Grassilagen 2026: Ergebnisse der hessischen Futteranalysen

Traktor mit Silierwagen bei der Aufnahme des Ernteguts auf einer Wiese
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Für eine genaue Rationsberechnung sind Futtermittelanalysen des Grobfutters unerlässlich. Nur wer die Inhaltsstoffe kennt, kann das Grundfutter bedarfsgerecht und kostenorientiert einsetzen.

Aus Hessen wurden beim LHL bereits 145 Grassilagen aus dem Jahr 2026 analysiert. Davon stammten 112 Proben vom ersten Schnitt und 33 Proben vom zweiten Schnitt.

Für die Einordnung dienen die in der Literatur festgelegten Zielwerte für eine hochwertige Silage, die in Tabelle 1 dargestellt sind. Der Vergleich mit diesen Zielwerten und den Ergebnissen der hessischen Silageuntersuchungen ermöglicht es, die Qualität der eigenen Grassilagen besser einzuordnen und daraus Ansatzpunkte für die Fütterung und die Grünlandbewirtschaftung abzuleiten.

Tabelle 1: Kenngrößen einer hochwertigen Grassilage

ParameterEinheitZielwerte
Trockenmasse% FM30-40
Rohasche% TM< 10, keine Verschmutzung mit org. Düngerresten
Rohprotein% TM14-18, 16% sind anzustreben
Rohfaser% TM23-25
Zucker% TM3-8
pH-WertIn Abhängigkeit der TM beurteilen:
bis 25% unter 4,2; 30% unter 4,4; 35% unter 4,6; 40% unter 4,8; ab 45% unter 5,0; Note „ausgezeichnet“
Gasbildungml/200 g> 50
MJ NELMJ NEL/kg TM1. Schnitt: > 6,4, Folgeschnitte > 6,1
OMD FAN1%1. Schnitt: > 76 Folgeschnitte > 73
ME FAN1MJ /kg TM1. Schnitt: > 11,2, Folgeschnitte > 10,8
sidPg/kg TM82
VergärungKeine Buttersäure (<0,3%), bis 3% Essigsäure, 5-10% Milchsäure
Ammoniak-N Anteil% des Rohprotein< 8%
GeruchAngenehm säuerlich, aromatisch
FarbeDem Ausgangsmaterial entsprechend
StrukturDem Ausgangsmaterial entsprechend
Schnittlänge2-4 cm bei Häckselsilagen; Ladewagen möglichst gleichmäßig kurz
VerdichtungMin. 200 –280 kg TM/m³ -je nach TM Gehalt
TemperaturKeine Nacherwärmung, max. 4C°Temperaturdifferenz zwischen Kerntemperatur und Randbereichen

Wetterbedingungen

Das günstige Wetterfenster Ende April/Anfang Mai nutzten viele hessische Betriebe für den ersten Schnitt. Die Aufwuchsmenge lag zwar im unterdurchschnittlichen Bereich, übertraf jedoch die Erwartungen der optischen Aufwuchsbeurteilung. Die nächsten günstigen Witterungsbedingungen waren dann erst Mitte/Ende Mai, mit den entsprechenden Qualitätsverlusten durch höhere Rohfasergehalte. Der zweite Schnitt erfolgte bei den meisten Betrieben im empfohlenen Abstand von vier Wochen zum ersten Schnitt.

Tabelle 2 und 3 zeigen die Ergebnisse der Laboranalysen für den ersten und zweiten Schnitt, dargestellt als Mittelwert sowie oberes und unteres Viertel, sortiert nach dem Energiegehalt (MJ NEL) der Silagen.

Tabelle 2: Grassilageergebnisse 1. Schnitt Hessen 2026 (n=112)

ParameterEinheitZielwerteMittelwertobere 25%untere 25%
Trockenmasse% FM30-4034,840,232,4
Rohasche% TM<1010,09,510,0
Rohprotein% TM14-1816,418,213,8
Rohfaser% TM23-2524,520,429,3
Zucker% TM3-86,711,93,5
Org. ADF% TM<2728,623,834,2
Org. NDF% TM<4746,239,954,1
pH_Wert% TM 4,75,04,5
Gasbildungml/200 mg>5054,459,448,7
Kalium% TM<32,82,92,4
Calcium% TM0,5-0,70,50,50,6
Phosphor% TM0,35-0,450,30,30,3
DCABmeq/kg TM 444,8478,6363,0
GfE, 2001NELMJ/kg TM>6,46,57,15,7
nxP g/kg TM>135141154126
RNB g/kg TM4-62,73,71,0
GfE, 2023OMD FAN1%≥ 7679,487,670,0
ME FAN1 MJ /kg TM≥ 11,211,813,110,2
sidP g/kg TM>8290,8101,079,2
oberes und unteres Viertel jeweils nach MJ NEL der Silagen

Tabelle 3: Grassilageergebnisse 2. Schnitt Hessen 2026 (n= 33)

