Hinweise zum Anbau von Winter-Körnerleguminosen
Winter-Körnerleguminosen als Risikosplitting
Die Herausforderungen und Folgen des Klimawandels sind vielschichtig und schwer vorhersehbar. Langfristig ist zu erwarten, dass vermehrt Wetterextreme mit geringen oder schlecht verteilten Niederschlägen über die Vegetationsperiode auftreten.
Winter-Körnerleguminosen können bei passender Standort- und Sortenwahl sowie passenden Witterungsbedingungen als Reinsaat oder im Gemenge eine Ergänzung zu Sommerkörnerleguminosen darstellen. Denn die Winterungen können in trockenen Frühjahren die Winterfeuchte besser ausnutzen, haben einen Wachstumsvorsprung, gehen früher in die generative Phase und sind so früher druschreif. Diese Vorteile haben sie vielerorts in diesem Jahr zeigen können. Das Risiko von Ertragseinbußen bei Sommerkörnerleguminosen, durch verspätete Aussaat im Frühjahr und Trockenheit über die Vegetationsperiode kann durch den geteilten (Splitting-) Anbau mit Winterformen minimiert werden. Dies ist eines der Hauptursachen, warum das Interesse an Winter-Körnerleguminosen wieder steigt.
Bei der Anbauplanung, der Gestaltung der Fruchtfolge und der Wahl der Kulturen sollten potenzielle Ausfälle der Winter-Körnerleguminosen mitgedacht werden. Auf einer ausgewinterten Winter-Körnerleguminosenfläche sollte ein Fruchtwechsel stattfinden. Erfolgt dieser nicht, ist die Gefahr der Übertragung von Fußkrankheiten und anderen Schaderregern in der direkt folgenden Sommer-Körnerleguminose groß und führt zu großen Ertragseinbußen.
Nutzungsform bestimmt Aussaattermin
In Abhängigkeit der Nutzungsrichtung können Wintererbsen oder Winterackerbohnen von Ende September bis Ende Oktober gesät werden. Die Winterleguminosen sollten vor dem Winter noch 3 – 4 Laubblätter bei den Wintererbsen und 4 – 6 bei den Winterackerbohnen ausbilden.
- Bei einer Saat Ende September entwickeln sich meist üppige Bestände, die dann zur Blüte in Kombination mit einem Getreidegemengepartner Mitte bis Ende Mai als GPS geerntet werden können und die Möglichkeit bieten, im Anschluss noch eine Sommerung zu etablieren.
- Für eine Körnernutzung hat sich die Aussaat in Abhängigkeit der Witterung und Bodenverhältnisse, im Oktober bewährt, da die Leguminosen dann weniger Blattmasse und mehr Körner ausbilden. Aber auch spätere Aussaaten können je nach Witterung noch gelingen, hierbei sollte die Aussaatstärke aber nach oben angepasst werden.

Wintererbsen: Auch bei den Winterformen gibt es langwüchsige und kurzwüchsige Sorten. Erstere können im Gemenge mit Getreide angebaut werden, um den sehr langwüchsigen, winterharten Typen eine Stütze zu geben und Beikraut zu unterdrücken. Hierbei handelt es sich meistens um lange, weiß- oder buntblühende Sorten. Kurz und mittel-wüchsige, weißblühende Sorten können auch in Reinsaat ohne Stützfrucht angebaut werden. Diese können bei Bedarf und passenden Bodenverhältnissen, nach der Aussaat und im Frühjahr bis zum Verranken gestriegelt werden.
