Gewässer und Umwelt schützen – nachhaltiger Pflanzenschutz im Garten
Ein nachhaltiger Umgang mit Pflanzenschutzmitteln gewinnt immer mehr an Relevanz: in der Landwirtschaft, im Gartenbau, aber auch auf öffentlichen Grünflächen und in privaten Gärten. Pflanzenschutzmittel leisten einerseits einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit, können aber auch Menschen, Tiere und unsere Umwelt schädigen. Oft werden dabei auch Tiere geschädigt, die für uns einen großen Nutzen haben, zum Beispiel Insekten, die unsere Gemüse- und Obstblüten bestäuben. Die meisten Pflanzenschutzmittel sind außerdem giftig für Fische. Um Fische und andere Wasserlebewesen sowie unser Trinkwasser zu schützen, sollten keine Pflanzenschutzmittel in Gewässer gelangen. Daher ist es wichtig, ihren Einsatz kritisch zu prüfen und soweit wie möglich einzuschränken.
Besonders im Privatgarten kann häufig auf Pflanzenschutzmittel (PSM) verzichtet werden. Es gibt vielfältige mechanische, technische und biologische Alternativen zum Schutz der Pflanzen.
Eintrag von PSM in die Gewässer vermeiden
Pflanzenschutzmittel können bei unsachgemäßer Anwendung und Entsorgung in Grund- und Oberflächengewässer gelangen. Bereits geringe Mengen können Gewässer erheblich belasten. Der Grenzwert für Pflanzenschutzmittelwirkstoffe im Grund- und Trinkwasser liegt bei 0,0001 mg/l. Bereits wenige Tropfen können ausreichen, um einen Fluss (Breite 2 m, Tiefe 0,5 m) mit 10 km Länge bis zum Grenzwert zu verunreinigen!
Um Einträge zu vermeiden, sollten Pflanzenschutzmittel daher nur eingesetzt werden, wenn sie wirklich erforderlich sind. Bei der Anwendung und Entsorgung ist besondere Sorgfalt geboten. Was dabei zu beachten ist, wird im Folgenden erläutert.
Integrierter Pflanzenschutz im Garten

Integrierter Pflanzenschutz beginnt mit vorbeugenden Maßnahmen, durch die die Krankheitsanfälligkeit von Pflanzen verringert wird. Wichtig ist eine standortgerechte Pflanzenwahl in Bezug auf Witterung, Boden und Wasserverfügbarkeit. Zudem gibt es Arten und Sorten, die robust gegenüber verschiedenen Pflanzenkrankheiten sind. Düngung und Bewässerung sollten immer an die jeweilige Kultur angepasst erfolgen. Schwächelnde Pflanzen können mit Pflanzenstärkungsmitteln, zum Beispiel auf Basis von Algenextrakten oder Effektiven Mikroorganismen, gestärkt werden.
Auch die Förderung von Nützlingen spielt eine wichtige Rolle: Eine wilde Ecke, ein Nistkasten oder eine Totholzhecke bieten Lebensraum für Tiere und unterstützen so ein sich selbst regulierendes Ökosystem im Garten.

