Innovativer Erdbeeranbau mit ausgeklügeltem Wassermanagement

Mitten in der Pfalz zeigt der familiengeführte Betrieb Erdbeerland Funck, wie moderner Sonderkulturanbau mit Nachhaltigkeit und technischer Innovation Hand in Hand gehen kann.
Der Betrieb wird von Alexander Seiler und Rebecca Funck geleitet. Für alle Themen rund um die Produktion ist Herr Seiler zuständig, Frau Funck kümmert sich um die Vermarktung und die Personalverwaltung. Der Betrieb kombiniert klassischen Ackerbau mit einem klaren Fokus auf Sonderkulturbau, insbesondere Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren und Spargel –
stets mit dem Ziel, einer konsequenten Kreislaufwirtschaft nahezukommen.
Besonders durchdacht ist das fortschrittliche Wassermanagement, das auf langfristige Unabhängigkeit von externen Wasserquellen abzielt.
Für die Bewässerung wird derzeit Wasser aus folgenden Quellen genutzt: zwei betriebseigenen Grundwasserbrunnen, einer Bachwasserentnahme (nur in den Wintermonaten) sowie einer Regenwasserfassung über die Dachfläche einer neu errichteten Tunnelanlage für Erdbeeren.


Zwischen den dicht aufgestellten Folientunneln (Mehrschiffsystem) ist eine Rinnenkonstruktion installiert, mit deren Hilfe Dachwasser für eine Verwertung gesammelt werden kann. Die Rinnen entwässern am Ende der Gefällestrecke in entsprechend groß dimensionierten Fallrohren und laufen drucklos in den Foli-enspeicher. Laut Betriebsleiter Seiler sei die komplette Dimensionierung der Regenwasserfassung auf ein 50-jähriges Niederschlagsereignis ausgelegt.
Der Regen wird in einem 11.000 m³ großen Speicherteich gesammelt. Die Hauptspeisung des Teichs erfolgt in den Wintermonaten durch Niederschlagswasser. Der Teich hat eine Tiefe von vier Metern. Mit der neuen Tunnelanlage lassen sich jährlich etwa 5.000 m³ Wasser pro Hektar sammeln. Perspektivisch ist zur Erweiterung der betrieblichen Wasserbevorratung der Bau eines zweiten Speicherteichs geplant.
In direkter Nähe zum Wasserspeicher steht auch das Pumpenhaus. Von hier aus wird Wasser aus dem Speicher zur Düngestation gefördert. Das betriebliche Rohrleitungssystem ist mittlerweile so ausgebaut, dass Bewässerungswasser auch zu den weiter entfernten Tunnelanlagen gepumpt werden kann. Im Pumpenhaus befinden sich drei frequenzgesteuerte Pumpen mit einer Gesamtförderleistung von ca. 130 Kubikmeter pro Stunde. Vorbildlich ist die im Pumpenhaus separat installierte Saugstelle für die Feuerwehr. Im Einsatzfall kann die Feuerwehr so schnell auf Löschwasser aus dem Teich zurückgreifen.


Fortschrittlich ist auch der Umgang mit Drainagewasser aus den Erdbeerrinnen. Das überschüssige Drainagewasser wird aufgefangen und im Betrieb recycelt.
Es fließt aus den Pflanzrinnen am Reihenende in einen kiesgefüllten Drainagegraben und von dort über ein Drainagesammelrohr weiter in eine Zisterne (10 m3) zur Zwischenspeicherung. Von dort aus wird das Drainagewasser zur Düngestation gepumpt, wo es vor der Wiederverwendung desinfiziert wird. Der Betrieb schafft damit eine nahezu vollständige Kreislaufführung von Wasser und Nährstoffen und setzt so Maßstäbe für eine nachhaltige und umweltschonende Wasserwirtschaft.
In der Erdbeerproduktion setzt der Betrieb überwiegend auf den Stellagenanbau im Tunnel (hängende und stehende Systeme) sowie in kleinerem Umfang auf klassische Freilandproduktion, unter anderem für Selbstpflücker.

Im produktionstechnisch optimierten Stellagenanbau liefern remontierende Erdbeersorten Früchte vom Frühjahr bis in den November.
Die neu gebauten Tunnelanlagen sind mit automatischer Dachlüftung und Sensorik ausgestattet. Damit lassen sich Folientunnel an den Seitenwänden auffahren und optimal klimatisieren. Durch intelligente Sprinkleranlagen unter der Stellage kann zusätzlich die Luftfeuchte und Temperatur reguliert werden. So kann ein günstigeres Klima für Nützlinge geschaffen werden. Auf den Fotos noch nicht sichtbar: Unter der Stellage hat der Betrieb bereits Gras eingesät.
Aktuell verfügt der Betrieb über zwei Produktionsstandorte mit Tunnelanlagen rund um Eisenberg in der Pfalz.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ressourcenschonung. Im Betrieb wird auch Miscanthus als nachwachsender Rohstoff angebaut. In gehäckselter Form wird dieser im Betrieb sowohl stofflich als auch energetisch verwertet. Ziel ist, heimisch erzeugtes Miscanthus-Häckselgut als Komponente im Pflanzsubstrat einzusetzen und somit den Anteil importierter Kokosfasern zu reduzieren. Außerdem wird es auch als Abdeckschicht in den Töpfen der Pflanzen, den sogenannten Bakken, eingesetzt, um zu verhindern, dass Früchte auf dem durchfeuchteten Substrat aufliegen und schneller faul werden. Ansonsten wird Miscanthus als Brennstoff in der betrieblichen Biomasseheizung verfeuert. Der Betriebsleiter zeigt sich vom Miscanthus-Anbau überzeugt, denn so habe er gleichzeitig auch eine Dauerkultur im Betrieb, um auf ortsnahen Problemflächen mit erhöhtem Erosionsrisiko wirkungsvollen Erosionsschutz umsetzen zu können.

