Naturfarben bei der Sanierung landwirtschaftlicher Gebäude

Die Einsatzmöglichkeiten von Naturfarben sind vielfältig. Sie eignen sich sowohl für Bestandsgebäude als auch für Neubauten oder historische Bausubstanz, beispielsweise Fachwerk. Darüber hinaus bieten sie eine umweltfreundliche Alternative zu synthetischen Farben oder konventionellen Mehrschichtsystemen.

Auswahl der passenden Naturfarbe

Innenräume

Collage von verschiedenen Naturfarben, KI-generiert
Die Einsatzmöglichkeiten von Naturfarben sind vielfältig (KI-generierte Abbildung)

Lehm-, Kasein-, Leim- und Kreidefarben eignen sich besonders für trockene Innenräume. Sie sind diffusionsoffen, sodass Wasserdampf durch die Farbschicht entweichen kann und Feuchtigkeitsstau verhindert wird – das trägt zu einem ausgeglichenen Raumklima bei. Außerdem sind sie geruchsarm und verleihen den Wänden eine natürliche, matte Optik. Geeignet für Wohn-, Aufenthalts- oder Lagerräume.

Fachwerkgebäude

Gefache aus Lehm können im Innenbereich mit diffusionsoffenen Naturfarben wie Kalk-, Lehm-, Kasein- oder Silikatfarben gestrichen werden. So bleiben die positiven Eigenschaften des Lehms, wie die Regulation der Luftfeuchtigkeit und die Unterstützung eines ausgeglichenen Raumklimas, erhalten, während Farbe und Oberflächenstruktur individuell gestaltet werden können. Holzbalken werden mit geeigneten Farben auf Ölbasis behandelt, sodass die Konstruktion funktionsfähig bleibt und Feuchteschäden vermieden werden.

Außenbereiche und Fassaden

Außenwände werden in der Regel mit Kalkputz oder diffusionsoffenen Silikatfarben behandelt. Diese Materialien lassen Wasserdampf aus der Wand entweichen und verhindern so zuverlässig Feuchteschäden durch Kondensation. Gleichzeitig schützen sie die Bausubstanz vor Witterungseinflüssen wie Regen oder Frost. Um die Schutzwirkung dauerhaft zu gewährleisten, sollten Putz und Anstrich regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf erneuert werden.

Praxis-Tipps für längere Haltbarkeit

Damit Farben optimal haften und lange halten, muss der Untergrund sauber, fett- und staubfrei sowie frei von alten Farbresten sein.

Untergründe lassen sich unterscheiden in:

  • Mineralische Untergründe – z. B. Beton, Kalkputz, Ziegel, Naturstein, Lehm, Gips.
    Auf mineralischen Untergründen haften: Kalk-, Silikat-, Lehm- und Kaseinfarben.
  • Nicht-mineralische Untergründe – z. B. Holz, Metall, Kunststoff, bestehende Anstriche.
    Auf diesen Oberflächen lassen sich Leim-, Kreide- oder ölbasierte Farben auftragen. Auch Lehm- oder Kaseinfarben können unter bestimmten Bedingungen auf saugfähigem Holz oder gut vorbereiteten Altanstrichen haften, insbesondere bei geringer Beanspruchung.

Für eine längere Haltbarkeit empfiehlt sich außerdem:

  • Diffusionsoffene Materialien verwenden, damit Feuchtigkeit entweichen kann und die Bausubstanz geschützt bleibt
  • Wände und Anstriche regelmäßig kontrollieren, um frühzeitig Schäden zu erkennen
  • Sanfte Reinigung mit milden Mitteln oder trockenem Tuch
  • Bei Bedarf rechtzeitig nachstreichen oder ausbessern, insbesondere an Außenwänden der Wetterseite oder auf stark beanspruchten Flächen.

Nachhaltigkeit – Gesundheit – Wirtschaftlichkeit

Naturfarben bestehen überwiegend aus natürlichen oder biobasierten Rohstoffen, die zum Teil auch aus landwirtschaftlicher Produktion stammen. Die Nutzung dieser nachwachsenden Rohstoffe schont Ressourcen und belastet die Umwelt deutlich weniger als konventionelle Farben.

Naturfarben enthalten keine oder nur sehr geringe Mengen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC), die in herkömmlichen Farben vor allem durch Lösemittel oder synthetische Zusatzstoffe entstehen. Hohe VOC-Konzentrationen können Augen, Haut oder Atemwege reizen sowie Kopfschmerzen oder Müdigkeit verursachen. Zudem sind Naturfarben weitgehend lösungsmittelfrei, geruchsarm und enthalten keine synthetischen Bindemittel oder Lösemittelzusätze – die Belastung der Innenraumluft ist damit deutlich geringer.

Naturfarben sind teilweise teurer als konventionelle Farben, bieten dafür Vorteile für Gesundheit, Raumklima und Umwelt. Bei fachgerechter Vorbereitung halten sie vergleichbar lange wie herkömmliche Farben. Sie sind diffusionsoffen, chemisch stabil und verleihen den Oberflächen eine natürliche Optik. Auf stark beanspruchten Flächen kann gelegentliches Nachstreichen erforderlich sein. Die Investition lohnt sich vor allem durch geringere Schadstoffbelastung der Innenraumluft und die Nutzung nachhaltiger Materialien – Faktoren, die langfristig den Wert der Räume erhöhen.

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) informiert in Praxisveranstaltungen über den fachgerechten Einsatz von Naturfarben.

Zum Veranstaltungskalender

Sie möchten über Veranstaltungen zu Naturbaustoffen informiert werden? Dann schreiben Sie eine E-Mail an: natascha.huesch@llh.hessen.de
Betreff: Anmeldung für Veranstaltungsankündigungen Naturbaustoffe

Kontakt
Hüsch,
Natascha
Landwirtschaftszentrum Eichhof
Schlossstraße 1
36251 Bad Hersfeld
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