Erfahrungen aus der Praxis: Erfolgreiche außerfamiliäre Hofübernahme

Der hessische Arbeitskreis Weide und die Klimaschutzberatung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen luden zu einem Tagesseminar ein, in dem unter anderem die außerfamiliäre Hofübernahme im Fokus stand.

Familie Rainstadler aus dem Passeiertal in Italien, die nach Deutschland übersiedelte, stellte anhand ihres neuen Betriebes in Hosenfeld vor, wie eine Übernahme außerhalb der Familie erfolgreich gelingen kann.

Vom Südtiroler Bergbetrieb nach Hessen – Beweggründe und erste Schritte

3 Kühe in Südtirol
Von einem anderen Land nach Deutschland umzusiedeln verlangt viel Vorbereitung.

Die Betriebsleiterin Sabrina Pixner-Rainstadler erläuterte die Beweggründe des Betriebsverkaufs in Südtirol. Der Hof lag auf 1.680 m Höhe, und die gesamte Grünlandbewirtschaftung erforderte Handarbeit mit Motorsense und Balkenmäher auf Stachelwalzen. Steinschläge und Murenabgänge beeinflussten die alltägliche Arbeit. Auch der Schulweg der Kinder war von diesen Naturgewalten betroffen. Die Familie entschloss sich, den Betrieb mit 20 Kühen und 16 ha Grünland zu verkaufen. Durch eine Anzeige wurden sie auf den Annahof in Hessen aufmerksam. Im Oktober 2021 gab es den ersten Kontakt mit der Eigentümerfamilie des Hofes, und bereits im Juli 2022 konnten sie diesen übernehmen. Die kurze Zeitspanne erforderte jedoch viel Vorarbeit, Konzentration und enge Kommunikation zwischen den Vertragspartnern. Ergänzend nahm die junge Familie Beratung durch Institutionen wie den LLH und den Kreisbauernverband in Anspruch. Mit 15 Fleckviehkühen zog die Familie 640 km nördlich ihres Hofes nach Hosenfeld-Jossa und übernahm die biologisch geführte HF-Kreuzungsherde der Vorbesitzer. Bis zum heutigen Tag wurde ein Großteil der Herde auf Fleckvieh und die Fütterung auf Voll-TMR umgestellt. Zudem wurden das Stalldach erneuert, eine Abkalbebucht eingerichtet sowie das Kälbertränkesystem verändert. Außerdem erfolgten Investitionen in die Nutzung der SmaXtec-Technologie, und das Einstreumaterial für die Tiefliegeboxen wurde auf Strohhäcksel umgestellt. Auch die Abtrennungen der Liegeboxen wurden verändert.

Blick in einen Stall mit fressenden Rindern
Nach der Hofübernahme wurde als Erstes das Stalldach erneuert.

Familie Rainstadler hat weitere Ziele vor Augen, wie die Aufwertung des Grünlands mittels Grunddüngung und Nachsaaten, den Bau eines Kälberauslaufes sowie den Austausch mit Berufskollegen auszubauen.

Wertschätzende Kommunikation und klare Absprachen

Den Teilnehmenden gab die Betriebsleiterin wichtige Hinweise zum Kauf eines landwirtschaftlichen Betriebes. So bedarf es einer Übereinstimmung aller der Familie zugehörigen Personen. Das betrifft auch die vier Kinder der Familie, die nun in einem anderen Land mit neuem Umfeld, neuer Schule und Landschaft Fuß fassen müssen. Oder die Altenteiler, welche ggf. noch Wohnrecht in der zu verkaufenden Betriebsstätte haben. Für den Austausch mit dem Vertragspartner steht eine offene und wertschätzende Kommunikation an erster Stelle. Da beide Parteien sich nicht kennen, ist das Ansprechen auch kleiner Themen unerlässlich. „Zum Beispiel die Nutzung einer Garage durch andere Personen. Oder dass in dem Kauf die Übernahme von fünf Wasserfässern enthalten ist. Oder was bis wann noch zu räumen ist“, so Frau Pixner. Diese Dinge sollten alle schriftlich festgehalten werden. Das Übergabeprotokoll unterzeichnen dann beide Parteien. „Wichtig ist es, den Austausch mit der Verkäuferfamilie nicht zu verlieren. So kommt es vor, dass wir fragen, wo die Wasserzuleitung zum Melkstand entlang verläuft“, merkt Frau Pixner abschließend an.

Perspektive der Verkäuferfamilie und professionelle Begleitung

Von Seiten der Verkäuferfamilie wurde auch hier innerfamiliär einstimmig entschieden, den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb inkl. Wohnhaus, Eigentums- und Pachtflächen zu verkaufen. Eine solche Entscheidung ist ein Prozess, gab die am Vortragstag anwesende Ehefrau des Hofverkäufers zu bedenken. „Besonders, wenn man hier aufgewachsen ist und den Betrieb das ganze Leben bewirtschaftet hat.“ Vor dem Verkauf wurde der Betrieb inklusive landwirtschaftlicher Flächen, Wohnhaus, Stallungen und Viehbestand gutachterlich geschätzt. Ein auf den Agrarbereich spezialisierter Immobilienmakler organisierte die Käufersuche. Für die abgebende Familie war auch klar, dass es nach dem Verkauf eine räumliche Trennung des Wohnens zum Hof gibt. Heute pflegen die Käufer- und Verkäuferfamilie einen nach wie vor wertschätzenden Austausch.

