Maissilage 2025 in Hessen: Deutliche Qualitätsunterschiede bei Energie und Rohprotein
Silomais bildet zusammen mit der Grassilage das Fundament in der Rinderfütterung. Eine gute Silomais-Qualität ist entscheidend für eine leistungs- und wiederkäuergerechte Fütterung. Allerdings können die Qualitäten deutlich schwanken – abhängig von lokalen Wetterverhältnissen, Sortenwahl, Erntezeitpunkt und betrieblicher Praxis. Aus diesem Grund ist die Laboranalyse der eigenen Silagen wesentlich für eine verlässliche Rationsberechnung. Das Arbeiten mit Tabellenwerten ist in keiner Weise zielführend, da die tatsächlichen Inhaltsstoffe und Qualitäten erheblich vom Durchschnitt abweichen können.
Die aktuellen Auswertungen der Maissilagen in Hessen für 2025 zeigen, wo die Silagen überzeugen und wo für die nächste Saison noch Potenzial liegt. Die folgende Auswertung bietet einen regionalen Vergleich und hilft, die eigenen Ergebnisse fachlich einzuordnen.
Witterungsverlauf im Anbaujahr 2025
Das Anbaujahr 2025 war geprägt von einer Trockenperiode im Frühjahr, die zu einer ausgeprägten Bodentrockenheit führte. Die Niederschläge im Juli und August reichten nicht aus, um die Bodenfeuchte zu normalisieren. Dennoch profitierte der Mais im Längenwachstum und während der Blüte von den Niederschlägen. Zwischen den einzelnen Beständen zeigten sich dabei deutliche Unterschiede in der Wuchshöhe.
Zur Abreife hin stellte sich das Wetter teilweise unbeständig dar. Dies führte stellenweise zu niedrigeren Trockenmassegehalten in der Restpflanze. Gleichzeitig wurde der mögliche Erntezeitraum durch die eingeschränkte Befahrbarkeit der Flächen begrenzt, was den Erntezeitpunkt maßgeblich beeinflusste.
Maissilageauswertung Hessen 2025
In Tabelle 1 sind die Ergebnisse der hessischen Maissilagen zusammengefasst. Insgesamt wurden 157 Proben am Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) analysiert, wobei der Großteil der Proben aus Nordhessen stammt. Die in der Tabelle dargestellten oberen und unteren 25 % sowie die unteren 10 % beziehen sich jeweils auf den Energiegehalt der Silagen. Die Zielwerte zeigen, welche Werte die Kennzahlen erreichen müssen, damit die Silage als hochwertig gilt.
Tabelle 1: Maissilageauswertung Hessen 2025
| Parameter | Einheit | Zielwerte | Mittelwert | obere 25% | untere 25% | untere 10% |
| Trockenmasse | kein pauschaler Zielwert | 34,4 | 36,2 | 32,0 | 31,0 | |
| Rohprotein | % TM | 7-9% | 7,1 | 7,4 | 7,0 | 6,7 |
| Rohfaser | % TM | < 20 | 17,3 | 15,2 | 19,7 | 20,7 |
| Rohfett | % TM | 3,4 | 3,5 | 3,3 | 3,4 | |
| Org. ADF | % TM | 21-25 | 23,5 | 21,0 | 26,3 | 27,5 |
| Org. NDF | % TM | 35-40 | 42,8 | 39,6 | 46,6 | 48,3 |
| Zucker | % TM | < 1 | 1,0 | 0,6 | 1,5 | 2,4 |
| Stärke | % TM | > 30 | 33,7 | 38,2 | 28,3 | 25,8 |
| ELOS | % TM | > 70 | 72,3 | 75,0 | 69,2 | 67,4 |
| Calcium | % TM | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,3 | |
| Phosphor | % TM | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | |
| NEL | MJ/kg TM | > 6,6 | 6,8 | 7,0 | 6,6 | 6,4 |
| NXP | g/kg TM | > 132 | 132 | 136 | 129 | 126 |
| RNB | g/kg TM | -10,1 | -10,2 | -9,8 | -9,8 | |
| DCAB | meq/kg TM | 149 | 135 | 173 | 181 | |
| pH | 3,8 | 3,9 | 3,8 | 3,8 | ||
| Obere 25 %: bezogen auf die energetisch besten Silagen Untere 25 % und 10 %: bezogen auf die energetisch schwächsten Silagen Rosa markierte Werte: außerhalb des Zielbereichs Gelb markierte Werte: Grenzbereich Grün markierte Werte: gute Qualitäten | ||||||
Trockenmassegehalt (TM)
Der Trockenmassegehalt ist eine zentrale Kennzahl für die Qualität von Silomais und für die Bestimmung des optimalen Erntezeitpunkts. Der Trockenmassegehalt des Kolbens gibt Auskunft über den Fortschritt der Stärkeeinlagerung. Ab einem Kolben-Trockenmassegehalt von über 55 % ist die Stärkeeinlagerung nahezu abgeschlossen. Der Trockenmassegehalt der Restpflanze liegt in diesem Stadium üblicherweise bei 23–28 %.
