Neue Erkenntnisse zum Zwischenfruchtanbau

Am 24. September 2026 fand auf der Hessischen Staatsdomäne Immichenhain ein Zwischenfruchtfeldtag statt. Eingeladen hatten der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) und das Praxisforschungsnetzwerk Hessen (PFN) gemeinsam mit Betriebsleiter Christoph Riebeling. Im Mittelpunkt standen aktuelle Erkenntnisse zum Zwischenfruchtanbau und dessen Auswirkungen auf Boden, Nährstoffhaushalt und Folgekulturen. Ergänzend konnten verschiedene Aussaatverfahren auf einer Demofläche begutachtet und miteinander verglichen werden.

Zwischenfrüchte leisten einen wichtigen Beitrag zur Stickstoffeffizienz, zum Gewässer- und Klimaschutz sowie zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Neben aktuellen Erkenntnissen aus Beratung und Forschung standen daher insbesondere Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis im Mittelpunkt.

Der Nachmittag begann mit einer kurzen Begrüßung und Einführung durch Reinhard Schmidt, LLH-Beratungsteam Ökologischer Landbau, und Christoph Riebeling.

Drohnensaat als alternatives Aussaatverfahren

Eine Personengruppe sitzt an Tischen und schaut auf eine Präsentation auf einer Leinwand.
Axel Vorwald, LLH-Beratungsteam Ökologischer Landbau, stellt Ergebnisse aus den mehrjährigen Praxisdemonstrationen zur Drohnensaat vor.

Den Auftakt machte Axel Vorwald vom LLH-Beratungsteam Ökologischer Landbau mit Einblicken in mehrjährige Praxisdemonstrationen zur Drohnensaat von Zwischenfrüchten in Nord- und Osthessen. Auf Grundlage der vorgestellten Versuchsergebnisse präsentierte Friederike Kaplan, LLH-Beratungsteam Ökologischer Landbau, die neu erschienene Entscheidungsmatrix zur Drohnensaat. Damit erhalten Landwirtinnen und Landwirte eine praktische Orientierung, um die Eignung der Drohnensaat für die jeweiligen Standort- und Anbaubedingungen einzuschätzen.

Weitere Informationen sowie die Entscheidungsmatrix zur Drohnensaat im Beitrag Drohnensaat von Zwischenfrüchten – Chancen, Grenzen und Praxistipps

Zwischenfrüchte verbessern die Bodenstruktur

Anschließend folgte der Vortrag „Struktur trägt Ertrag – Welchen Beitrag können Zwischenfrüchte hierbei leisten?“ von Andreas Werner (Deutsche Saatveredelung AG). Dabei wurden unter anderem Ergebnisse aus dem mehrjährigen CATCHY-Projekt vorgestellt. In dem Projekt wurde der langfristige Einfluss des Zwischenfruchtanbaus mit einer Brache verglichen.

Die Untersuchungen zeigen, dass eine stabile Bodenstruktur eine wichtige Grundlage für die Leistungsfähigkeit des Bodens und damit auch für die Ertragsbildung ist. Durch den Anbau von Zwischenfrüchten konnte die Stabilität der Bodenaggregate verbessert werden – bei den untersuchten Varianten um bis zu 19 Prozent gegenüber der Brache. Gleichzeitig wirkten sich Zwischenfrüchte positiv auf den Nährstoff- und Wasserhaushalt sowie das Bodenleben aus.

Besonders artenreiche Mischungen zeigten dabei ein hohes Potenzial, da unterschiedliche Wurzelsysteme und Pflanzenarten verschiedene Funktionen im Boden übernehmen. Die Ergebnisse machen deutlich: Durch die Verbesserung der Bodenstruktur können Zwischenfrüchte dazu beitragen, die Voraussetzungen für eine stabile und langfristig leistungsfähige Bodenfruchtbarkeit und damit auch für stabile Erträge zu schaffen.

