Neuen Herausforderungen gemeinsam begegnen – Vom Projekt zum Beratungsangebot

Betriebe sehen sich zunehmend mit Anforderungen von außen konfrontiert: Zertifikate, Checklisten oder Nachweise für Banken, Versicherungen oder Handel. Gleichzeitig wächst die gesellschaftliche Erwartung, dass Landwirtschaft aktiv zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit beiträgt. Dass dies in vielen Bereichen bereits geschieht, wird bisher jedoch selten sichtbar. Die steigende Komplexität stellt Betriebsleitungen zunehmend vor Herausforderungen, sowohl in der Außenkommunikation als auch im Management über die klassischen Betriebskennzahlen hinaus.

Klimabilanz im Fokus

Papierbogen mit handschriftlich geschriebenen Stickpunkten liegt auf einem Tisch; links vorne Stifte; weiter hinten Schälchen mit Gebäck
Netzwerktreffen im Projekt „100 nachhaltige Bauernhöfe“
im Antonius Hof in Fulda Haimbach

Seit August 2018 gehört die Klimaberatung als eigenständiges Angebot zum Beratungsangebot des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH). Sie ist ein zentraler Bestandteil des Klimaplans Hessen und unterstützt landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe dabei, sich aktiv mit den Herausforderungen des Klimawandels auseinanderzusetzen. Mit zusätzlichem Fachpersonal ab Januar 2024 wurde das Angebot gezielt weiterentwickelt und ausgebaut. Heute profitieren Betriebe in ganz Hessen von einer praxisnahen und fachlich fundierten Beratung, die konkrete Lösungen für den landwirtschaftlichen Alltag bietet.

eine Personengruppe steht an einem Feld mit Zwischenfrüchten, man sieht vereinzelt blühende Sonnenblumen
Feldbegehung (Zwischenfruchtanbau)

Zentrales Element des Beratungsangebots ist die einzelbetriebliche Klimabilanzierung. In der Beratungsarbeit sind Klimabilanzen ein wichtiges Werkzeug. Sie ermöglichen es, die Treibhausgasemissionen eines Betriebs messbar bzw. greifbar zu machen und im nächsten Schritt individuelle Maßnahmen zur Minderung der Emissionen abzuleiten. Die Einordnung der Ergebnisse einer Klimabilanz erfolgt dabei vor dem Hintergrund des gesamten Betriebsmanagements und den jeweiligen räumlichen Gegebenheiten. Eine Klimabilanz ist dabei nicht nur für die betriebliche Weiterentwicklung förderlich. Eine Klimabilanz kann auch im Kommunikationsprozess mit anderen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette hilfreich sein, denn insbesondere Molkereien, Fleischverarbeitende, Mühlen und der Lebensmitteleinzelhandel fragen immer häufiger gezielt nach klimafreundlich erzeugten Agrarprodukten. Umso wichtiger ist es, die Betriebe bei den aktuellen sowie zukünftigen Herausforderungen zielgerichtet durch die Beratung zu unterstützen und die Ergebnisse einer Klimabilanz im Kontext zu betrachten.

Dies zeigt auch die Relevanz, neue Beratungsansätze frühzeitig zu testen und gemeinsam mit der landwirtschaftlichen Praxis weiterzuentwickeln, wie es zum Beispiel aktuell im Projekt „100 nachhaltige Bauernhöfe“ fokussiert wird.

Nachhaltigkeitsberatung – Komplexität gemeinsam bearbeiten

Seit 2021 entwickelt das Projekt 100 nachhaltige Bauernhöfe“ eine praxisnahe Nachhaltigkeitsberatung. Ziel ist es, Betrieben durch eine ganzbetriebliche Darstellung Chancen und Risiken in den Bereichen Wirtschaft, Ökologie und Soziales transparent aufzuzeigen.

Im Austausch mit Betrieben, dem weiterverarbeitenden Gewerbe und weiteren Interessenvertretungen zeigt sich seit Projektbeginn ein wachsender Bedarf, sich intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Externe Anforderungen wie Checklisten oder Zertifikate gegenüber Banken und Handel nehmen stetig zu. Die Nachhaltigkeitsberatung setzt hier an: Sie schafft Vertrauen, bietet Orientierung und verbindet subjektive Einschätzungen mit objektiven Kennzahlen. Das Ergebnis ist ein umfassender Nachhaltigkeitsbericht, der im Austausch mit der LLH-Beratung transparent konkrete Weiterentwicklungspunkte aufzeigt und zugleich als Nachweis gegenüber Dritten dient, beispielsweise bei der Rentenbank.

Aktuell befindet sich die Nachhaltigkeitsberatung in einer Pilotphase. Seit Januar 2025 arbeitet das Beratungsteam aus dem Projekt „100 nachhaltige Bauernhöfe“ mit dem RISE-Tool (Response-Inducing Sustainability Evaluation) daran, drei Betriebe aus den Bereichen Ackerbau, Gemüsebau und Tierhaltung fachgerecht darzustellen. Neben einer intensiven fachlichen Einarbeitung wird insbesondere die Anwendbarkeit unter Berücksichtigung der regional spezifischen Gegebenheiten geprüft. Erste Ergebnisse verdeutlichen: Es reicht nicht, ein Tool einfach einzusetzen. Notwendig ist eine aktive Auseinandersetzung mit den Hintergründen, Datenquellen und Berechnungslogiken, um den Betrieben verlässliche Ergebnisse zu liefern.

Ausblick: Beratungsangebote weiterentwickeln – Betriebe gezielt unterstützen

Die nächsten Schritte bestehen darin, die Erfahrungen aus der Pilotphase systematisch auszuwerten und die Zusammenarbeit mit weiteren Fachkolleginnen und -kollegen zu intensivieren. Ziel ist es, ein belastbares Angebot aufzubauen, das die Komplexität reduziert und gleichzeitig die Weiterentwicklung der Betriebe durch eine enge Zusammenarbeit mit der Beratung gezielt unterstützt.

Damit fügt sich die Nachhaltigkeitsberatung in eine Reihe neuer Beratungsansätze ein, die zeigen: Frühzeitiges Entwickeln und Testen lohnt sich. Nur so können Beratung und Landwirtschaft den Moment nutzen, proaktiv mit neuen Anforderungen umzugehen.

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