Zukunftsorientierte Milchviehhaltung: Automatisches Fütterungssystem bei LLH-Infoveranstaltung vorgestellt

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) hat am Freitag, 22. August 2025, zu einer Informationsveranstaltung auf den Milchviehbetrieb Berends-Blok GbR in Diemelstadt-Hesperinghausen eingeladen. Im Mittelpunkt stand ein automatisches Fütterungssystem der Firma „Trioliet“, das den Anwesenden vor Ort präsentiert wurde. Zahlreiche Milchviehhalterinnen und -halter, aber auch Beratungskräfte nutzten die Gelegenheit, sich über die Technik und deren Einsatzmöglichkeiten zu informieren.
Nach der Begrüßung durch Arnt Schäfers, LLH-Beratungsteam Tierhaltung, erhielten die Teilnehmenden zunächst einen fachlichen Einblick in den technischen Aufbau und die Funktionsweise des automatischen Fütterungssystems, vorgestellt von Martijn Homan, Produktmanager für das Triomatic-System bei Trioliet. Das Fütterungssystem der niederländischen Firma besteht im Wesentlichen aus einem Fütterungsroboter und einer flexibel kombinierbaren Futterküche mit Futterboxen für die Grundfutterkomponenten und Silos für die unterschiedlichen Kraftfuttersorten. Aus diesen wird der Fütterungsroboter befüllt und eine gleichmäßig vermengte Ration erstellt. Anschließend bringt er die fertige Ration in festgelegten Mengen zu den Futtergruppen in den Stall. Die Anlage arbeitet programmgestützt und ermöglicht dadurch eine präzise und regelmäßige Versorgung der Herde mit frisch gemischtem Futter.
Futtermischung nach „Dual Flow“-Prinzip

Neben einer ausgewogenen Ration ist eine gute Mischqualität von großer Bedeutung. Im vorgestellten Triomatic-Fütterungsroboter wird das Futter nach einem speziellen „Dual Flow“-Prinzip sowohl in senkrechter als auch waagrechter Richtung gemischt. Dadurch, dass die Mischschnecken speziell geformt sind, lassen sich selbst kleine Futtermengen (schon ab 60 kg) gut homogenisieren. Auch eine hohe Schneckendrehzahl sorgt für eine bessere Durchmischung des Futters. Somit wird sichergestellt, dass auch die kleineren Gruppen eine ausgewogene Ration vorgesetzt bekommen. „Ein wesentlicher Vorteil unserer Fütterungssysteme liegt darin, dass die Tiere mehrmals am Tag mit frischem Futter versorgt werden können“, erklärte Martijn Homan. Er fügte hinzu: „Das wirkt sich positiv auf die Futteraufnahme aus, die wiederum eine zentrale Rolle für den Ernährungszustand und die Gesundheit des Viehbestands spielt.“ Eine bessere Futteraufnahme fördert nicht nur die Milchleistung, sondern kann auch die Fruchtbarkeit und das Wohlbefinden der Tiere verbessern. Eine mehrfache Futtervorlage trägt, so Homan weiter, zudem zu einer ruhigeren Stallatmosphäre bei, wodurch auch die jungen Färsen eine optimale Versorgung erhalten.
Entscheidungskriterien
Die Automatisierung gewinnt in der Milchviehhaltung zunehmend an Bedeutung. Bei der Entscheidung für ein automatisches Fütterungssystem sind verschiedene betriebliche Faktoren abzuwägen. Dahingehend nannte Martijn Homan unter anderem die Größe des Betriebs und die langfristigen Zukunftspläne, die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, die Anforderungen an die Rationszusammenstellung sowie die baulichen Gegebenheiten von Stall und Hof. Auch die vorhandene Technik, etwa Schlepper und Ladetechnik sowie Fragen der Wirtschaftlichkeit müssen in die Überlegungen einbezogen werden.
Vorteile automatischer Fütterungssysteme
Die Einführung automatischer Fütterungssysteme bietet laut Homan zahlreiche Vorteile aus unterschiedlichen Perspektiven: Mit Blick auf die Tiere trägt sie zum Tierwohl und zur Gesundheit bei, etwa durch mehrmalige Futtervorlage und die Möglichkeit, mehrere Gruppen ab einem Mischgewicht ab circa 60 kg zu versorgen. Bei einer einmaligen Futtervorlage innerhalb von 24 Stunden wird das Futter hingegen warm und verliert an Energie und Schmackhaftigkeit.
Für Landwirtinnen und Landwirte ergeben sich durch die Nutzung automatischer Fütterungssysteme grundlegende Vorteile in Bezug auf Zeitersparnis und Arbeitsentlastung: Das Befüllen der Futterküche und die Kontrolle der Fütterung sind nicht mehr an feste Zeiten gebunden. Die Futterküche kann zudem flexibel von jedem und jeder Mitarbeitenden einfach und schnell befüllt werden. Gerade in arbeitsintensiven Phasen, etwa während der Erntezeit, erleichtert der Einsatz die Organisation und Durchführung der Arbeiten deutlich. Auch wirtschaftlich kann sich die Automatisierung lohnen: U.a. durch Energieeinsparungen, die effiziente Futtervorlage und gegebenenfalls die Nutzung von Eigenstrom, was zu einem höheren Ertrag beitragen kann. „Auf dem Milchviehbetrieb Berends-Blok lassen sich durch die Nutzung des automatischen Fütterungssystems beispielsweise 55 kWh pro Tag einsparen“, merkte Martijn Homan an.
Beweggründe für automatisierte Fütterung

Anschließend erklärte Betriebsleiter Hidde Berends, warum er sich für ein automatisches Fütterungssystem auf dem nordhessischen Milchviehbetrieb entschieden hat und berichtete aus der Praxis: „Wir füttern seit letztem Jahr November unsere knapp 300 Kühe mit diesem Roboter und sind sehr zufrieden.“ Denn im Rahmen der Versorgung von acht verschiedenen Fütterungsgruppen habe das moderne Fütterungssystem auf dem Milchhof Berends-Blok vor allem zeitlich enorm entlastet. Zuvor mussten fünf bis sechs Stunden in die Fütterung investiert werden. Zudem sorgt das automatische Fütterungssystem dafür, dass die bedarfsgerechten, im Vorfeld genau berechneten Rationen zuverlässig und gleichbleibend verfüttert werden. „Als weiteren wichtigen Vorteil konnten wir bereits feststellen, dass es insbesondere im Sommer bei hohen Temperaturen zu keinem Rückgang der Futteraufnahme kommt“, betonte Hidde Berends.
Vorführung mit Betriebsrundgang
Im weiteren Verlauf konnten die Gäste die moderne Fütterungstechnik in der Praxis erleben und sich beim Rundgang durch den Betrieb ein Bild vom Ablauf der Fütterung machen. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein gemeinsamer Imbiss, bei dem die Teilnehmenden die Gelegenheit zu fachlichen Gesprächen und überregionalem Erfahrungsaustausch nutzten.
Mit der Veranstaltung bot der LLH gemeinsam mit dem Gastgeberbetrieb Berends-Blok GbR und der Firma Trioliet einen praxisnahen Einblick in innovative Lösungen für eine zukunftsorientierte Milchviehhaltung.