Winterackerbohnen sind in Reinsaat standfest genug, jedoch wird aufgrund der starken Bestockung eine Saatstärke von maximal 25 bis 30 kf. Kö./m2 empfohlen. Bei einer Aussaat in der zweiten Oktoberhälfte kann die Aussaatmenge noch etwas erhöht werden um ausreichende Bestandesdichten zu erreichen. Der Bestandsschluss findet dann meistens erst zur Blüte statt. Eine Unkrautregulierung kann bei Bedarf und passenden Bodenverhältnissen, nach der Aussaat und im Frühjahr mit Hacke oder Striegel erfolgen. Ein Gemenge mit Winterweizen oder Triticale ist ebenfalls möglich, zu diesen Gemengen gibt es aber nur wenig Erfahrungen. Eine getrennte Aussaat der Gemengepartner, um die passende Ablagetiefe zu gewährleisten, wird empfohlen.
Fruchtfolgeregel beachten und Ungräser im Blick behalten
Neben den genannten Vorteilen von Winterungen gegenüber Frühjahrestrockenheit sollten die Vorteile von Sommerungen in Fruchtfolgen nicht außer Acht gelassen werden. Denn die vermehrte Ausbreitung von hauptsächlich im Herbst keimenden Ungräsern wie Windhalm und Ackerfuchsschwanz in winterungsbetonten Fruchtfolgen führt vermehrt zu Problemen. Der Fruchtwechsel von Sommerungen und Winterrungen sowie der Wechsel von Halm- und Blattfrucht sind bewährte Mittel, um Vermehrungszyklen von Ungräsern zu unterbrechen. Dabei können durch unterschiedliche ackerbauliche Maßnahmen, wie z.B. Scheinsaat mit anschließender mechanischer oder chemischer Bekämpfung, auflaufende Ungräser bekämpft werden. Daneben hilft im Falle der Aussaat einer Winterung, eine zügige Bodenbedeckung durch die Wahl frohwüchsiger Sorten, bodenbedeckender Zwischenfrüchte oder die Aussaat von Gemengen, die das Auflaufen von Ungräsern in der Fläche reduzieren. Die Eingliederung weiterer Winterungen in Wintergetreide betonte Fruchtfolgen sollte vor dem Hintergrund der Ungrasvermehrung und Einhaltung der Grundsätze des integrierten Pflanzenbaus mitgedacht werden.
Wintererbsen im Gemenge

Um sich an den Gemengeanbau mit Körnerleguminosen heranzutasten, sollten langwüchsige Wintererbsen mit einem gleichzeitig abreifendem Gemengepartner wie Winterroggen oder Wintertriticale angebaut werden. Triticale ist weniger konkurrierend, lässt sich aber nicht so gut ausdreschen und kann bei schärferen Dreschereinstellung zu Erbsenbruch führen. Roggen lässt sich leichter dreschen, konkurriert aber mehr durch seine starke Bestockung und spätere Wuchshöhe. Für die kürzeren und früher blühenden Wintererbsen eignet sich auch Wintergerste als Gemengepartner. Je nach Zielsetzung und späteren Verwendung wird in ausgeglichene und Erbsen betonte Gemenge unterschieden und dann entsprechend den Aussaatstärken beider Gemengepartner angepasst.
| Gemenge | Erbsen | Getreide |
| ausgeglichen | 15 – 40 Körner/m² | 200 – 300 Körner/m² |
| Erbsen betont | 20 – 60 Körner/m² | 100 – 250 Körner/m² |
Sortenauswahl
Das Sortenspektrum von Winterleguminosen ist überschaubar, aber deren Sorteneigenschaften sind divers. Es sind weißblühende und violettblühende Wintererbsentypen verfügbar. Buntblühende Sorten weisen eine dunkle, tanninhaltige Samenschale auf. Tannine in der Rinderfütterung können sich positiv auswirken, aber in der Schweinefütterung den Einsatz von Erbsen begrenzen. Die Nutzungsrichtung und die Vermarktungsmöglichkeiten bestimmen die Sortenwahl und die Anbauform. Eine Übersicht über zugelassene und verfügbare Sorten von Wintererbsen und Winterackerbohnen und Details zum Anbau finden Sie auf der Webseite des LLH und des LeguNet.
Weitere Informationen finden Sie im Beitrag Sortenversuche Öko-Winterackerbohnen.