Drohnensaat von Zwischenfrüchten – Chancen, Grenzen und Praxistipps
Heiße und trockene Witterungsphasen stellen die Etablierung von Zwischenfrüchten zunehmend vor Herausforderungen. Gerade bei spät räumenden Kulturen kann das Zeitfenster für eine klassische Aussaat nach der Ernte knapp sein. Eine Möglichkeit, Entwicklungszeit zu gewinnen, ist die Aussaat von Zwischenfrüchten mit der Drohne bereits in den stehenden Bestand.
Der Beitrag zeigt die Chancen und Grenzen der Drohnensaat und unterstützt bei der Abwägung, ob das Verfahren für den jeweiligen Standort infrage kommt.
Drohnensaat: Viele Vorteile
Die Drohnensaat eröffnet vor allem bei engen Zeitfenstern interessante Möglichkeiten. Zwischenfrüchte können bereits in den noch stehenden Hauptbestand 1 bis 10 Tage vor der Ernte ausgebracht werden und damit früher keimen und vorhandene Niederschläge besser nutzen. Gerade bei spät räumenden Kulturen kann dadurch wertvolle Entwicklungszeit gewonnen werden. Gleichzeitig entfällt eine zusätzliche Überfahrt mit Schlepper und Sätechnik – ein Vorteil, wenn die Böden zur Ernte noch nicht ausreichend tragfähig sind. Neben der Vermeidung von Bodenverdichtungen können so auch Arbeitszeit, Diesel und Maschinenkapazitäten eingespart werden. Die Vorteile auf einen Blick:
- Längere Wachstumszeit für die Zwischenfrucht
- weniger witterungsbedingte Einschränkung der Aussaat
- Entzerrung von Arbeitsspitzen
- Bodenschonung durch verringerte Anzahl an Überfahrten
- Verringerte Bodenbearbeitung im Sommer
- Kosteneinsparung im Vergleich zu Standardverfahren
Keine pauschale Lösung: Herausforderungen der Drohnensaat
Die Drohnensaat bietet neue Möglichkeiten, ist aber nicht für jede Situation die passende Lösung. Ob das Verfahren erfolgreich eingesetzt werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab – vom Zustand der Hauptkultur über Saatgut und Ausbringung bis hin zu Boden- und Witterungsbedingungen. Besonders wichtig ist daher, den richtigen Zeitpunkt und passende Voraussetzungen zu treffen. Die Herausforderungen auf einen Blick:
- Bodenschluss im Vergleich zu Standardverfahren: Auf verkrusteten Böden kann die Entwicklung der Saat erschwert sein.
- Das Risiko von Sonnenbrand und Schneckenfraß erhöhen sich bei der Entwicklung im Bestand.
- Bodenherbizide in der Hauptkultur: Sie können die Entwicklung der gestreuten Saat beeinträchtigen.
- Witterungsbedingte Vorschäden der Hauptkultur: Sie können die Lichtverhältnisse für die Entwicklung der Zwischenfrucht verändern.
- Witterungsbedingungen bei der Ernte der Hauptkultur: Bei extremer Dürre stößt die Drohnensaat an ihre Grenzen, bei feuchter Witterung und verzögerter Strohbergung ebenfalls.
Eine Chance für Betriebe
Die Drohnensaat kann auch für Landwirte, die aus Zeitgründen keine Zwischenfrüchte etablieren wollten, eine Chance sein. Nach dem ersten Kontakt mit dem Dienstleister in der Region können die Daten zu den Flächen übermittelt werden, danach sind nur noch einzelne Absprachen notwendig. Die Kosten liegen bei ca. 50 € je Hektar, der genaue Preis sollte am besten im Vorfeld mit dem jeweiligen Dienstleister abgeklärt werden. Eine exemplarische Liste von Dienstleistern oder kooperierenden Maschinenringen wurde nachfolgend zusammengestellt (Stand: Herbst 2026):
| Dienstleister | Ort | Landkreis/Region | Ansprechpartner/ Kontakt |
|---|---|---|---|
| SchwalmCopter | Schwalmstadt | Schwalm-Eder-Kreis | 0172 5643015 |
| Maschinenring Waldeck-Frankenberg | Vöhl-Dorfitter | Waldeck-Frankenberg und darüber hinaus | David Battefeld: 0151 26773737 |
| Maschinenring Schwalm-Eder, über Kooperation mit SchwalmCopter | Wabern-Zennern | Schwalm-Eder-Kreis | |
| Maschinenring Wetterau, über Kooperation mit Maschinenring Waldeck-Frankenberg | Wölfersheim | Wetteraukreis | |
| Schmidt solutions | Sulzbach-Laufen | Baden-Württemberg / potenziell Südhessen | 0172 / 164 49 44 |
Entscheidungsgrundlage
| Feststehende & variable Faktoren, mit Gewichtung | Produktions- bereich | Eignung Drohnensaat (ja) | Drohnensaat verwerfen (nein) |
| Produktionstechnische Voraussetzungen | |||
| Ausschluss der Drohnensaat bei einer nein-Antwort | Stroh | Wenn Stroh auf Fläche: – Auflage möglichst 1-2 cm mächtig – kurze Häckselqualität – gute Strohverteilung | Bei Stroh auf Fläche: – ungleichmäßiges Streubild – dicke Schicht |
| Herbizideinsatz | Herbizid: Keine Rückstände zu erwarten | Herbizid: Rückstände zu erwarten | |
| Saatgut | Flugsaattaugliche Mischung vorhanden. Weitere Infos: llh.hessen.de/drohne-saatgut | Saatgut nicht für Drohnensaat geeignet | |
| Bei einer Nein-Antwort muss abgewogen werden | Schnecken | Es gibt kaum Schneckendruck. | |
| Ackerbauliche Maßnahmen | Es sind keine Bodenschadverdichtungen vorhanden. | Es sind Ackerbauliche Maßnahmen zur Auflockerung des Bodens geplant. | |
| Aussaattermin Folgefrucht | Saatbettbereitung im Frühjahr kann flexibel erfolgen. | staunasse/schwere Böden oder frühe Sommerung mit intensiver Saatbettbereitung. | |
| Ausfallgetreide | Ausfallgetreide wird von ZF unterdrückt/stellt kein Problem in der Fruchtfolge dar. | kein Ausfallgetreide erwünscht. | |
| Situative Voraussetzungen | |||
| Ausschluss der Drohnensaat bei einer nein-Antwort | Keimbedingungen | Boden feucht, Oberfläche krümelig und nicht verschlämmt. | Boden ausgetrocknet und verschlämmt, schützende Strohschicht fehlt. |
| Aussaattermin Zwischenfrucht | Drohnen-Aussaattermin ist relativ kurzfristig planbar und kann der Witterung an-gepasst werden. | Der Aussaattermin ist wenig flexibel wählbar. | |
| Bei einer Nein-Antwort muss abgewogen werden | Trockenheit | Fläche ist kaum von Trockenheit/Hitze betroffen. | langanhaltende Trockenheit ist zu erwarten. |
| Randstrukturen | Es gibt keine/kaum Hindernisse in den Randstrukturen. | Baumkronen / Sträucher ragen in die Fläche hinein und zwingen Drohne zu Ausweichmanövern. | |
| Wurzelunkräuter | Es gibt kaum Wurzelunkräuter. | Die Fläche hat tendenziell ein Wurzelunkrautproblem (z.B. Quecke, Winde, Distel, starke Gesamt- Verunkraut.) | |