Rapsaussaat bei Trockenheit

Bodenbearbeitung

Eine Frage, die sich derzeit viele Betriebe stellen, ist: Welche Intensität der Bodenbearbeitung ist in diesem Jahr die richtige – Pflug, Mulchsaat oder sogar Direktsaat?

Als Entscheidungsgrundlage empfiehlt sich der bekannte Leitspruch: „So flach wie möglich, so tief wie nötig!“ Zunächst sollte der Bodenzustand, insbesondere im Hinblick auf mögliche Strukturschäden, beurteilt werden.

Dort, wo bereits eine flache Bodenbearbeitung durchgeführt wurde, präsentiert sich der Boden dank der Trockengare häufig mit einem sehr feinen Bearbeitungsbild. Dieser Anblick verleitet dazu, auf eine tiefere Bodenbearbeitung zu verzichten. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass eine zu flache Bearbeitung den für die Pflanzen nutzbaren Bodenraum stark einschränken kann.

Welche Konsequenzen hat das? Die Pflanzenbestände haben sowohl bei Trockenheit als auch bei Nässe eine deutlich geringere Durchhaltefähigkeit. Bei einer geringeren Bearbeitungsintensität kann zudem die Nährstoffeffizienz herabgesetzt sein, wenn Nährstoffe für die Pflanzen schlechter verfügbar sind.

Weitere Hinweise zur Bodenbearbeitung in Abhängigkeit von der Bodenart sowie zur Ermittlung des optimalen Saatzeitpunktes finden Sie in den regelmäßig erscheinenden Beratungsinfos Pflanzenproduktion Nord/Süd. Jetzt hier anmelden und immer informiert sein!

Rapsaussaat

Wenn in einen staubtrockenen Boden gesät wird, sollte das Saatgut möglichst flach abgelegt werden. So kann bereits eine geringere Niederschlagsmenge ausreichen, um den Saathorizont zu durchfeuchten und die Keimung zu ermöglichen. Für ein gutes Keimergebnis sollte der Boden mindestens 2 cm unterhalb des Saathorizonts ausreichend durchfeuchtet sein.

Um den Boden bis in eine Tiefe von 4 cm zu durchfeuchten, werden auf einem sandigen Boden etwa 5 mm und auf einem schluffigen Lehmboden etwa 10 mm Niederschlag benötigt.

In Mulchsaaten stellt das Stroh in diesem Jahr eine besondere Herausforderung dar. Neben den vielfach sehr hohen Kornerträgen bei Gerste wurden auch große Strohmengen produziert. Aber auch bei Weizen sind teilweise hohe Strohmengen vorhanden. Aufgrund der geringen Niederschläge ist das verbliebene Stroh nur wenig verrottet.

Ziel muss es sein, möglichst viel Erde um das Saatgut zu bekommen. Je mehr Stroh am Saatkorn liegt, desto unsicherer sind die Keim- und Auflaufbedingungen.

Unter trockenen Bedingungen kann daher durchaus die Aussaat im Einzelkornsaatverfahren interessant sein. Hier werden eine sichere Tiefenführung und eine exakte Saatgutablage gewährleistet. In der Regel lassen sich mit der Einzelkornsaat bessere Feldaufgänge erzielen. Das ist insbesondere bei pfluglosen Anbauverfahren interessant. Um die Startbedingungen des Rapses zusätzlich zu verbessern, ist eine Unterfußdüngung möglich.

Rückverfestigung

Generell sollte berücksichtigt werden, dass sowohl überlockerte als auch zu stark verdichtete Böden das Wurzelwachstum behindern können. Der Einsatz einer Walze sollte daher gut überlegt sein.

Eine angemessene Rückverfestigung kann die Keimbedingungen für das Saatgut verbessern und den Wasserverlust aus dem Boden minimieren bzw. verlangsamen. Gleichzeitig wird die Bodenoberfläche durch den Walzgang feiner.

Liegt bereits ein feinkrümeliges Saatbett vor, besteht nach einem Niederschlag jedoch die Gefahr einer stärkeren Verschlämmung und Verkrustung. Zudem kann bei einem zu stark rückverfestigten Boden das Regenwasser vermehrt oberflächlich abfließen, anstatt in den Boden einzudringen.

Aussaathinweise

Grundsätzlich empfehlen wir, die Rapsaussaat bei sicheren Wasserverhältnissen vorzunehmen. Aussaaten in trockenen oder nur leicht durchfeuchteten Boden bergen erhebliche Risiken.

Liegen die Rapskörner über einen längeren Zeitraum im trockenen Boden, kann dies eine Keimruhe auslösen. Hinzu kommen die aktuell hohen Bodentemperaturen, die ebenfalls nicht unberücksichtigt bleiben sollten.

Böden mit geringer Restfeuchte können zwar ein Ankeimen der Rapssamen ermöglichen. Fällt anschließend jedoch nicht zügig Niederschlag, besteht die Gefahr, dass die Keimlinge vertrocknen. Beide Szenarien waren bereits 2018 und 2022 keine Seltenheit und führten zu großflächigen Umbrüchen.

Entscheidend ist daher, die Bodenbearbeitung und Aussaat nicht allein am optischen Eindruck des Saatbetts auszurichten, sondern die vorhandenen Wasserverhältnisse und die weitere Wetterentwicklung zu berücksichtigen.

Videohinweis zur Rapsaussaat bei Trockenheit (aus 2020 – aber wieder aktuell!):

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