Nachlese: Erster Lehmbau-Workshop auf dem Eichhof

Am 09. Mai 2025 fand auf dem Eichhof in Bad Hersfeld der 1. Lehmbau-Workshop unter dem Motto „Lehmbau erleben – Von der Materialkunde bis zur eigenen Gestaltung“ statt.

Umzug von Witzenhausen nach Bad Hersfeld

Eine Holzständerkonstruktion wird auf einer Wiese mit einem Gurt von einem Teleskoplader angehoben. Im Vordergrund steht eine kleine Leiter mit Werkzeugkoffer, daneben liegen Spanngurte. Im Hintergrund sind Bäume, ein Gehweg sowie Gebäude und parkende Autos zu sehen.
Aufbau der Lehmbauwand am neuen Standort am Eichhof in Bad Hersfeld

Im Vorfeld des Workshops wurde die Lehmbauwand, die mehrere Jahre in Witzenhausen stand, abgebaut, nach Bad Hersfeld gebracht und dort wieder aufgebaut. Ziel dieses Umzugs war es, das Workshopangebot „Lehmbau“ in Hessen an einem neuen Standort sichtbar zu machen und jene Zielgruppen zu erreichen, die zuvor durch die geografische Lage nicht angesprochen wurden. Das große Interesse am Workshop bestätigt diesen Ansatz – und zeigt zugleich, dass der traditionsreiche Baustoff Lehm heute wieder an Bedeutung gewinnt. Der Umzug veranschaulichte darüber hinaus exemplarisch, wofür Lehmbau steht: Rückbaubarkeit, Wiederverwendbarkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen.

Lehm: Natürlich, nachhaltig, vielseitig

Bevor es an die praktische Arbeit ging, stellte Natascha Hüsch (Fachinformation Biorohstoffnutzung beim LLH) die Materialeigenschaften als auch bauphysikalische und Nachhaltigkeitsaspekte des Baustoffes Lehm vor.

Lehm ist ein natürliches Gemisch aus Sand, Schluff und Ton. Die spezifische Zusammensetzung beeinflusst Plastizität, Festigkeit, Wasseraufnahme und Verarbeitbarkeit. Und er vereint mehrere bauphysikalische Vorteile: Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit, puffert Temperaturen, wirkt schalldämmend und bindet Schadstoffe – und kann so das Raumklima deutlich verbessern. Im Vergleich zu konventionellen Baustoffen wie Beton oder Ziegel verursacht Lehm kaum CO₂-Emissionen. Seine Herstellung erfordert keine energieintensiven Prozesse wie Brennen oder chemische Behandlung. Zudem ist Lehm vollständig kompostierbar oder wiederverwendbar.

Lehm lässt sich gut mit Naturmaterialien wie Holz und Stroh kombinieren. Weniger geeignet sind dampfdichte oder stark alkalische Materialien wie frischer Zementputz.

Ausprobieren, anwenden, gestalten: Techniken im Lehmbau

Im praktischen Teil des Workshops erlernten die Teilnehmenden unter Anleitung von Peter Multhauf (lehm-bau-kunst) verschiedene Verarbeitungstechniken. Diese umfassten:

Mehrere Personen arbeiten gemeinsam an einer Lehmbauwand im Freien. Die Wand besteht aus einem Holzrahmen mit Gefachen, die mit Lehmbausteinen ausgemauert und anschließend verputzt werden. Die Teilnehmenden tragen Arbeitskleidung und nutzen Werkzeuge wie Glättkellen und Spachteln.
Praxis – Lehmbauworkshop am 09.05.2025 an der Lehmbauwand
  • Die Herstellung von Lehmbausteinen („Grünlinge“) und Lehmwickeln
  • Das Mauern von Gefachen in traditioneller Fachwerkbauweise
  • Das Auftragen und Gestalten von Lehmputzen

Ziel des Lehmbau-Workshops war es, Einsteigern als auch Fachleuten ein fundiertes, praxisnahes Verständnis für die Eigenschaften des Baustoffs Lehm zu vermitteln und mögliche Hemmschwellen im Umgang mit diesem natürlichen Material abzubauen. Die offene Lernatmosphäre förderte den Erfahrungsaustausch über konkrete Bauprojekte, ergänzt durch wertvolle Verarbeitungstipps aus erster Hand. Dabei wurde Nachhaltigkeit als zentrales Thema greifbar gemacht.

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