ParameterEinheitZielwerteMittelwertobere 25%untere 25%
Trockenmasse% FM30-4035,436,640,5
Rohasche% TM<1010,410,310,7
Rohprotein% TM14-1816,320,213,8
Rohfaser% TM23-2526,425,427,5
Zucker% TM3-84,64,65,5
Org. ADF% TM<2731,029,132,5
Org. NDF% TM<4749,647,851,5
pH_Wert% TM 4,75,04,8
Gasbildungml/200 mg>5051,553,148,3
Kalium% TM<32,83,12,4
Calcium% TM0,5-0,70,60,50,7
Phosphor% TM0,35-0,450,30,40,3
DCABmeq/kg TM 410,9414,9375,6
GfE, 2001NELMJ/kg TM>6,16,16,65,7
nxPg/kg TM>135135,9148,9125,3
RNBg/kg TM4-63,47,51,4
GfE, 2023OMD FAN1%≥ 7376,082,170,0
ME FAN1MJ /kg TM≥ 10,811,212,310,1
sidPg/kg TM>8287,597,979,0
oberes und unteres Viertel jeweils nach MJ NEL der Silagen

Trockenmassegehalte liegen im Mittel im Optimalbereich

Die Trockenmassegehalte (TM) liegen im Durchschnitt für den ersten Schnitt mit 34,8 % und beim zweiten Schnitt mit 35,4 % genau im Zielbereich. Der optimale Trockenmassegehalt spiegelt die guten Erntebedingungen und das gute Anwelken der Betriebe wider. Das obere Viertel des ersten Schnitts liegt mit einem mittleren Trockenmassegehalt von 40,2 % etwas außerhalb des Zielbereichs. Das untere Viertel des ersten Schnitts liegt im Zielbereich mit 32,4 %. Die Schwankungsbreite der Trockenmassegehalte liegt zwischen 18,7 und 58,4 %. Diese Einzelwerte verdeutlichen die große Streuungsbreite zwischen den Silagen.

Bei Silagen unter 25 % TM steigt das Risiko für Fehlgärungen durch Clostridien deutlich, da die Milchsäurebakterien den pH-Wert nicht rasch genug absenken, um deren Wachstum zu hemmen. Dies lässt sich anhand des Buttersäuregehalts der Probe überprüfen. Der Gehalt an Buttersäure sollte unter 0,3 % liegen. Bei 17 Proben ist ein Trockenmassegehalt von über 42 % festgestellt worden. Diese haben ein höheres Risiko für Nacherwärmung und Schimmelbildung und benötigen beim Öffnen einen hohen Vorschub.

Generell ist der Trockenmassegehalt bei der Silierung eine wichtige Stellschraube. Er lässt sich maßgeblich über Schnittzeitpunkt und Anwelken steuern und hat großen Einfluss auf den Silierprozess und die Silierbarkeit des Materials.

pH-Werte auf hohem Niveau

Die durchschnittlichen pH-Werte der diesjährigen Silagen liegen auf dem Vorjahresniveau bei 4,7. Auffällig beim ersten Schnitt ist, dass der pH-Wert des oberen Viertels bei 5,0 liegt. Dies deutet aufgrund des höheren Trockenmassegehaltes darauf hin, dass der Wassergehalt für eine optimale Gärung zu niedrig war. Das heißt, die Gärung war weniger intensiv. Wichtig ist, wenn der hohe Trockenmassegehalt bei der Ernte schon erkennbar wird, kurz zu häckseln, um eine optimale Verdichtung zu gewährleisten sowie sehr ordentlich und lange zu verdichten. Unterstützend für den Gärprozess wirken auch Siliermittel. Der Einsatz von DLG-geprüften Siliermitteln mit der Wirkungsrichtung 2 (Verbesserung der aeroben Stabilität) ist hier angebracht.

In Grafik 1 ist der pH-Wert in Abhängigkeit von der Trockenmasse der einzelnen Silagen aufgetragen. Der Zielbereich des pH-Wertes in Abhängigkeit von der Trockenmasse liegt unterhalb der roten Grenzlinie. Es ist ersichtlich, dass ein Großteil der Silagen oberhalb der Grenzlinie liegt und somit für Nacherwärmung und Schimmelbildung gefährdet ist. Im ersten Schnitt wurden 57 % der Silagen hinsichtlich ihrer Gärqualität mit „ausgezeichnet“ oder „sehr gut“ beurteilt. Die übrigen 43 % sollten nach der Öffnung dagegen kritisch beobachtet werden. Sie sind mit einem hohen Vorschub zu verfüttern, und die Temperatur sollte regelmäßig kontrolliert werden.

Grafik: Grassilage, pH-Wert

Rohaschegehalt im Mittel zu hoch

Der Rohaschegehalt liegt im Mittel beim ersten Schnitt bei 10 % und beim zweiten Schnitt bei 10,4 % und damit knapp am angestrebten Maximalwert von 10 %. Dies deutet auf einen hohen Eintrag an Erde und Schmutz in den Silostock hin. Dies kann durch Anpassung der Schnitthöhe beim Mähen und der Arbeitstiefe beim Schwaden verringert werden.

