Ergebnisse der LSV Öko-Winterhafer 2025
Die vergangenen Jahre zeigten vielerorts eine deutlich ausgeprägte Frühsommertrockenheit, auch in diesem Jahr gestaltete sich der Zeitraum von Februar bis Ende April recht niederschlagsarm. Das stellt den Anbau von Sommerkulturen vor besondere Herausforderungen. Aus diesem Grund kommen aus der Praxis immer wieder Anfragen zum Anbau von entsprechenden Winterformen der Sommerungen, um durch optimale Ausnutzung der Winterfeuchtigkeit den Ertragsdepressionen im trockenen Frühjahr zu begegnen. Um den Landwirtinnen und Landwirten fundierte Erkenntnisse und Zahlen für ihre Anbauentscheidung zu liefern hat der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen seit dem Anbaujahr 2023/24 den Winterhafer und die Winterackerbohne mit in das Sortiment der Öko Sortenversuche am Standort Alsfeld-Liederbach aufgenommen.
Anbau von Winterhafer
Der Anbau von Hafer als Winterung kann gerade bei starker Frühsommertrockenheit ertrags- und qualitätsabsichernd sein. Das größte Risiko beim Anbau von Winterhafer besteht durch das Auftreten von Auswinterungsschäden. Beim Winterhafer handelt es sich nicht um ein Wintergetreide im eigentlichen Sinn, welches zum Übergang von der vegetativen in die generative Wachstumsphase einen Kältereiz (Vernalisation) benötigt. Vielmehr handelt es sich um Sommerhafersorten mit einer sehr ausgeprägten Kältetoleranz. Da bei den derzeit vorhandenen Winterhafersorten ertragsrelevante Kulturschädigungen ab Temperaturen von -10 ˚C nicht selten sind, kommen exponierte Lagen, Kaltluftsenken oder Standorte mit entsprechender Höhenlage tendenziell nicht für den Anbau in Frage bzw. das hohe Ausfallrisiko sollte bei der Anbauentscheidung einkalkuliert werden. Um diesen Risiken so gut es geht zu begegnen, gilt es beim Anbau vorbeugende Maßnahmen zu beachten. Deshalb sollte auf den Aussaatzeitpunkt ein besonderes Augenmerk gelegt werden: Nicht zu früh, um die Bestände gerade bei wüchsigem Wetter nicht zu üppig werden zu lassen und nicht zu spät um eine ausreichende Bestockung vor dem Winter zu gewährleisten. Je nach Standort und Witterung also im Zeitraum von ca. Mitte September bis Anfang Oktober mit einer Aussaatstärke zwischen etwa 300 und 350 Körnern/m2. Wichtig ist zudem eine gute Rückverfestigung des Saatbettes um dem Abreißen der Wurzeln bei Frost mit der Gefahr von „Frosttrockniserscheinungen“ vorzubeugen. Sofern die Bodenverhältnisse es zulassen und der Unkrautdruck es erfordert, sollte bereits im Herbst ein Durchgang mit dem Zinkenstriegel erfolgen. Nach unseren ersten Erfahrungen im Versuch verträgt der Winterhafer aber auch die Überfahrt mit dem Striegel im Frühjahr. Durch den etwas früheren Saatzeitpunkt kann der Winterhafer freie Nährstoffmengen noch im Herbst gut aufnehmen und umsetzen. Aus Gründen der Standfestigkeit sollte eine Düngung im Frühjahr eher mit Bedacht erfolgen. Neben der schon erwähnten Ertragsabsicherung und Risikostreuung kann die frühzeitige Abreife des Winterhafers, welche in etwa mit der von Wintergerste vergleichbar ist, weitere arbeitswirtschaftliche und auch pflanzenbauliche Vorteile mit sich bringen. So ist durch die frühe Räumung der Fläche zum Beispiel eine intensive Regulierung von Problemunkräutern oder die Etablierung einer Zwischenfrucht gut möglich. Zudem kann ein früherer Erntetermin auch zur Qualitätsabsicherung dienen, wenn beispielsweise feuchte Witterungsphasen die Erntearbeiten von später abreifenden Sommergetreidebeständen verzögern. Der komplette Ersatz von Sommerungen durch den Anbau der entsprechenden Winterformen birgt allerdings auch Gefahren. So können sich bestimmte Unkräuter und Ungräser in Winterungs-lastigen Fruchtfolgen entsprechend stark ausbreiten. Wichtig zu erwähnen ist, dass den Winterhafer eine sehr langsame Frühjahrsentwicklung auszeichnet (siehe Abbildung 2). Besonders in kalten Frühjahren passiert in den Beständen lange nichts, wenn es dann allerdings wärmer wird geht die weitere Entwicklung sehr rasch von statten. Dies sollte vor einer eventuellen Umbruchsentscheidung berücksichtigt werden.
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