Zwischenfruchtumbruch und Stickstoffkreislauf

Abgerundet wurde der Vortragsteil durch Reinhard Schmidt mit dem Beitrag „Zwischenfruchtumbruch und Stickstoffkreislauf – Ergebnisse aus dem Praxisforschungsnetzwerk Hessen“. Vorgestellt wurden Ergebnisse aus dem Projekt-Umkreis, in dem verschiedene Zwischenfrucht- und Umbruchvarianten auf hessischen Ökobetrieben und dem Versuchsbetrieb der Universität Kassel untersucht wurden.

Ein Schwerpunkt lag auf dem Treffler Häufler als bodenschonendem Umbruchverfahren. Dabei wird die Zwischenfrucht vor dem ersten Frost gewalzt und anschließend mit aufgeworfener Erde bedeckt. Mit einer Arbeitstiefe von rund acht Zentimetern und einer Bearbeitung auf nur etwa 30 Prozent der Fläche ist der Eingriff in den Boden im Vergleich zum Pflug geringer.

Die Ergebnisse zeigen: Zwischenfrucht, Standort und Umbruchzeitpunkt bestimmen maßgeblich die Stickstoffversorgung der Folgekultur und die Nitratverluste.

Früh umgebrochene, abfrierende Bestände stellen Stickstoff schneller bereit, erhöhen jedoch das Verlustrisiko. Winterharte Zwischenfrüchte halten Stickstoff länger gebunden und schützen dadurch vor Verlusten, müssen jedoch rechtzeitig umgebrochen werden. Eine Stoppelbrache über den Winter erhöht die Nitratverluste und kann die Erträge der Folgekultur mindern.

Für die Praxis kommt es daher auf die richtige Kombination aus Zwischenfrucht, Umbruchzeitpunkt und -verfahren an. Bei einem optimalen Umbruchtermin können auch bodenschonende Verfahren wie der Häufler ähnlich viel Stickstoff für die Folgekultur bereitstellen wie der Pflug.

Vergleich verschiedener Aussaatverfahren und Zwischenfrüchte

Im Anschluss an die Vorträge ging es zur Feldbegehung. Auf der Demonstrationsfläche wurden drei Aussaatverfahren mit drei Zwischenfruchtvarianten kombiniert, sodass insgesamt neun Varianten miteinander verglichen werden konnten.

SaatgutVarianten zur Zwischenfruchtdemo
 DrillsaatScheibenegge / APV-StreuerDrohnensaat
Biomaxx (DSV)22 kg/ha22 kg/ha30 kg/ha
Ramtillkraut/Phacelia10 kg/ha10 kg/ha15 kg/ha
Senf15 kg/ha15 kg/ha20 kg/ha

Aufgrund der trockenen und heißen Witterung blieben die Bestände insgesamt hinter den Erwartungen zurück. Die Unterschiede zwischen den Verfahren waren dennoch gut erkennbar. Über die verschiedenen Zwischenfruchtvarianten hinweg erwies sich die Drillsaat als sicherstes, zugleich aber kostenintensivstes Verfahren.

Bei der Streusaat konnte sich insbesondere Senf gut etablieren. Bei der Drohnensaat entwickelten sich dagegen nicht alle ausgesäten Arten gleichermaßen. Bei hohem Unkrautdruck wurde von einer Drohnensaat abgeraten.

Auf dem Feld wurde außerdem deutlich, dass auch die Nährstoffversorgung der Zwischenfrüchte berücksichtigt werden muss. Nur gut entwickelte Bestände können ihre Funktionen hinsichtlich Nährstoffbindung, Bodenstruktur und Bodenfruchtbarkeit vollständig erfüllen.

Fazit

Der Zwischenfruchtfeldtag zeigte, dass die Wahl des geeigneten Aussaatverfahrens von der Zwischenfrucht, dem Standort, dem Unkrautdruck und der Witterung abhängt. Dabei erwies sich die Drillsaat als sicherstes Verfahren. Die Drohnensaat bietet interessante Möglichkeiten, ist jedoch nicht für jede Situation geeignet und setzt passende Bedingungen voraus.

Insgesamt wurde deutlich, dass Zwischenfrüchte bei einem standortangepassten Management einen wichtigen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit, zum Nährstoffhaushalt und zum Gewässerschutz leisten können.

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