Komfort beim Abkalben nicht vergessen
Bei der Gestaltung von Haltungsbereichen wird die Abkalbebox häufig zu wenig berücksichtigt. Kühe brauchen – wie in der Natur – um die Geburt herum Rückzugsmöglichkeiten, gleichzeitig aber auch (Sicht-)Kontakt zu ihren Gefährtinnen, letzteres besonders Färsen. Versuche zeigen, dass diesem Anspruch mit geschlossenen Wänden bei Einzelboxen selbst oder damit abgetrennten Boxen innerhalb eines Großraumabteils gut nachgekommen wird. Über die Wandhöhe und die Größe des Eingangs lässt sich der „Sozialstress“ minimieren. Platziert sind beide idealerweise neben dem Melkstand, mit guten Licht- und Luftverhältnissen (kein Zug).
Die Einzelbox (mindestens eine pro 25 Kühe) braucht mindestens 14 m² je Kuh (Gruppenboxen eher 18 m²), da die Kuh sich vermehrt stellt und hinlegt und Hilfspersonal bei der Geburt ebenfalls Platz benötigt. Mindestens eine bewegliche Buchtenabtrennung ist anzuraten, damit im Falle des Festliegens die Kuh mit dem Frontlader „aufgestellt“ werden kann und sich das Ausmisten einfach gestaltet. Eine Fangeinrichtung (mit Not-Entriegelung) erleichtert notwendige Behandlungen. Eine Wannen- oder Ventil-Trog-Tränke soll dem Tier einen leichten Zugang zum Wasser bieten. Der Futtertrog muss für Mensch und Tier leicht zugänglich sein.
Der seit Jahren propagierte Komfort- beziehungsweise Krankenstall ist nicht mit einer Abkalbebucht gleichzusetzen; dies wird teilweise missverstanden. Über den Zeitpunkt des Umstallens zum Abkalben gehen die Meinungen auseinander – von einem halben bis zu drei Tagen vor der Kalbung. Maßgebend ist das weitgehende Vermeiden von Stress für das Tier, beispielsweise durch lange Wege oder Rangeleien bei Gruppenboxen. Zwei Tage nach der Geburt sollte die Kuh aus dem Abkalbebereich umgestallt werden, entweder in die Herde oder in eine spezielle Komfortgruppe.
Bedenkt man, dass die Wirkung auch antibiotischer Trockensteller nach vier Wochen nachlässt, wird die Wichtigkeit sauberer Einstreu und regelmäßiger Boxenreinigung deutlich. In dieser Zeit können Erreger massiv über die bereits offenen Striche in das Euter eintreten und – je nach Immunstatus des Einzeltieres – früher oder später in der Laktation zu Euterentzündungen führen, insbesondere bei längeren Trockenstehphasen (aufgrund reduzierter Fruchtbarkeit).
Beim Bodenbelag der Abkalbebox muss ein Kompromiss zwischen Trittsicherheit und Keimdruck gefunden werden. Strohmatratzen bieten zwar einen hohen Liegekomfort, eine Komplettreinigung ist jedoch nicht nach jedem Kalben möglich. Ein neuerlicher Wahlversuch hat gezeigt, dass hochtragende Kühe gut eingestreute Betonböden gegenüber Sandboxen bevorzugen – noch vor eingestreuten profilierten Gummimatten. Einen Tag vor der Kalbung liegen sie zudem länger auf Sand und Beton. Unbedingt muss es trocken und sauber sein; es darf nur Einstreu bester Qualität zum Einsatz kommen.
Das Reinigungsintervall ist mit abhängig von der Krankheitsrate, spätestens jedoch nach jeder dritten Abkalbung beziehungsweise alle zwei Wochen. Vorrangig sollte mit dem Hochdruckreiniger gereinigt werden (mit anschließendem Trocknen). In begründeten Fällen ist auch erregerspezifisch der Einsatz desinfizierender Mittel sinnvoll, wobei die Wirkstoffe seitens der Öko-VO begrenzt sind. Diese reichen von Essig und Schmierseife bis hin zu wasserstoffperoxid-, peressigsäure- und ameisensäurehaltigen Produkten. Der Hinweis auf die DLG-Listung steht für eine geprüfte Wirksamkeit.
Dieser Beitrag stammt aus der Beratungs-Info des Beratungsteams Ökologischer Landbau „Ökomail“. Jetzt anmelden und immer informiert sein!









