Liquidität geht vor Rentabilität

Dieser Satz, der in guten Jahren leicht in Vergessenheit geraten kann, gilt dennoch immer weiter. Die Fähigkeit, jederzeit offene Rechnungen, Löhne und Tilgungen begleichen zu können, ist für das Fortbestehen eines landwirtschaftlichen Unternehmens unerlässlich. In der Praxis wird jedoch selten strukturiert an einer Liquiditätsplanung gearbeitet. Viele Beratungsorganisationen bieten Vorlagen zum Ausfüllen an, doch die Abrufzahlen dieser Seiten sind oft gering.

Eine Liquiditätsplanung kann entweder sehr einfach und schnell erfolgen oder auch viele Details berücksichtigen. Der folgende Artikel möchte eine Anleitung bieten und zum Nachmachen ermuntern. Der Einstieg ist das Wichtigste!

Die Grundlage einer Liquiditätsplanung bildet immer die Buchführung. Die Gewinn- und Verlustrechnung arbeitet auf der Ebene der Erträge und Aufwendungen. Um zu den liquiditätswirksamen Ein- und Auszahlungen zu gelangen, sind nur wenige Korrekturen notwendig: Erträge, bei denen sich das Bankkonto nicht erhöht, wie Veränderungen von Beständen oder Auflösungen von Sonderposten, werden nicht berücksichtigt. Gleiches gilt für Aufwendungen, die das Bankkonto nicht belasten, wie Abschreibungen oder Veränderungen von Beständen. Hinzugerechnet werden Tilgungen. Viele Steuerbüros oder Buchhaltungsprogramme stellen die zahlungsrelevanten Daten, unterteilt in Monate oder Quartale, bereits auf Anfrage zur Verfügung.

Diese Werte lassen sich gut in eine (heruntergeladene) Excel-Tabelle übertragen. Für einen groben Überblick reicht eine Betrachtung auf Quartalsbasis, genauer wird es mit einer monatlichen Betrachtung. Um die Datenübertragung zu vereinfachen, können auch Sammelpositionen gebildet werden. Die Werte des Vorjahres können nun Zeile für Zeile durchgegangen werden: Sondereffekte wie verspätete Prämienzahlungen, der Verkauf von Maschinen oder Tieren, Investitionen, Nachzahlungen usw. werden korrigiert. Bei den wichtigsten Verkäufen und Betriebsmitteln werden Mengen und Preise auf die aktuelle Situation angepasst: Eine Prognose für den Milchpreis der nächsten zwölf Monate, die Kontrakte für den Verkaufsweizen, Dieselpreise usw.

Szenarioanalyse und Risikomanagement

Ein wichtiger Bestandteil der Liquiditätsplanung ist die Berücksichtigung von Szenarien und potenziellen Risikofaktoren. Was passiert, wenn der Milchpreis unerwartet sinkt oder wichtige Einnahmen verzögert eingehen? Eine Szenarioanalyse kann helfen, verschiedene Risiken und deren Einfluss auf die Liquidität des Unternehmens zu kalkulieren und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Beispielsweise sollte ein Unternehmen nicht nur die „beste“ Annahme eines konstanten Milchpreises verwenden, sondern auch Worst-Case-Szenarien (z. B. drastische Preissenkungen) einplanen.Schwer einzuschätzen sind derzeit leider Prämienzahlungen. In den letzten Jahren kam es zu sehr unterschiedlichen Auszahlungsterminen. Im Zweifel gilt für nicht planbare Zahlungstermine: Einzahlungen später und Auszahlungen früher einplanen. Damit wird die Liquidität sichergestellt.

