Wasser für die Landwirtschaft sichern: Verbände als Schlüssel zur zukunftsfähigen Bewässerung

Klimawandel erhöht den Bewässerungsbedarf in Hessen

Bewässerung einer Fläche in Aktion, im Hintergrund ist ein Bergrücken zu sehen, der Himmel ist stark bewölkt.

Die Ressource Wasser ist ein zentraler Produktionsfaktor in der Pflanzenproduktion. Durch den Klimawandel kommt es in Hessen jedoch vermehrt zu Trockenheit während der Vegetationsperiode, wodurch der Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft mit großer Wahrscheinlichkeit weiter ansteigen wird. Bei unzureichender Bodenfeuchte reagieren Kulturpflanzen nämlich mit Trockenstress, dessen Auswirkungen zwar von Zeitpunkt, Dauer und Intensität abhängen, der sich jedoch negativ auf den Ertrag und die Qualität der Kultur auswirken kann.

In Regionen mit etablierten Bewässerungsinfrastrukturen, wie dem Hessischen Ried oder der Untermainebene, ist Bewässerung vergleichsweise unkompliziert, während Gebiete ohne erschlossene Wasserquellen und Infrastruktur künftig vor erhebliche Herausforderungen gestellt werden könnten.

Vor einem Einstieg in die Bewässerung müssen Betriebe grundlegende Planungen anstellen. Dazu gehören die Berechnungen zur ökonomische Bewässerungswürdigkeit der zu bewässernden Kulturen, die genau Abschätzung der Höhe des Zusatzwasserbedarfs sowie der erforderlichen Wasserqualität.

Grundwasser als wichtigste Wasserquelle der Landwirtschaft

Die in Deutschland und auch in Hessen am häufigsten genutzte Wasserquelle für die Bewässerung ist Grundwasser. Im Porengrundwasserleiter des Hessischen Ried sind die Bewässerungsbrunnen in der Regel flach verfiltert, während in anderen Regionen größere Tiefen und insbesondere die Wasserschüttung des Grundwasserkörpers die Planung einer potentiellen Grundwassernutzung bestimmen. Hydrogeologische Gutachten bewerten die Leistungsfähigkeit und die rechtliche Situation der Grundwasserentnahme.

Genehmigungen und Zuständigkeiten bei Grundwasserentnahmen

Die Entnahme beziehungsweise die Ableitung von Grundwasser zum Beispiel aus Brunnen, Quellen oder Stollen ist erlaubnispflichtig. Wichtige Rechtsgrundlagen sind das Wasserhaushaltsgesetze und das Hessische Wassergesetzes.

Mit Ausnahme der Genehmigung geringfügiger Grundwasserentnahmen obliegt die Zuständigkeit für das Verfahren den Regierungspräsidien, den oberen Wasserbehörden (OWB) der Regierungsbezirke Kassel, Gießen und Darmstadt.

Geringfügige Entnahmen und Summenwirkung im Blick behalten

Grundwasserentnahmen von bis zu 3.600 Kubikmetern pro Jahr werden als geringfügig eingestuft. Für solche Entnahmen ist in der Regel keine wasserrechtliche Genehmigung notwendig. Erforderlich ist jedoch immer eine Anzeige bei der für das Vorhaben örtlich zuständigen Unteren Wasserbehörde (UWB). Geringfügige Grundwasserentnahmen zum Zweck der landwirtschaftlichen Bewässerung im Verbandsgebiete von Beregnungsverbänden können nicht grundsätzlich als erlaubnisfreie Einzelentnahmen angesehen werden. Dies gilt insbesondere für das Gebiet des Hessischen Rieds und der Untermainebene, in denen auch die Grundwasserentnahmen für die priorisierte öffentliche Wasserversorgung berücksichtigt werden müssen. Bei der Festlegung der zulässigen Entnahmemenge ist zudem die Summenwirkung vieler geringfügiger Entnahmen zu beachten, um den Grundwasserhaushalt und grundwasserabhängige Ökosysteme zu schützen.

Soll mehr als nur in geringfügigem Menge Wasser aus dem Grundwasser entnommen werden, so richtet sich der Umfang der Antragsunterlagen für das Erlaubnisverfahren nach wasserwirtschaftlicher und naturschutzfachlicher Relevanz der beabsichtigten Grundwasserentnahme. Zwecks Abstimmung des notwendigen Antragsumfangs wird den Antragstellenden in jedem Fall empfohlen, möglichst frühzeitig Kontakt mit den zuständigen Servicestellen der jeweiligen Region aufzunehmen.

Bewässerungsverbände als Chance für Betriebe

Bei Überlegungen zum Einstieg in die Bewässerung ist es immer ratsam, zu prüfen, inwieweit sich ein Betrieb an einen bereits bestehenden Bewässerungsverband anschließen kann. Vorteile eines Verbandes sind die Bündelung von Ressourcen und die Reduktion administrativer Belastungen für den Einzelnen, insbesondere im Rahmen von Genehmigungsverfahren im Zusammenhang mit der Nutzung von Wasser. Bewässerungsverbände ermöglichen außerdem ein effizientes Wassermanagement.

Neugründung von Verbänden für neue Bewässerungsregionen

Über die Neugründung eines Bewässerungsverbandes nachzudenken empfiehlt sich insbesondere dann, wenn neue Bewässerungsgebiete von Grund auf erschlossen werden sollen.

