Außenschattierung bei Gewächs- und Folienhäusern

Hitzestress reduzieren – Pflanzenbestände stabilisieren

Zunehmende Hitzeperioden erschweren den geschützten Anbau von Gemüse, Beeren und Zierpflanzen in Gewächs- und Folienhäusern. Hohe Einstrahlung und Temperaturen führen zu Stressreaktionen wie Verbrennungen, erhöhter Verdunstung, Wachstumsstörungen und Ertragseinbußen.

Eine Schattierung zielt darauf ab, die Strahlungsintensität und Wärmebelastung im Gewächshaus zu reduzieren. Sie beeinflusst direkt die Pflanzentemperatur und kann Schäden deutlich minimieren – insbesondere in kleineren, niedrigeren oder schlecht zu lüftenden Häusern.

Im geschützten Anbau ist die Innenschattierung am verbreitetsten, aber auch die Außenschattierung hat ihre Vorteile.

Wirkung und Schattierungsgrad

Durch Schattierung werden Temperaturspitzen abgepuffert und die photosynthetisch aktive Strahlung reduziert. Pflanzen bleiben länger turgeszent, Wasserstress und Welkeerscheinungen nehmen ab.

Der richtige Schattierungsgrad ist dabei entscheidend. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht:

  • leichte Schattierung: ca. 15–20 %
  • häufig sinnvoll: 20–40 % Schattierung
  • im Zierpflanzenbau teilweise deutlich höher (bis 60–80 %)

Im Vergleich zu früheren Empfehlungen hat sich der praxisübliche Schattierungsbereich in den letzten Jahren tendenziell nach oben verschoben.

Die Schattierleistung des Produktes ist meist in der Produktbeschreibung angegeben.

Wann schattieren?

Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend für die Wirkung:

  • Früher Einsatz: Bereits ab dem Frühjahr kann bei hoher Einstrahlung eine leichte Schattierung (ca. 15–20 %) sinnvoll sein, insbesondere nach strahlungsarmen Perioden, wenn Bestände empfindlich reagieren.
  • Hauptphase: Im Hochsommer (v. a. Juli–August) ist Schattierung besonders wirksam zur Begrenzung von Hitzestress.
  • Dynamische Anpassung: In der Praxis kann mit niedriger Schattierung begonnen und diese im Sommer erhöht werden (z. B. durch doppelte Netze oder höhere Aufwandmengen bei Schattierfarben).
  • Abschattieren: Gegen Saisonende sollte die Schattierung reduziert oder entfernt werden.

Verfahren im Überblick

Außenschattiergewebe

Außen angebrachte Gewebe reduzieren die Einstrahlung bereits vor dem Eintritt in das Gewächshaus. Sie sind wiederverwendbar und technisch einfach umzusetzen.

Neben klassischen Schattiernetzen werden in der Praxis auch Vogel- oder Hagelschutznetze sowie Vliese genutzt. Diese können kostengünstige Alternativen darstellen, allerdings ist der tatsächliche Schattierungsgrad oft schwer einzuschätzen und nicht immer optimal auf die Kultur abgestimmt.

Zu beachten ist zudem die teilweise begrenzte Haltbarkeit von Netzen unter hoher UV-Belastung.

Zusammengerollte Schattiernetze sind vergleichsweise großvolumig. Entsprechende Lagermöglichkeiten müssen daher berücksichtigt werden.

Schattierfarbe

Schattierfarben werden von außen auf die Eindeckung aufgebracht und reflektieren einen Teil der Sonneneinstrahlung. Dadurch wird die Strahlungsintensität reduziert, ohne die Lüftung zu beeinträchtigen.

Die Anwendung erfolgt meist mit Spritztechnik. Auch eine partielle Schattierung – etwa nur auf der sonnenzugewandten Seite – ist möglich.

Je nach System sind die Beläge witterungsbeständig und können nur mit speziellen Reinigungsmitteln entfernt werden. Das sorgt für eine stabile Wirkung, erfordert aber zusätzlichen Aufwand und Kosten bei der Reinigung.

Bei unklaren Inhaltsstoffen ist insbesondere bei der Nutzung von aufgefangenem Regenwasser Vorsicht geboten: Während der Reinigungsphase sollte dieses nicht in den Kulturkreislauf gelangen.

Ein Nachteil der Dauerschattierung mittels Schattierfarbe kann in strahlungsarmen Sommern auftreten: Da die Schattierfarbe nicht flexibel und kurzfristig entfernt werden kann, steht den Kulturen unter Umständen zu wenig Licht zur Verfügung.

Applikation – auch mit Drohne

Applikationsdrohne für Außenschattierung steht auf einer Grünfläche; im Hintergrund sieht man hinter einer Hecke Gewächshäuser
Applikationsdrohne für Außenschattierung

Neben klassischen Verfahren gewinnt die Ausbringung von Schattierfarben mittels Agrardrohnen an Bedeutung. Sie ermöglicht eine gleichmäßige Applikation auf großen oder schwer zugänglichen Flächen und reduziert den Arbeitsaufwand.

Die Flächenleistung liegt bei etwa 0,5 bis über 1 Hektar pro Stunde, zuzüglich Rüstzeiten. Damit stellt dieses Verfahren gegenüber der herkömmlichen Praxis häufig eine schnellere und kostengünstigere Lösung dar.

Praxisempfehlungen

  • Schattierung frühzeitig und situativ einsetzen
  • Schattierungsgrad anpassen statt pauschal erhöhen
  • kultur- und sortenspezifisch denken
  • einfache Lösungen (z. B. vorhandene Netze) können sinnvoll sein
  • Applikation und Entfernung fachgerecht durchführen (das Betreten des Gewächshausdaches ist arbeitsrechtlich nicht ohne Weiteres zulässig)
  • Bewässerung und Klimasteuerung unbedingt anpassen

Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben oder eine Beratung benötigen, kontaktieren Sie gern das Beratungsteam Gartenbau.

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