Steuerliche Vorauszahlungen und Nachzahlungen

Eine besondere Herausforderung stellen Zahlungstermine für Steuern dar. Es empfiehlt sich eine enge Abstimmung mit der Steuerberatung. Während Grundsteuern bereits im Bescheid festgelegt sind, können Umsatzsteuer und Einkommensteuer größere Auswirkungen auf die Liquidität haben. Viele hessische Betriebe haben derzeit noch die Wahlfreiheit zwischen pauschalen Steuersätzen und der Option zur Regelbesteuerung. Aufgrund des mehrfach abgesenkten Pauschalsteuersatzes und der stark gestiegenen Kosten für Dünger, Energie, Technik und Unterhaltung, alle mit einem Steuersatz von 19 %, gilt es gemeinsam mit dem Steuerbüro regelmäßig zu überprüfen, ob ein Wechsel zur Regelbesteuerung sinnvoll ist. Während regelbesteuerte Unternehmen im regelmäßigen Turnus Umsatzsteuer zahlen bzw. erstattet bekommen, ist die Streuung bei der Einkommensteuer größer. Die regelmäßigen Vorauszahlungen sollten auf jeden Fall bei den Auszahlungen berücksichtigt werden. Falls abzusehen ist, dass die guten Gewinne der Vorjahre vorerst nicht erreicht werden, sollte in Abstimmung mit Steuerberatung und Finanzamt eine Senkung der Vorauszahlungen beantragt werden. Der Termin eventueller Nachzahlungen lässt sich allerdings nur grob aus den Fristen für die Erstellung des Jahresabschlusses und der Abgabe der Steuererklärung abschätzen. Da teilweise auch die Höhe schwer zu bestimmen ist, folgen zwei Vorschläge:

  1. Überschlägig wird der monatliche Zahlungsüberschuss als Gewinn des Monats betrachtet. Davon werden 30 % für die Einkommensteuer zurückbehalten, indem entweder die Vorauszahlungen bestritten oder ein Tagesgeldkonto gefüllt wird.
  2. Alternativ kann der Vorjahresgewinn nach dem Jahresabschluss, mit einem passenden Steuersatz versehen und um Vorauszahlungen gemindert, auf ein Tagesgeldkonto angespart werden.

Tagesgeldkonten sind nicht nur ein gutes Werkzeug, um zukünftige Steuerzahlungen abzufedern. Aufgrund der derzeit guten Zinsen können sie auch für saisonale Liquiditätsüberschüsse, zum Beispiel nach der Prämienzahlung, genutzt werden. Generell empfiehlt sich ein Liquiditätspuffer in Höhe von bis zu 50 % des Jahresumsatzes. Die Höhe ist betriebsindividuell zu beurteilen: Solide Betriebe mit einer starken Eigenkapitalfinanzierung und guten Leistungen können weniger Liquidität vorhalten als Betriebe, die auf schwankenden Märkten handeln und mit viel Pachtland sowie Fremdkapital wirtschaften. Ein großer Puffer verhindert Sorgen und Engpässe, wenn Märkte plötzlich durch eine Tierseuche oder einen Handelskrieg abstürzen oder größere Reparaturen anstehen. Er dient damit auch der psychischen Gesundheit der Betriebsleiterfamilie.

Von der dauerhaften Nutzung einer Kreditlinie auf dem laufenden Konto ist grundsätzlich abzuraten. Die geforderten Kontokorrentzinsen und der Einfluss auf das Ranking der Bank belasten die Betriebsführung in einem Maße, das sich auf Dauer nicht vertreten lässt. Wenn Ihr Konto auch in guten Jahren überwiegend im Minus läuft, bieten sich eine Beratung zur Umschuldung sowie Gespräche mit Ihrer Bank an.

Investitionen und Liquidität

Den größten Einfluss auf die Liquidität haben Investitionen. Gerade in guten Zeiten lassen sich vom Konto viele betriebsnotwendige Maschinen und Geräte oder kleinerer Bodenkäufe finanzieren. Es ist erfreulich, wenn Betriebe gut wirtschaften und so handeln können. Ohne gute Liquiditätsplanung können jedoch auch „kleine“ Investitionen schnell zur Falle werden, wenn Steuernachzahlungen oder sinkende Verkaufspreise nicht berücksichtigt werden. Die klare Empfehlung lautet daher, zuerst eine realistische Liquiditätsplanung zu erstellen und anschließend Investitionen einzuplanen.

