus Hessen mit kurzen Lieferketten ihren Weg zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern finden.“
Mit der Ende Mai verabschiedeten Förderinitiative „Hessen schmecken“ unterstützt das HMLU gezielt die Verarbeitung und Vermarktung regionaler Lebensmittel. Davon können auch heimisch erzeugte Leguminosen profitieren und entlang der Wertschöpfungskette zusätzliche Absatz- und Entwicklungsperspektiven erhalten.
Fachprogramm am Vormittag: Acker- und Sojabohne im Fokus
Zunächst stand die Ackerbohne im Mittelpunkt. Referent Till-Georg Wenz (Südzucker AG), stellte die Ackerbohnenstrategie des Unternehmens vor und erläuterte zudem die Anforderungen im Anbau von Ackerbohnen für die Lebensmittelproduktion. Anschließend referierten Jan Philipp Versemann (Archer Daniels Midland Company (ADM)) aus Mainz und Gerold Winkler (Remsperger Agrarhandel) aus Flörsheim über Anbau und Vermarktung von Sojabohnen aus der Region. Bei einer Feldbegehung zu den Demonstrationsflächen des FLV erhielten die Teilnehmenden Einblicke in den Anbau von Ackerbohnen und Sojabohnen. Zudem wurden Erfahrungen für einen erfolgreichen Anbau ausgetauscht.
Nischenkulturen prägen das Nachmittagsprogramm

Am Nachmittag folgten Fachvorträge zur Anbaueignung ausgewählter Körnerleguminosen. Thematisiert wurden Nischenkulturen wie Kichererbsen, Linsen oder Trockenbohnen, deren Anbaueignung weiter geprüft wird und die überwiegend als Speiseware regional vermarktet werden. Carolin Weiler, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hohenheim, ging auf die Anbaueignung ausgewählter Körnerleguminosen ein. Im Anschluss berichtete Liane Regner (Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG) aus der Praxis, worauf es bei der regionalen Vermarktung von Körnerleguminosen ankommt.
Eine zweite Feldbegehung führte am Nachmittag zum LLH-Öko-Versuchsfeld in Ober-Erlenbach. Dort stellten Dr. Andreas Hammelehle (Fachinformation Ökologischer Landbau des LLH) und Julian Ingenbleek (Beratungsteam Ökologischer Landbau des LLH) einen Versuch zur Anbaueignung ausgewählter Leguminosenkulturen vor und gaben Einblicke in ihre Praxiserfahrungen. Zum Abschluss fand ein Austausch der Netzwerke und Projekte rund um Körnerleguminosen statt.
Der Hessische Leguminosentag richtete sich an Landwirtinnen und Landwirte, Beratungskräfte sowie weitere Interessierte entlang der Wertschöpfungskette von Körnerleguminosen. Er bot eine Plattform für fachlichen Austausch, Vernetzung und neue Impulse für den heimischen Leguminosenanbau.