In Kombination mit dem Trockenkolbenanteil an der Gesamtpflanze lässt sich so der ideale Erntezeitpunkt bestimmen. Einschätzungen zum Abreifestand der Bestände werden für verschiedene Regionen durch die Tierproduktionsberater des LLH im Rahmen von Reifeanalysen gewonnen und in den Grünland- und Futterbauinfos veröffentlicht. Diese bieten Orientierung für den betrieblich sinnvollen Erntezeitpunkt.
Der durchschnittliche Trockenmassegehalt der hessischen Maissilagen liegt bei 34,4 %. Die energetisch schwächeren Silagen (untere 25 % und 10 %) weisen im Mittel 32 % bzw. 31 % TM auf. Abgereifte Bestände liegen üblicherweise im Bereich von 30–35 % TM. Niedrigere Trockenmassegehalte deuten auf eine zu frühe Ernte hin, können jedoch auch durch unbeständige Witterung beeinflusst sein, da Niederschläge den Trockenmassegehalt der Restpflanze senken.
Die Trockenmasse der Kolben wird hingegen weniger durch Niederschläge, sondern vor allem durch die bis zur Ernte erreichte Wärmesumme bestimmt. Insgesamt wird der Trockenmassegehalt der Maissilage maßgeblich durch den Erntezeitpunkt beeinflusst. Weitere Einflussfaktoren sind Sortenwahl, Standort und Schnitthöhe.
Für eine gute Maissilagequalität ist es daher essenziell, die Abreife der einzelnen Schläge regelmäßig zu kontrollieren und den Erntetermin entsprechend anzupassen. Gegebenenfalls sollten trockenere Partien im unteren Drittel des Silostocks einsiliert werden, um eine ausreichende Verdichtung sicherzustellen.
Ein zu früher Erntezeitpunkt mit Trockenmassegehalten unter 28 % – in Hessen wurden vereinzelt Werte von beispielsweise 23,4 % TM festgestellt – führt zu geringeren Energiegehalten, da die Stärkeeinlagerung im Kolben noch nicht abgeschlossen ist. Zusätzlich steigt das Risiko von Sickersaftverlusten mit entsprechenden Nährstoffverlusten sowie das Risiko von Fehlgärungen, Stärkeverlusten und einer verminderten Futteraufnahme.
Auf der anderen Seite sind Silagen mit sehr hohen Trockenmassegehalten von über 36 % besonders anfällig für eine unzureichende Verdichtung im Silostock. Dies begünstigt Fehlgärungen, Qualitätsverluste und Nacherwärmungen. Zudem nimmt die Verdaulichkeit ab. Ziel sollte es daher sein, die Bestände ausreichend abreifen zu lassen und die Stärkeeinlagerung im Kolben vollständig abzuwarten.
Energiegehalt
Der Energiegehalt zählt zu den wichtigsten Qualitätskriterien der Maissilage. Angestrebt werden Werte von über 6,6 MJ NEL/kg TM. Die diesjährigen Maissilagen erreichen im Mittel 6,8 MJ NEL/kg TM und liegen damit auf dem Niveau des Vorjahres (6,7 MJ NEL/kg TM).
Silagen mit niedrigeren Trockenmassegehalten weisen in dieser Auswertung auch geringere Energiegehalte auf. Die unteren 10 % erreichen im Durchschnitt lediglich 6,4 MJ NEL/kg TM und liegen damit unterhalb des Zielwertes.
Ursächlich hierfür sind zum einen nicht vollständig ausgereifte Bestände, zum anderen das Verhältnis von Kolben zu Restpflanze. Je höher der Kolbenanteil, desto höher sind Energiegehalt und Stärkedichte der Silage. Silagen mit hohem Kolbenanteil weisen niedrigere NDF-Gehalte und höhere Rohfettgehalte auf, was sich positiv auf den Energiegehalt auswirkt.
Auch die Schnitthöhe beim Häckseln spielt hierbei eine wichtige Rolle. Eine Erhöhung der Schnitthöhe von 20 auf 40 cm kann den Energiegehalt der Maissilage um bis zu 0,2 MJ NEL/kg TM steigern. Dies ist allerdings nur bei ausreichender Grundfutterverfügbarkeit empfehlenswert, da die Gesamterntemenge sinkt. Zudem ist eine sorgfältige Stoppelbearbeitung erforderlich, um den Fusariendruck im Folgeweizen zu reduzieren und der Maiszünslerproblematik entgegenzuwirken.