Wird ein Befall erwartet oder ist er bereits vorhanden, können zunächst mechanische, technische oder biologische Maßnahmen eingesetzt werden. Mechanische Maßnahmen sind beispielsweise das Absammeln oder Abspülen von Schädlingen. Technische Maßnahmen können Kulturschutznetze über den Gemüsebeeten, Kohlkragen gegen die Kohlfliege um den Stiel junger Kohlpflanzen oder ein Leimring gegen den Frostspanner am Baumstamm sein. Biologische Maßnahmen sind beispielsweise der Einsatz von Nützlingen wie Nematoden oder Marienkäfern sowie der Einsatz von Grundstoffen.
Grundstoffe sind Stoffe, die nicht in erster Linie für den Pflanzenschutz eingesetzt werden, hierfür aber dennoch einen Nutzen aufweisen. Dazu gehören zum Beispiel Brennnesselextrakt, Natron oder das aus Sojabohnen gewonnene Lecithin. Diese Mittel haben eine schwächere Wirkung als Pflanzenschutzmittel, weisen aber auch nur eine sehr geringe bis keine Umweltschädigung auf. Es gibt auch biologische Pflanzenschutzmittel mit einer sehr spezifischen und risikoarmen Wirkung, beispielsweise mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis oder dem Apfelwickler-Granulosevirus.
Keine Anwendung von PSM auf befestigten Flächen!
Lässt sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht vermeiden, ist eine fachgerechte Anwendung besonders wichtig. Dazu gehört die Beachtung der Anwendungshinweise, geeigneter Witterungsbedingungen und ausreichender Abstände zu Gewässern. Pflanzenschutzmittel dürfen nicht auf befestigten Flächen angewendet werden. Denn dort können sie nicht biologisch abgebaut werden und gelangen mit dem nächsten Regen über Kanäle in Gewässer, wo sie die Biodiversität beeinträchtigen können. Achten Sie daher während der Anwendung auf genügend Abstand zu Bächen, aber auch zu befestigten Wegen und Straßenabläufen. (Bild 4)
Fachgerechte Entsorgung von PSM
Übrig gebliebene Spritzlösung niemals in den Abfluss gießen! Entsorgen Sie Reste der angewendeten Spritzlösung in einer Verdünnung von 1:10 (3-malige Wiederholung der Verdünnung und Ausspülung) auf der zuvor behandelten Fläche. Behältnisse von Pflanzenschutzmitteln dürfen erst nach völliger Restentleerung und gründlicher Reinigung – auch Waschwasser nur auf biologisch aktiver Fläche entleeren – über den Hausmüll entsorgt werden. Reste von Pflanzenschutzmitteln und Behältnisse können auch über die Schadstoffsammlung von Städten und Landkreisen abgegeben werden.
Sensibilisierung: Das Dialogforum „Spurenstoffe im Hessischen Ried“

Wie die zuvor beschriebenen Maßnahmen stärker in die Öffentlichkeit getragen werden können, war auch Thema des Dialogforums „Spurenstoffe im Hessischen Ried“.
Das Dialogforum „Spurenstoffe im Hessischen Ried“ wurde vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat gefördert und von Fraunhofer ISI und IKU_Die Dialoggestalter durchgeführt. Ein Schwerpunkt war die Sensibilisierung für einen nachhaltigen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln im privaten Garten. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen war neben anderen Stakeholdern beratend an dem Projekt beteiligt.
Im Rahmen der Projektgruppe „Pflanzenschutzmittel“ wurden drei Plakate entwickelt, die von Kleingartenvereinen, Kommunen und allen Interessierten genutzt und auch über das Hessische Ried hinaus verbreitet werden können. Über einen QR-Code auf den Plakaten gelangen Interessierte zu weiteren Informationen und weiterführenden Links zum Thema.



Das Plakatmaterial finden Sie auf der Kampagnen-Website.
Die Kampagne zum Weiterverbreiten in den Sozialen Medien finden Sie hier:
Hintergrundinfo zum Hessischen Ried
Das Hessische Ried umfasst zwar nur rund 5 % der Fläche Hessens, aber wegen der günstigen hydrogeologischen Bedingungen werden in diesem Gebiet rund 25 % des Trinkwassers in Hessen gewonnen. Die Fließgewässer im Hessischen Ried sind meist abflussarm und aufgrund der hohen Besiedlungsdichte durch einen hohen Anteil gereinigten Abwassers gekennzeichnet. Über das Abwasser und direkte diffuse Eintragspfade gelangen Spurenstoffe wie Pflanzenschutzmittel und Biozide, Arzneistoffe, Haushalts- und Industriechemikalien in die Gewässer des Hessischen Rieds. Durch die im Hessischen Ried teilweise sehr durchlässigen Böden und geringmächtigen Deckschichten, die die Grundwasserleiter schützen, können die Spurenstoffe nur zum Teil zurückgehalten werden und gelangen somit ins Grundwasser (siehe auch: https://www.reines-ried.de/).
Für diesen Artikel wurden Texte von der Website www.reines-ried.de wörtlich übernommen.