In Zeiten zunehmenden Wasserstresses besteht die politisch erklärte Absicht, künftige die Bewässerung gezielt in regional koordinierten Verbandsstrukturen zu planen, um eine integrierte und nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen zu gewährleisten. Damit wird zugleich das übergeordnete Ziel verfolgt, Grundwasser auf regionaler Ebene effizient, kontrolliert und langfristig nachhaltig zu nutzen.

Bewässerungsverbände in Hessen: Struktur und Akteure

Im Hessischen Ried und in Südhessen, wo die landwirtschaftliche Bewässerung bereits seit langem etabliert ist, finden sich auch die hessischen Beregnungsverbände. Insgesamt gibt es im Hessischen Ried 24 Verbände mit einer verbandlich erschlossenen Bewässerungsfläche von etwa 33.000 Hektar, von denen rund 27.000 Hektar über etwa 3.000 Brunnen mit Grundwasser bewässert werden.

Zwei zentrale Akteure der Bewässerung in Hessen sind der Dachverband Wasser-, Boden- und Landschaftspflegeverband Hessen (WBL Hessen) sowie der
WHR-Beregnung des Wasserverbands Hessisches Ried (WHR). Beide Organisationen sind in die vertikale Verbandsstruktur eingebunden: Sie sind Mitglieder im Landesverband der Wasser- und Bodenverbände Hessen, der wiederum dem Deutschen Bund der verbandlichen Wasserwirtschaft (DBVW) angehört.

Gemeinsame Bewässerung bringt wirtschaftliche und rechtliche Vorteile

Der WBL Hessen als Dachverband der örtlichen Beregnungsverbände unterstützt seine Mitglieder unter anderem bei der rechtskonformen Bewirtschaftung von Wasserentnahmeerlaubnissen und bei Fragen zu Verbandsatzung und -struktur. Ebenso bei der rechtlichen Absicherung, durch die Professionalisierung der Verbandsarbeit sowie bei der Koordination von Planung, Betrieb und Wartung gemeinsamer Bewässerungsinfrastruktur.

Aus Sicht der Mitgliedsverbände profitieren diese von einer stabilen Wasserversorgung, geteilten Investitionskosten, einem professionellen Management und einer Entlastung von bürokratischen Aufgaben. Verbände sind zudem bevorzugte Träger von Landesförderungen, da sie als Körperschaften des öffentlichen Rechts langfristig, verlässlich und politisch koordiniert handeln.

Auf Verbandsebene können überbetriebliche strategische Entwicklungen umgesetzt werden, die für einzelne Betriebe kaum realisierbar wären. Gleichzeitig stärkt die gemeinsame Interessenvertretung die Koordination und Unterstützung wasserwirtschaftlicher Belange auf politischer Ebene.

Zukunft der Bewässerung: Alternative Wasserquellen, Speicher und Stärkung des Landschaftswasserhaushalts

Ein zentraler Ansatz für eine zukunftsfähige Bewässerung liegt in intelligenten, ganzheitlich konzipierten Wassermanagementsystemen und der Nutzung alternativer Wasserquellen, wie Niederschlagswasser, Oberflächenwasser, Uferfiltrat sowie wiederverwendetes Prozess- und Kühlwasser der Industrie oder Klarwasser aus Kläranlagen. Da der Wasseranfall aus diesen Quellen häufig ganzjährig, der Wasserbedarf hingegen saisonal stark schwankt, kommt der Wasserspeicherung eine zentrale Rolle zu.

Auf übergeordneter Ebene werden Maßnahmen zur Erhöhung des Wasserrückhalts in der Landschaft diskutiert, darunter technische Speicherbauwerke sowie die gezielte Steuerung des Landschaftswasserhaushalts und die Schließung kleinräumiger Wasserkreisläufe. Dies umfasst unter anderem den Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Drainagesysteme hin zu gesteuerter Drainage, die Verzahnung von Entwässerung und Bewässerung, Rückhalte- und Einstaumaßnahmen in Gewässern sowie die saisonale Überführung von Winterwasser in den Sommer. Die Zwischenspeicherung von Hochwasserabflüssen und die gezielte Infiltration von aufbereitetem Oberflächenwasser in den Grundwasserkörper, wie sie beispielhaft durch den WHR-Infiltration im Hessischen Ried erfolgt, tragen zusätzlich zur nachhaltigen Sicherung und Stabilisierung der Grundwasserressourcen bei.

Die Umsetzung solcher Maßnahmen gelingt auf Verbandsebene in der Regel effizienter als durch einzelne Betriebe, da auf dieser Ebene die Koordination, politische Interessenvertretung und ganzheitliche Planung besser realisiert werden können. Der Klimawandel verdeutlicht, dass bestehende Bewässerungsverbände ihre Strategien, Strukturen und Bewirtschaftungsansätze fortlaufend anpassen müssen, um Wasserressourcen nachhaltig zu sichern und die Landwirtschaft zukunftsfähig zu gestalten.

Fazit: Kooperation sichert Wasser und Betrieb

Zusammenfassend zeigen Beregnungsverbände, wie kollektive Selbsthilfe und koordiniertes Handeln erfolgreich umgesetzt werden können. Der Beitritt zu einem bestehenden Beregnungsverband ist sinnvoll, da er eine rechtlich abgesicherte Wasserversorgung gewährleistet, Kosten und Aufwand gemeinschaftlich reduziert und so die Stabilität des Betriebs unterstützt.

Neugründungen eines Bewässerungsverbandes können von den Erfahrungen und bewährten Strukturen etablierter Organisationen profitieren. Das Fundament eines Bewässerungsverbandes lässt sich durch fünf zentrale Elemente definieren: Wille, Wasser, Geld, Recht und Organisation.

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