Treibhausgas-Einsparungen und Klimabilanzierung in der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft und der Gartenbau stehen aufgrund des Klimawandels vor großen Herausforderungen. Zunehmend heiße und trockene Vegetationsperioden erfordern Anpassungsstrategien, um Ertrag und Betriebswirtschaftlichkeit zu sichern. Gleichzeitig wächst der Druck, die produktionsbedingten Treibhausgasemissionen (THG) zu reduzieren, um die herausfordernden klimatischen Veränderungen einzudämmen und die nationalen und globalen Klimaziele zu erreichen.

Der Anteil der Landwirtschaft an den Treibhausgasemissionen in Deutschland beträgt derzeit etwa 8,2 %. Neben Kohlendioxid (CO2), das vor allem durch Kraftstoff- und Stromverbrauch sowie Bodenprozesse freigesetzt wird, spielen vor allem Methan (CH4) und Lachgas (N2O) eine zentrale Rolle. Methan entsteht hauptsächlich durch die Verdauung von Wiederkäuern, während Lachgas vor allem durch den Einsatz stickstoffhaltiger Düngemittel sowie durch Bodenprozesse freigesetzt wird. Lachgas ist dabei etwa 300-mal klimaschädlicher als CO2. Auch Ammoniak (NH3), das indirekt zur Treibhausgaswirkung beiträgt, wird bei der Bilanzierung berücksichtigt.

Um den eigenen betrieblichen THG-Ausstoß zu erfassen und geeignete Einsparmaßnahmen zu entwickeln, empfiehlt sich die Erstellung einer betrieblichen Klimabilanz. Dabei werden alle wesentlichen betrieblichen Faktoren – vom Energie- und Ressourcenverbrauch über Tierhaltung und Produkte bis hin zu erneuerbaren Energien und Kohlenstoffspeicherung – miteinander verknüpft und bewertet. Die Klimabilanz zeigt auf, wo der Betrieb aktuell steht und welche Potenziale für weitere Verbesserungen bestehen.

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) unterstützt die hessischen Betriebe in der Landwirtschaft und im Gartenbau kostenfrei bei der Erstellung der Klimabilanz und bei der Erarbeitung von individuell passenden Klimaschutzmaßnahmen. Die Beratung dauert meist zwei bis drei Stunden und umfasst die Datenerfassung, Analyse, Diskussion von Maßnahmen und einen schriftlichen Beratungsbericht, der im Nachgang erarbeitet wird. Bei Bedarf ist eine weitere Besprechung der Resultate möglich.

THG-Einsparpotenziale in der Tierhaltung

Die Methanemissionen aus der Verdauung von Wiederkäuern machen einen großen Teil der Emissionen in der Rinderhaltung aus. Diese sind biologisch bedingt und nur schwer reduzierbar. Dennoch verbessern eine gute Tiergesundheit und längere Nutzungsdauer die Klimabilanz. Auch ein optimiertes Fütterungsmanagement – etwa durch den Einsatz heimischer Eiweißfuttermittel und eine effiziente Grundfutterverwertung – trägt zur Emissionsminderung bei. Grobfutter vom Grünland hilft zudem durch Humuserhalt, CO2 im Boden zu speichern. In der Geflügel- und Schweinehaltung macht die Futterbereitstellung 20 bis 60 % der Emissionen aus. Eine bedarfsgerechte Rationsgestaltung reduziert Stickstoffausscheidungen und dadurch auch Lachgasemissionen.

Wirtschaftsdüngerlagerung ist ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt, da Lagerstätten erhebliche Ammoniak-, Methan- und Geruchsemissionen verursachen können. Die Planung von Lagerbehältern mit möglichst geringer Oberfläche und Zeltdachabdeckungen mindert Ammoniakverluste. Zudem kann durch die Vergärung von Wirtschaftsdüngern in Biogasanlagen Methan energetisch genutzt werden, was Strom- und Wärmeerzeugung mit Kraft-Wärme-Kopplung ermöglicht und mehrere Tonnen CO2-Äquivalent (CO2eq) pro Jahr einspart.

THG-Einsparpotenziale im Pflanzenbau

Hier sind die Stickstoffdüngung und die CO2-Freisetzung aus dem Boden durch Umsetzungsprozesse und Humusabbau die Hauptquellen von Emissionen. Lachgas entsteht direkt durch Düngung und Mineralisierungsprozesse im Boden sowie indirekt durch Ammoniakverluste und Nitrat-Auswaschung. Verbesserungen der Stickstoffeffizienz und eine Reduzierung des Stickstoffüberschusses sind daher entscheidend. Die sofortige Einarbeitung von Gülle reduziert Ammoniakverluste um 60 bis 80 % und erhöht die Stickstoffverfügbarkeit im Boden. Der regelmäßige Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten verhindert Nitratauswaschung, reduziert Lachgasemissionen und fördert durch Humusbildung die CO2-Bindung im Boden – bis zu 320 kg Kohlenstoff pro Hektar und Jahr, was über 0,5 Tonnen CO2 entspricht.

Energieeffizienz und Erneuerbare Energien

Landwirtschaftliche Betriebe haben vielfältige Möglichkeiten, Energie effizienter zu nutzen, etwa durch Wärmerückgewinnung, LED-Beleuchtung oder frequenzgesteuerte Pumpen. Fossile Brennstoffe können durch Solarthermie, Photovoltaik und weitere erneuerbare Energien ersetzt werden. Die Einsparung von einem Liter Diesel entspricht einer Vermeidung von etwa 3 kg CO2eq. Auch verfahrenstechnische Maßnahmen tragen zur Kraftstoffeinsparung bei.

Jeder Betrieb hat Potenzial

Auf vielen Betrieben werden bereits klimaschutzrelevante Maßnahmen umgesetzt. Doch auch darüber hinaus lassen sich je nach Betriebsgröße und Maßnahmenkombination zwischen 10 und 200 Tonnen CO2eq pro Jahr einsparen. Das entspricht beispielsweise den jährlichen Emissionen von fünf Bundesbürgerinnen und -bürgern. Viele Klimaschutzmaßnahmen wirken sich zudem positiv auf die Wirtschaftlichkeit aus und schaffen Synergien mit Umweltzielen wie Biodiversität und Gewässerschutz. Die Verbindung von Klimaschutz mit Anpassungsstrategien an den Klimawandel ist essentiell und bietet damit in allen landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Themenfeldern Chancen für eine zukunftsfähige Betriebsweise.

Die steigende Relevanz der Thematik wird zudem aus vielerlei Perspektiven an Betriebe herangetragen. So wird das Thema Klimaschutz etwa durch CO2-Fußabdrücke auf Produktebene entlang verschiedener Wertschöpfungsketten aufgegriffen. Doch auch im Hinblick auf Nachweispflichten, Förderprogramme und bei Investitionsvorhaben kann die frühzeitige Auseinandersetzung mit Klimaschutz im eigenen Betrieb einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit leisten. 

Das Ziel ist, die Betriebe zu sensibilisieren, individuell zu beraten und gemeinsam aktiven Klimaschutz zu betreiben. Wer mehr über die Klimabilanz seines Betriebes erfahren möchte, kann das Beratungsangebot des LLH nutzen.

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