Rohproteingehalt
Der Rohproteingehalt liegt im Mittel bei 7,1 % TM, das nutzbare Rohprotein bei 132 g nXP/kg TM. Zwischen den Silagen des oberen Viertels und des unteren Zehntels beträgt die Differenz im Rohproteingehalt 0,7 % TM (70 g/kg TM), beim nutzbaren Rohprotein 10 g/kg TM.
Die niedrigeren Rohproteingehalte treten überwiegend bei den energetisch schwächeren Silagen auf. Dies verdeutlicht den Einfluss der Stickstoffversorgung der Pflanze sowohl auf den Rohprotein- als auch auf den Energiegehalt. Die deutliche Streuung der Werte, insbesondere im unteren Bereich, zeigt ungenutztes Potenzial auf – vor allem vor dem Hintergrund steigender Kosten für den Zukauf von Protein.
Stärke- und Zuckergehalte
Der durchschnittliche Stärkegehalt liegt bei 33,7 % TM (337 g/kg TM) und erfüllt damit den Zielwert von mindestens 30 % TM. Bei den energetisch schwächeren Silagen der unteren 25 % und 10 % liegen die Stärkegehalte mit 28,3 % bzw. 25,8 % TM erwartungsgemäß deutlich unterhalb des Zielwertes.
Die Zuckergehalte liegen im Mittel bei 1,0 % TM. Die energetisch schwächeren Silagen weisen mit 1,5 bis 2,4 % TM höhere Zuckergehalte auf. Dies deutet auf einen zu frühen Erntezeitpunkt hin, da bei noch nicht abgeschlossener Stärkeeinlagerung höhere Zuckergehalte und entsprechend niedrigere Stärkegehalte vorliegen.
Fasergehalt
Der Rohfasergehalt wird durch klimatische Bedingungen (Wärmesumme), Sortenwahl, Erntezeitpunkt und Schnitthöhe beeinflusst. Mit Werten zwischen 15,2 und 20,7 % TM liegt der Rohfasergehalt überwiegend im Zielbereich unter 20 %.
Der durchschnittliche NDFom-Gehalt liegt mit 42,8 % TM über dem Zielwert von 40 % TM. Die ADFom-Gehalte liegen im Durchschnitt mit 23,5 % TM innerhalb des Zielbereichs von 21–25 % TM. Bei den energetisch schwächeren Silagen überschreiten sowohl NDFom- als auch ADFom-Gehalte die Zielbereiche. Dies deutet auf ein ungünstigeres Verhältnis von Kolben zu Restpflanze hin. Weniger ausgereifte Bestände enthalten einen höheren Anteil an Restpflanzenmasse, wodurch die Fasergehalte ansteigen.
Fazit
Die Auswertung zeigt deutliche Qualitätsunterschiede zwischen den Maissilagen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, betriebseigene Silagen regelmäßig analysieren zu lassen, um bedarfsgerechte Rationen für Wiederkäuer zu erstellen. Die Analysen ermöglichen eine bessere Einordnung der eigenen Ergebnisse und helfen, Schwachstellen gezielt zu identifizieren und in der kommenden Anbausaison zu verbessern.
Bei Fragen zur Rationsplanung steht Ihnen das LLH-Beratungsteam Tierhaltung sowie der HVL zur Verfügung.
Wichtige Einflussfaktoren bei der Silierung
Die Silagequalität wird nicht allein durch Erntezeitpunkt, Sortenwahl und Witterung bestimmt. Auch das Management bei der Futtergewinnung spielt eine entscheidende Rolle:
- Häcksellänge: 4–8 mm, gleichmäßige Struktur des Häckselguts
→ Je trockener der Mais, desto kürzer häckseln. - Kornzerkleinerung: Möglichst hoher Anteil angeschlagener Körner, mindestens gedrittelt.
Maximal zwei halbierte Körner pro Liter Häckselgut. - Verdichtung:
Mindestgewicht auf dem Silo = Bergeleistung je Stunde (t) ÷ 4
Fahrgeschwindigkeit: 4–6 km/h, mehrfaches Überfahren des Silierguts
Mindestdichte: 230–280 kg TM/m³ (abhängig vom TM-Gehalt)
→ Bei trockenem Mais ist ein höheres Mindestgewicht sinnvoll. - Nacherwärmung:
Der Einsatz von Siliermitteln mit heterofermentativen Milchsäurebakterien (Essigsäurebildner) kann das Hefewachstum reduzieren. - Abdeckung:
Schnelle und fachgerechte Abdeckung der Silage ist zwingend erforderlich.
Für eine hohe Silagequalität ist es entscheidend, diese Einflussfaktoren während der Ernte konsequent zu kontrollieren und die Einstellungen von Häcksler, Verdichtung und Erntezeitpunkt entsprechend anzupassen.









