Preisbildende Faktoren am Rapsmarkt

Dem Vernehmen nach zeigen erste Rückmeldungen der Erzeuger, dass die diesjährige Rapsernte gar nicht so schlecht ausfällt. Es wird von Erträgen von bis zu 5 EUR/t und guten Ölgehalten berichtet. Für eine Bilanz muss allerdings noch die abschließende Qualitätsermittlung nach der Ernte abgewartet werden. Indessen müssen die Erzeuger wichtige Entscheidungen bei der Vermarktung treffen. Verkaufen oder erstmal einlagern? Bei den jetzigen Preisen von ca. 450 EUR/t ist die Abgabebereitschaft nicht sonderlich groß. Doch ob die Preise in den kommenden Monaten merklich steigen, lässt sich in Anbetracht der enormen Schwankungsbreite schwer voraussagen. Um hier ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen, sollen die preisbildenden Faktoren einmal näher betrachtet werden.

Größere Ernten und Handelsstreitigkeiten

Während im vergangenen Jahr EU weit noch 16,7 Mio. t Raps von den Feldern geholt wurden, taxiert die EU-Kommission die diesjährige Rapsernte 2025 inzwischen auf 18,5 Mio. t. Mit anderen Worten stehen am EU-Markt fast 2 Mio. t mehr zur Verfügung. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der Importbedarf bei einer ausgeglichenen Versorgungsbilanz in diesem Fall immer noch 5,7 Mio. t betragen wird. Die wichtigsten Herkunftsländer für die EU waren im letzten Jahr die Ukraine (46 %), Australien (38 %) und Kanada (10 %). Die Lieferfähigkeit der Ukraine wird in diesem Jahr deutlich eingeschränkt sein. Aktuelle Schätzungen rechnen mit einer mickrigen Rapsernte von nur 3 Mio. t. Das wären 21 % weniger als im Vorjahr. Die Ausfuhren werden bei etwa 2,6 Mio. t gesehen. Auch aus Australien dürfte weniger Raps in die EU gelangen. ABARES schätzt die australische Canola-Ernte aufgrund einer Reduzierung der Anbaufläche auf etwa 5,7 Mio. t. Das sind immerhin 400.000 t weniger als im Vorjahr. Die Ernteschätzung für Kanada liegt mit 19,25 Mio. t ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Jedoch wird erwartet, dass die Verfügbarkeit aufgrund sinkender Lagerbestände um bis zu 2 Mio. t reduziert sein könnte. Hinzu kommt, dass Handelsstreitigkeiten mit China zu einer Verschiebung der Handelsströme führen könnten. Als weltweit zweitgrößter Importeur von Raps – überwiegend aus Kanada – hat das Land der Mitte seinen Einfuhrzoll auf kanadischen Raps am 14. August auf 75,8 % erhöht. In der Folge dürfte deutlich mehr kanadischer Raps nach Europa exportiert werden. Ob das Rapsangebot in der EU bei einer größeren Inlandsproduktion damit am Ende auch steigen wird, ist noch unklar, da aus der Ukraine und Australien wie gesagt geringere Mengen erwartet werden. An den Börsen ging es nach Bekanntwerden dieser Meldungen erstmal abwärts.   

Was mittelfristig dennoch für festere Rapspreise spricht 

Es ist plausibel und logisch schlüssig, dass die Preise für Pflanzenöle mit den finanziellen Verwertungsmöglichkeiten der Ölsaaten im Zusammenhang stehen. Ein Großteil der Pflanzenöle wird für die Biodieselproduktion, aber auch für Nahrungs- und Fütterungszwecke eingesetzt. Folglich besteht zwischen ihnen eine substitutive Beziehung und positive Kreuzpreiselastizität. Steigen die Preise für Palmöl oder Sojaöl, steigen i. d. R. auch die Preise für Rapsöl und damit die Erzeugerpreise für Raps. Über die Verwendungsschiene Pflanzenöl und Biotreibstoffe ist der Ölsaatenmarkt überdies untrennbar mit den Entwicklungen am Energiemarkt verbunden. Zumal jährlich über 50 Mio. t Biodiesel auf der Basis von Pflanzenölen hergestellt werden.

Somit erklärt sich auch der in manchen Phasen außergewöhnlich starke Einfluss der Energiemärkte auf die Kurse und Preise für den Rohstoff Rapssaat. Steigen die Rohölnotierungen wird es zunehmend attraktiver im Verkehr Biotreibstoffe einzusetzen. Infolgedessen steigt die Nachfrage nach Biotreibstoffen und damit auch nach Pflanzenölen. Durch den Marktmechanismus wird der Preis für Pflanzenöle angehoben, wenn das Angebot nicht gleichzeitig deutlich ausgeweitet wird. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die finanziellen Verwertungsmöglichkeiten der Rapssaat aus und führt zu steigenden Erzeugerpreisen. Im Umkehrschluss bedeuten fallende Rohölnotierungen typischerweise, dass auch die Preise für Ölsaaten schwächer notieren. Im Laufe der vergangenen Jahre hat der Einfluss der Rohölnotierungen auf den Rapspreis jedoch abgenommen, während die Palmölnotierungen inzwischen einen größeren Einfluss haben.

Abb. 1: Korrelation zwischen Rapskurs in EUR/t und FAO Preisindex für Pflanzenöle (Quelle: eigene Darstellung, Daten aus AMI Bonn und FAO)
Abb. 1: Korrelation zwischen Rapskurs in EUR/t und FAO Preisindex für Pflanzenöle (Quelle: eigene Darstellung, Daten aus AMI Bonn und FAO)

Abbildung 1 zeigt einen statistischen Zusammenhang zwischen den Rapskursen an der Euronext in Paris und dem Pflanzenölpreisindex der FAO. Der Stützzeitraum beträgt im vorliegenden Beispiel von August 2020 bis Mai 2025. Das Ergebnis ist auf einem üblichen Niveau signifikant. Das Bestimmtheitsmaß R2 nimmt einen Wert von 0,87 an und erklärt damit etwa 87 % der Varianz in den Rapskursen durch die Preise für Pflanzenöle. Dies ist ein Indiz für einen überaus starken Zusammenhang. Visuell ist dies der Regressionsgeraden in der Punktwolke zu entnehmen.

