Milchmarkt: Erholung in Sicht?
Im vorangegangenen Wirtschaftsjahr konnten sich die Milchviehbetriebe noch über ordentliche Milchpreise von über 50 Cent freuen. Bei moderaten Futtermittelpreisen stand am Ende zumeist ein kräftiger Gewinnzuwachs in den Bilanzen. Doch aktuell müssen die Landwirte erhebliche Einbußen beim Milchgeld verkraften. Die Milchmengen liegen nicht nur in Deutschland, sondern auch in der gesamten EU und am Weltmarkt deutlich über Vorjahreslinie. Infolgedessen ist das Rohstoffaufkommen und damit die Produktion von wichtigen Commodities wie Butter und Milchpulver gestiegen. Der Markt konnte diese zusätzlichen Mengen nicht immer vollständig aufnehmen. Steigt das Angebot schneller als die Nachfrage, werden die Preise nach unten korrigiert. Und genau dies ist in den letzten Monaten geschehen.
Zuletzt lagen die Preise für Markenbutter (geformt) im Großhandel zwischen 3,65 und 4,85 EUR/kg. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) bietet das Päckchen Butter mit 250 g im Preiseinstiegssegment inzwischen für 0,99 Euro an. Auch die Preise für Milchpulver wurden deutlich nach unten korrigiert. Das drückt auf den Rohstoffwert der Milch und damit die finanziellen Verwertungsmöglichkeiten. Im Dezember betrug die Lücke zwischen Kieler Rohstoffwert (35,7 Cent) und Milchpreis (ca. 45 Cent) etwa 10 Cent. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass die Milchpreise noch weiter fallen. Allerdings gibt es auch positive Signale. So haben die Exportpreise an der GDT in Neuseeland zuletzt wieder um einige Prozentpunkte zugelegt. Beobachter sprechen davon, dass die niedrigen Preise die Nachfrage stimulieren und vermehrt Deckungskäufe getätigt werden. Betrachtet man die Trendkurven für den Flüssigmilchkontrakt und den Börsenmilchwert an der EEX, so wird ab Mai 2026 mit einer Aufwärtsbewegung gerechnet.

© ife Kiel 2025