Chancen, Fallstricke und rechtliche Aspekte – Hinweise aus der Beratung

Herbert Schlosser, betriebswirtschaftlicher Berater vom LLH Petersberg, sprach in seinem Vortrag über die Chancen und Fallstricke einer außerbetrieblichen Hofübergabe bzw. -nahme. So steht am Anfang die reifliche Überlegung über kurz-, mittel- und langfristige Unternehmensziele des Käufers: „Ordnet sich der Betriebskauf/-pacht in die langfristige Lebensplanung ein?“ Alle in der Familie Beteiligten sollten die Vision der Übersiedlung kennen und mittragen. Neben der zukünftigen Rechtsform spielt auch die Übernahmeform eine entscheidende Rolle. Wenn nicht ganz bewusst eine zeitlich befristete Übertragung gewählt wird, so rät Schlosser aus seinen Erfahrungen von einer Übernahme auf Pachtbasis ab. „Zu groß ist die Unsicherheit, dass der Verkäufer nach ein paar Jahren den Betrieb zurückbekommt.“

Weitere Aspekte, die vor einer Hofübergabe zu berücksichtigen sind, sind beispielsweise die Grundbucheinträge aller veräußerten Grundstücke. „Ein lebenslanges Wohnrecht für den Altenteiler dürfte ein KO-Kriterium sein, selbst wenn diese mit dem Verkauf einverstanden sind.“ Auch die Übergabe der Eigentums- und Pachtflächen muss berücksichtigt werden. „Es muss vorher mit den Verpächtern zugepachteter Flächen abgestimmt werden, wenn der gesamte Betrieb an einen neuen Bewirtschafter vergeben wird.“ Weitere zu klärende Punkte sind, ob Versicherungserträge und Verbindlichkeiten übernommen werden. Bestehen langfristige Bewirtschaftungsauflagen wie HALM-Verträge, müssen diese ggf. weitergeführt werden. „Es handelt sich hierbei grundsätzlich um unternehmerische Entscheidungen. Sie müssen den völlig unterschiedlichen einzelbetrieblichen Situationen gerecht werden und erfordern wegen der vielfältigen Auswirkungen eine gründliche Vorbereitung! Es handelt sich um einen Prozess, der Monate, wenn nicht Jahre benötigt!“, gibt Schlosser zu bedenken. Die Ausgangssituationen sind von Betrieb zu Betrieb völlig unterschiedlich, insofern kann es keine Lösung von der Stange geben.

Aus seinen Erfahrungen umfasst der Prozess zwei Phasen:

Vorbereitende Phase der Übernahme:
• Finden potenziell geeigneter Objekte bzw. Partner
• Kritische Prüfung des Exposés (wer sind eigentlich die Vertragspartner? grundbuchliche Belastungen?)
• Kontaktaufnahme – Kennenlernen
• Gegenseitige materielle und nicht materielle Vorstellungen

Konkrete Phase der Umsetzung:
• Einsicht in die letzten Jahresabschlüsse
• Steuerliche und rechtliche Prüfung, Zeitplan der Übergabe
• Finanzielle Prüfung unter Einbeziehung der Hausbank (Kaufpreis, Zahlungsmodalitäten)
• Hilfe beim Start, Unterstützung und Klärung bei Eintritt in bestehende Pachtverhältnisse, Einarbeitung – Probe arbeiten?
• Rückübertragungsklauseln
• Beurkundungstermin
• Besitzübergabe

Dabei sollten die Ziele der Vertragsparteien zu Beginn visualisiert und festgehalten werden, um sie nicht im Verhandlungsprozess aus den Augen zu verlieren. Für den gesamten Prozess gilt, sich der Bedeutung einer wertschätzenden Kommunikation bewusst zu sein.

Als weiteren wichtigen Punkt gab Betriebswirtschaftsberater Schlosser noch wertvolle Tipps über das Wesen des Verhandelns: „Es ist nichts verhandelt, bevor nicht alles verhandelt ist! Gehen Sie mit einer Verhandlungsstrategie in die Gespräche. Dabei müssen rote Linien festgelegt sein und dürfen nicht überschritten werden.“ Oft sei der Betriebskauf nur ein Teilschritt, der sich in eine mittel- bis langfristige strategische Entwicklung einbetten muss.

Zum Abschluss empfahl Herbert Schlosser, ergänzend eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Besonders wichtig sei hierbei die rechtliche Begleitung: Ein Notar handelt neutral im Auftrag des Gerichts. Darüber hinaus sei es sinnvoll, auch steuerliche sowie betriebswirtschaftliche Beratung hinzuzuziehen. Letztere unterstützt unter anderem bei Ermittlung des Ertragswerts, der Finanzierungsgestaltung unter Berücksichtigung der Kapitaldienstgrenzen und zeigt Maßnahmen zum Risikomanagement – etwa durch Absicherungen gegen Tod, Krankheit oder Unfall.

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