Notstromversorgung im Gartenbau – Sicherheit für Gewächshaus, Heizung, Kühlung und Bewässerung
Ein länger andauernder Stromausfall kann in Gartenbaubetrieben erhebliche Schäden verursachen. Besonders betroffen sind Gewächshaussteuerung, Heizungsanlagen, Bewässerungspumpen, Klimacomputer sowie Kühl- und Lagereinrichtungen. Welche Bereiche zwingend über Notstrom abgesichert werden müssen, ist jedoch betriebsindividuell zu bewerten. Grundlage jeder Planung ist daher eine realistische Risiko- und Bedarfsanalyse.
Im ersten Schritt sollte festgelegt werden, welche Prozesse im Ernstfall gleichzeitig weiterlaufen müssen. In vielen Betrieben zählen dazu Wärmeerzeugung und Wärmeverteilung, Gewächshauslüftung, Bewässerung, Steuerungstechnik sowie Kühlräume. Weniger kritische Verbraucher wie Assimilationsbeleuchtung oder andere abschaltbare Lasten können im Notfall ausgeschaltet bleiben. Ein schriftlicher Notfallplan stellt sicher, dass im Ernstfall zunächst alle nicht zwingend erforderlichen Verbraucher vom Netz getrennt werden, bevor das Aggregat zugeschaltet wird.
Richtige Dimensionierung
Die Mindestleistung eines Notstromaggregats ergibt sich aus der Summe der Nennleistungen (kW) aller notstromberechtigten Geräte. Dieser Wert wird durch 0,8 geteilt, um die erforderliche Generatorleistung in kVA (Kilovoltampere) zu ermitteln. Zusätzlich sollte ein Sicherheitszuschlag von etwa 25 % für Anlaufströme berücksichtigt werden. Bei Neuanschaffungen empfiehlt sich eine weitere Leistungsreserve von 10–20 %, um eine Auslegung an der Kapazitätsgrenze zu vermeiden.
Bei Betrieben mit Direktmessung am Laststromkreis (z. B. 3 × 63 A) sind häufig 30–40 kVA ausreichend. Bei Wandler- oder leistungsregistrierender Messung kann über den Netzbetreiber ein Lastprofil bezogen werden, das eine exakte Auslegung ermöglicht.
Zapfwellen- oder stationäres Aggregat?
Zapfwellenaggregate sind vergleichsweise kostengünstig und flexibel einsetzbar, setzen jedoch einen jederzeit verfügbaren und ausreichend dimensionierten Schlepper voraus. Die Motorleistung des Schleppers sollte mindestens das 1,5- bis 2-Fache der Generatorleistung betragen.
Stationäre Diesel- oder Benzinaggregate sind komfortabler und bei einem Stromausfall sofort einsatzbereit, teilweise mit automatischem Start. Sie sind in der Anschaffung teurer, bieten jedoch eine höhere Betriebssicherheit. Für Dauerlast sind Dieselaggregate besser geeignet als Benzingeneratoren.
Installation und Betriebssicherheit
Der Anschluss an das Betriebsnetz darf ausschließlich durch eine Elektrofachkraft und nur mit Genehmigung des Energieversorgungsunternehmens erfolgen. Zwingend erforderlich ist eine Netztrenneinrichtung (Netz-0-Notstrom-Schalter), um eine Rückspeisung ins öffentliche Netz zu verhindern. Auch Erdung, geeigneter Einspeisepunkt und ausreichende Schutzart (mindestens IP 44) sind zu berücksichtigen.
Der Aufstellort stationärer Generatoren muss gut belüftet sein! Abgase dürfen nicht in geschlossene Räume gelangen. Geräuschentwicklung, Witterungsschutz und Zugänglichkeit sind ebenfalls einzuplanen.
Die Notstromversorgung sollte den Betrieb mindestens 72 Stunden aufrechterhalten können. Dafür sind ausreichende Kraftstoffvorräte notwendig. Empfohlen wird FAME-freier Diesel nach DIN EN 590, da dieser für längere Lagerung besser geeignet ist. Eine regelmäßige Kraftstoffprüfung sowie Wartung des Aggregats erhöhen die Betriebssicherheit.
Ergänzend: USV-Anlagen
Kurzzeitige Stromausfälle sind für viele technische Einrichtungen unproblematisch, nicht jedoch für Computer, Klimacomputer oder elektronische Steuerungen. Hier kann eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) sinnvoll sein. Sie überbrückt die Zeit bis zum Start des Aggregats und schützt vor Spannungsschwankungen, ist jedoch nicht für einen dauerhaften Weiterbetrieb ausgelegt.
Regelmäßige Kontrolle
Da Notstromaggregate selten im Einsatz sind, ist ihre Funktionsfähigkeit regelmäßig zu prüfen. Stationäre Anlagen sollten monatlich getestet werden, Zapfwellenaggregate mindestens ein- bis mehrmals jährlich. Mindestens einmal jährlich empfiehlt sich ein Probelauf unter Last sowie die Überprüfung der Umschalteinrichtung. Ein Wartungsvertrag mit einer Fachfirma kann zusätzliche Sicherheit bieten.