Damit rückt der Zeitpunkt für eine Liquiditätsplanung in den Fokus. Ziel sollte es sein, immer einige Monate in die Zukunft zu planen. Wenn der letzte Jahresabschluss oder die Geldrückmeldung erst gegen Ende des Kalenderjahres vorliegt, sollte die Planung für das gesamte Folgejahr erfolgen. Wer selbst bucht oder Geldrückmeldungen früher erhält, kann auch das laufende Wirtschaftsjahr planen. Eine ständige Korrektur aufgrund laufender Ereignisse erhöht die Genauigkeit, ist jedoch arbeitsintensiv. Bei sehr schwerwiegenden Änderungen oder großen Entscheidungen, die anstehen, sollte der Liquiditätsplan jedoch überarbeitet werden.

Eine Liquiditätsplanung dient nicht dazu, dem Betrieb Fesseln anzulegen und Chancen verstreichen zu lassen. Sie ist eine Versicherung, um im stressigen Alltag nicht plötzlich mit einem leeren Konto und einer ausgeschöpften Kreditlinie dazustehen. Sie bietet Entscheidungshilfen in herausfordernden Zeiten. Wenn es gut läuft, hilft sie, ausreichend Rücklagen aufzubauen, und wenn es schlecht läuft, lässt sie Löcher frühzeitig sichtbar werden. Genau wie Futtermengen, Tierzahlen sowie Saatgut- und Düngermengen geplant werden, sollte die Liquiditätsplanung eines Betriebes sicherstellen, dass dieser immer zahlungsfähig bleibt und die richtigen Entscheidungen trifft.

Steuern optimieren und Liquidität erhalten

Es gehört zur landwirtschaftlichen Realität, dass es gute Jahre und schlechte Jahre gibt. Die derzeitige angespannte Lage mit hohen Kosten und niedrigen Preisen zehrt an der Liquidität der Betriebe. Es gilt, jede Ausgabe auf den Prüfstand zu stellen. Dazu gehören auch Einkommensteuer und Umsatzsteuer. Mit einer guten Gestaltung lassen sich hier Liquiditätsreserven heben.

Bei der Einkommensteuer wird die Höhe der Zahlungen mit Blick auf die Vergangenheit bestimmt. Wenn absehbar ist, dass die guten Gewinne der Vorjahre vorerst nicht wieder erreicht werden, sollte in Abstimmung mit Steuerberatung und Finanzamt eine Senkung der Vorauszahlungen beantragt werden.

Bei der Umsatzsteuer haben viele hessische Betriebe noch die Wahlfreiheit zwischen pauschalen Steuersätzen und der Option zur Regelbesteuerung. Aufgrund des mehrfach abgesenkten Pauschalsteuersatzes und der stark gestiegenen Kosten für Dünger, Energie, Technik und Unterhaltung, alle mit einem Steuersatz von 19 %, gilt es regelmäßig zu prüfen, ob ein Wechsel zur Regelbesteuerung sinnvoll ist. Ihr Steuerbüro kann eine detaillierte Berechnung erstellen. Der zeitliche Mehraufwand bei den Buchungen hält sich für die meisten Betriebe in Grenzen und eine zeitnahe Buchung der Belege hilft außerdem dabei, die Liquidität durch Geldrückberichte oder BWA im Blick zu behalten.

Die Gestaltung von Steuerzahlungen ist keine Optimierung auf den letzten Cent, dafür schwanken die Ergebnisse naturbedingt zu stark. Ohne eine regelmäßige Beschäftigung mit dem Thema wird allerdings Liquidität verschenkt. Und die brauchen die Betriebe, um bis zum nächsten guten Jahr durchzuhalten.

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