Photovoltaikanlagen auf den Betriebsgebäuden gehören ebenso ganz selbstverständlich zum betrieblichen Energiekonzept.
Dass im Betrieb zukunftsorientiert gedacht wird, zeigt sich auch darin, dass mittelfristig die komplette thermische Verwertung der im Betrieb anfallenden, abgeernteten, vertrockneten Erdbeerpflanzen samt Substrat angestrebt wird.
Auch in Sachen Pflanzenschutz setzt Erdbeerland Funck auf fortschrittliche Methoden:
- Der Einsatz von Nützlingen ersetzt nahezu vollständig den Insektizid-Einsatz im Tunnel. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Befall der Erdbeeren mit der Kirschessigfliege, werden zielgerichtet insektizide Maßnahmen durchgeführt.
- Eine kontinuierliche digitale Überwachung des Mikroklimas im Tunnel sowie eine gezielte Klimaregulierung tragen dazu bei, den Befall der Früchte mit pilzlichen Krankheitserregern zu reduzieren. Dies gilt insbesondere für Infektionen durch Botrytis cinerea, einen der bedeutendsten und gefürchtetsten Erreger von Fruchtfäulen.
- Gegen echten Mehltau soll künftig UV-C Technologie zur nicht-chemischen Pflanzendesinfektion eingesetzt werden.

Als zukünftige Entwicklungsperspektive im Rahmen der weiteren Automatisierung kann sich Alexander Seiler den Einsatz einer multifunktionalen, fahrbaren Roboterplattform in den Erdbeertunnelanlagen vorstellen. Ziel ist es, diese künftig autonom und unbeaufsichtigt einzusetzen. Die Roboterplattform könnte dabei verschiedene Aufgaben übernehmen, darunter das Mähen, das Ausbringen von Nützlingen sowie den Einsatz als Trägerplattform für die UV-C-Technologie. Dadurch ließe sich der Automatisierungsgrad weiter erhöhen und Arbeitsprozesse effizienter gestalten.
Für die Schattierung der Folientunnel zum Schutz der Pflanzen vor Temperaturspitzen kommt eine betriebseigene Sprühdrohne zum Einsatz. Damit kann der Betrieb unabhängig, termingerecht und schnell agieren.
Erdbeerland Funck beschäftigt in der Hochsaison rund 200 Mitarbeitende. Im Zuge von Pflanzenhygiene und vorbeugendem Pflanzenschutz im Erdbeeranbau werden die Mitarbeitenden auch für das Ernten fauler Früchte entlohnt. Die fauligen Früchte werden in geschlossenen Boxen gesammelt und zur energetischen Verwertung einer Biogasanlage zugeführt. Beim Gang durch die Gewächshäuser betont Betriebsleiter Seiler, dass ihm ein gutes Verhältnis zu seinen Mitarbeitenden sehr wichtig sei. Langfristige Mitarbeiterbindung, oft über Generationen hinweg, sei ein Beleg für die fortschrittliche Personalstrategie mit fairen Bedingungen.
Neben rund 40 eigenen Verkaufsständen ist für die Abnahme der Erdbeeren die Frutania GmbH aus dem Rheinland ein zentraler Partner.



Wie fortschrittlich und digital der Betrieb aufgestellt ist, zeigt sich unter anderem auch in der Verwaltung der vielen Verkaufsstände. Hier setzt der Betrieb auf Unterstützung von Spezialsoftware. Damit können sowohl Themen der Erntehelferverwaltung als auch der Selbstvermarktung strukturiert und organisiert werden.
Der familiengeführte Betrieb vermittelt das Bild eines sehr gut strukturierten, innovativen und nachhaltig wirtschaftenden Betriebs. Der Einsatz technischer Innovationen, ein starker Kreislaufgedanke, effizientes Wassermanagement, modernes Personalmanagement sowie eine hocheffiziente Pflanzenproduktion mit Fokus auf den integrierten Pflanzenschutz greifen hier nahtlos ineinander. Damit kann der Betrieb als Pilotbetrieb für zukunftsorientierten Sonderkulturanbau angesehen werden.