Betrachten wir einmal die Preisentwicklungen am Markt für Pflanzenöle, so wird am FAO-Pflanzenölpreisindex deutlich, dass dieser im Juli 2025 kräftig zugelegt hat. Ausschlaggebend dafür waren insbesondere die festen internationalen Preise für Soja-, Palm- und Sonnenblumenöl. Sojaöl profitiert aktuell von einer potenziell größeren Nachfrage der US-Biokraftstoffindustrie. Die Kurse für Palmöl befinden sich aufgrund einer regen Nachfrage am Weltmarkt in einer Aufwärtsbewegung. Die günstige Preisrelation zu den übrigen Pflanzenölen trägt ihren Teil dazu bei. Wenngleich die Preise für Rapsöl durch den Erntedruck etwas zurückgenommen wurden, besteht auch hier Aussicht auf eine Preisbewegung nach oben. Zumal die globale Nachfrage nach Pflanzenölen in 2025/26 gegenüber dem Vorjahr um ca. 6 Mio. t steigen könnte. 

Abb. 2: Rapskurs in EUR/t (Fronttermin, Euronext) sowie Preisindex für Pflanzenöle der FAO und OPEC Basket-Preis für Rohöl im Stützzeitraum August 2020 bis Mai 2025
Abb. 2: Rapskurs in EUR/t (Fronttermin, Euronext) sowie Preisindex für Pflanzenöle der FAO und OPEC Basket-Preis für Rohöl im Stützzeitraum August 2020 bis Mai 2025

Am Rohölmarkt wurden die Risikoprämien aufgrund der Konflikte in Nahost seit Juni inzwischen wieder abgezogen. Dementsprechend fiel der Weltmarktpreis von 77,4 $/Barrel zur Preisspitze in Juni auf nunmehr 65,1 $/Barrel wieder recht deutlich und liegt damit unter Vorjahreslinie. Wie Marktbeobachter berichten, rechnet die Internationale Energie Agentur (IEA) für 2026 mit einem Angebotsüberhang auf dem Ölweltmarkt von 3,0 Mio. Barrel pro Tag. Die OPEC erwartet diesbezüglich eine tägliche Überproduktion von 1,65 Mio. Barrel Rohöl. Beides sind „bärische“ Signale und sprechen für fallende Rohölpreise in 2025/26. Die Risikofaktoren im Nahost-Konflikt könnten den Preis je nach Entwicklung aber auch wieder nach oben treiben. Die Lage ist momentan schwer einzuschätzen.

Abb. 3: Korrelation zwischen Rapskurs in EUR/t und OPEC Basket-Preis für Rohöl (Quelle: eigene Darstellung, Daten aus AMI Bonn und OPEC)
Abb. 3: Korrelation zwischen Rapskurs in EUR/t und OPEC Basket-Preis für Rohöl (Quelle: eigene Darstellung, Daten aus AMI Bonn und OPEC)

Im direkten Vergleich weist die Punktwolke in Abbildung 3 auf den ersten Blick eine größere Streuung der Datenpunkte und damit schwächeren Zusammenhang zwischen Rapskursen und Rohölnotierungen auf. Das Ergebnis ist zwar immer noch signifikant, aber der Erklärungsgehalt nur im mittleren Bereich. Etwa 43 % der Varianz in den Rapskursen wird durch die Rohölnotierungen erklärt. Mit anderen Worten bleiben 57 % im betreffenden Stützzeitraum August 2020 bis Mai 2025 unerklärt und sind auf andere Faktoren zurückzuführen. Die Ergebnisse aus Abbildung 1 und 3 lassen darauf schließen, dass der Zusammenhang zwischen Rapskursen und Pflanzenölpreisen deutlich stärker ausgeprägt ist als zwischen Rapskursen und Rohölnotierungen.

Schlussfolgerungen für die Rapsvermarktung

Wer nicht dringend auf Liquidität angewiesen ist und über Lagermöglichkeiten verfügt, sollte seinen Raps zunächst einlagern und den Angebotsdruck aussitzen. Bis zum Liefertermin Mai 2026 zeigt die sog. „Forward-Kurve“ der Kurse an der Börse nach oben. Die Börsianer rechnen also mit steigenden Kursen bis zu diesem Zeitpunkt. Die überaus festen Preise für Pflanzenöle und schwachen Ernten in der Ukraine und Australien könnten den Rapspreisen tatsächlich Unterstützung bieten. In Anbetracht der größeren Ernte in der EU und den chinesischen Strafzöllen auf kanadischen Raps werden die Bäume in dieser Saison 2025/26 aber nicht in den Himmel wachsen. Dies muss bei Gegenüberstellung der Lagerkosten unbedingt berücksichtigt werden. Die Preisrelation zum Weizen ist mit einem Quotienten von 2,6 derzeit überdurchschnittlich hoch. Im Gleichgewicht gilt ein Verhältnis von 2,0. Wenn es die Fruchtfolgen zulassen, besteht aktuell ein durchaus starkes Anbausignal für den Raps. Am Ende werden aber die globalen Erntebilanzen zeigen, welcher Marktpreis dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage angemessen ist. Es lässt sich festhalten, dass die Preisaussichten für den Rapsmarkt besser sind als für den Getreidemarkt    

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