Getreide- und Rapsmarkt Deutschland
Die Stimmung am deutschen Getreidemarkt bleibt im Oktober 2025 weiterhin gedrückt. Trotz der Erwartung, dass sich die Erzeugerpreise mittelfristig wieder erholen könnten, zeigen sich aktuell vor allem für kurzfristige Lieferungen keine Aufwärtsbewegungen. Im Vergleich zur Vorwoche wurden die Preise für Weizen leicht gesenkt. Für hochwertige Weizenpartien lassen sich nur geringe Aufgelder von rund 5 EUR pro Tonne realisieren, was auf die weiterhin gute Verfügbarkeit von Qualitätsweizen zurückzuführen ist. Brotweizen geht mit etwa 150 bis 170 EUR/t in die Bücher. Diese Angebotslage führt dazu, dass der Kassamarkt ruhig bleibt, während auch Vorkontrakte für die Ernte 2026 kaum Interesse finden.
Der Internationale Getreiderat (IGC) schätzt die globale Weizenproduktion auf 818 Mio. t und die korrespondierende Nachfrage auf ebenfalls 818 Mio. t. Damit wäre das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ausgeglichen. Auch am Getreidemarkt in der EU ist die Versorgungssituation mit einem Angebot von 280 Mio. t überaus komfortabel. Die Pufferfunktion der Lagerbestände mildert kurzfristige Angebotsengpässe und trägt zur Preisstabilität bei.
Der Terminmarkt zeigt bei Weizen für spätere Lieferzeiten eine leicht positive Preistendenz, mit Kursen um 190 EUR/t für Ende 2025 und steigenden Erwartungen für das Frühjahr 2026. So notiert der Mai-Kontrakt aktuell bei ca. 196 EUR/t. Die Forward-Kurve signalisiert, dass die Marktteilnehmer mittelfristig mit einer Verknappung oder einer stärkeren Nachfrage rechnen, während der Kassamarkt momentan gedämpft bleibt. In Anbetracht der hohen Ernteerwartungen für Argentinien und Australien ist zudem fraglich, ob die Preise nach dem Jahreswechsel wirklich in eine Aufwärtsbewegung gelangen.
Am Rapsmarkt ist die Situation ähnlich ruhig, allerdings mit einer jüngst leicht erholten Preisentwicklung. Die derzeitigen Spotpreise liegen um die 466 EUR pro Tonne, wobei die Rapserzeuger durch die gestiegene EU-Ernte mit einer potenziellen Angebotsausweitung konfrontiert sind. Die Relation von Raps zu Weizen liegt mit einem Quotienten von ca. 2,6 deutlich über dem Durchschnitt, was Raps für Landwirte im Fruchtwechsel weiterhin attraktiv macht. Am Terminmarkt zeigt sich eine positive Preisentwicklung für die kommenden Monate, was auf eine erwartete steigende Nachfrage oder Angebotsverknappung hindeutet.
Neben den marktinternen Faktoren beeinflussen externe Rahmenbedingungen die Situation maßgeblich. Globale Ernteprognosen für Weizen in der EU deuten auf eine steigende Produktion hin, während politische und handelspolitische Unsicherheiten, etwa durch US-Zölle oder Schwankungen im globalen Handel, für Volatilität sorgen können. Zudem bleiben steigende Kosten für Energie, Düngemittel und Logistik ein wesentlicher Kostendruckfaktor, der die Wirtschaftlichkeit vieler Betriebe belastet und das Preisniveau nach unten begrenzt.
Fazit
Der deutsche Getreide- und Rapserzeugermarkt befindet sich aktuell in einer Phase stabiler Versorgung bei gleichzeitig gedrückten Preisen. Die Produktionsausweitung und moderaten Lagerbestände führen zu einem Überangebot, das kurzfristige Preissteigerungen erschwert. Mittelfristig deutet die Terminmarktstruktur jedoch auf eine mögliche Erholung hin. Für die Produzenten bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen herausfordernd, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Kosten und globaler Unsicherheiten. Strategien zur Kostenoptimierung und flexible Vermarktung werden daher zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Getreide- und Rapspreise, Hessen, in EUR/t
| Frei Landlager | Ab Hof | |||||
| Min. | Max. | Ø | Min. | Max. | Ø | |
| Qualitätsweizen | 150 | 170 | 160 | 168 | 180 | 172 |
| Brotweizen | 145 | 160 | 153 | 160 | 165 | 163 |
| Qualitätshafer | 149 | 149 | 149 | – | – | – |
| Futterweizen | 140 | 153 | 147 | 155 | 163 | 158 |
| Futtergerste | 135 | 145 | 141 | 145 | 156 | 151 |
| Raps | 428 | 435 | 432 | 438 | 450 | 444 |
Quelle: LLH, Stand 14.10.2025