Viel Zucker: Nacherwärmung und Pansenacidose

Der Zuckergehalt der Silage sollte zwischen 3 und 8 % liegen. Dies gilt als Indikator für eine zügig verlaufene Gärung, denn in diesem Bereich stand den Milchsäurebakterien ausreichend Zucker zur Verfügung. Erhöhte Zuckergehalte von über 8 % sind tendenziell eher bei Silagen mit erhöhten TM-Gehalten zu finden. Diese können sich als echte Hochrisiko-Silagen entpuppen, da ein großes Nacherwärmungsrisiko besteht. Zusätzlich birgt der hohe Anteil leicht löslicher, pansenverfügbarer Kohlenhydrate die Gefahr einer Acidose. Hier sind die Silagen im oberen Viertel des ersten Schnitts gefährdet, da der Zuckergehalt im Mittel bei 12,7 % liegt. Grafik 2 stellt die Zuckergehalte über die Trockenmassegehalte dar. Es ist ersichtlich, dass einige Silagen oberhalb des Zielbereichs liegen.

Grafik: Grassilage, Zuckergehalt

Energiegehalt im Mittel sehr gut

Der Energiegehalt des ersten Schnitts liegt im Mittel bei 6,5 MJ NEL/kg TM und nach der neuen Energieversorgungsempfehlung (GfE, 2023) bei 11,8 MJ/kg TM. Diese überschreiten die Zielvorgaben (siehe Tabelle 1) und liegen über dem Vorjahresniveau von 6,4 MJ/kg TM. Diese Silagen eignen sich sehr gut als Grundlage für die Fütterung von laktierenden Kühen. Auffällig ist die große Differenz von 1,4 MJ zwischen dem oberen und unteren Viertel. Dies kann auf die unterschiedlichen Schnittzeitpunkte zurückgeführt werden, da mit einem späteren Schnitt der Energiegehalt der Silagen sinkt.

Der zweite Schnitt hat im Mittel einen Energiegehalt von 6,1 MJ NEL/kg TM und 11,2 MJ/kg TM nach der neuen GfE, 2023. Dies sind für einen zweiten Schnitt sehr gute Werte. Dies spiegelt das im Mittel kurze 4-Wochen-Schnittintervall zwischen dem 1. und 2. Schnitt wider.

Rohproteingehalte auf gutem Niveau

Beim ersten Schnitt wurden im Mittel 164 g Rohprotein/kg TM ermittelt. Dies liegt auf einem stabilen hohen Niveau und leicht über dem Vorjahresniveau (162 g/kg TM). Das nutzbare Rohprotein liegt bei 141 g/kg TM, mit einem RNB-Wert von 2,7 g/kg TM. Das untere Viertel der Silagen erreicht nur einen Rohproteingehalt von 138 g/kg TM und liegt damit knapp unter der Zielvorgabe von 140 g/kg TM. Nur 7 % der Silagen liegen unter einem Rohproteingehalt von 120 g/kg TM und müssen auch in der Jungrinder- und Trockensteherfütterung hinsichtlich einer ausreichenden Rohproteinversorgung beobachtet werden. Das untere Viertel der Silagen hat einen mittleren RNB von 1 g/kg TM. Bei der Verfütterung dieser Silagen in maisbetonten Rationen ist auf eine ausreichende Versorgung der Pansenmikroben mit Protein zu achten, um somit eine funktionierende mikrobielle Proteinsynthese zu gewährleisten.

Der zweite Schnitt hat im Mittel 163 g Rohprotein/kg TM und liegt damit auch auf einem guten Niveau. Das obere Viertel beim zweiten Schnitt liegt 20 g/kg TM über dem Niveau des ersten Schnitts. Dies lässt sich auf das kurze Schnittintervall von nur 4 Wochen zwischen erstem und zweitem Schnitt zurückführen: In dieser Zeit erreicht der Bestand kaum das generative Stadium, sodass der Aufwuchs überwiegend aus jungem, blattreichem Material mit höheren Rohproteingehalten besteht.

Rohfaser und Verdaulichkeit der organischen Masse

Der Rohfasergehalt wird maßgeblich von der Reife der Pflanzen bestimmt. Mit zunehmendem Alter nehmen Verholzung und Ligninbildung zu, und das Blatt-Stängel-Verhältnis verschiebt sich zugunsten der Stängel. Beides senkt die Verdaulichkeit. In der Hauptvegetationszeit des ersten Aufwuchses steigt der Rohfasergehalt um etwa 3–8 g/kg TM pro Tag an.

Mit 24,5 % liegt der Rohfasergehalt beim ersten Schnitt im oberen Bereich des Zielbereichs, während die Verdaulichkeit der organischen Masse, eine zentrale Kenngröße der neuen Versorgungsempfehlungen, mit 79,4 % oberhalb des Zielwertes liegt. Im unteren Viertel der Silagen nach Energiegehalt zeigt sich dabei deutlich das Zusammenspiel der Kenngrößen: Silagen mit geringerem Energiegehalt weisen zugleich höhere Rohfaser-, ADF- und NDF-Werte auf und bleiben auch bei der Verdaulichkeit unter dem Zielwert.

Beim zweiten Schnitt wird der Zielbereich des Rohfasergehalts dagegen weder im Mittel noch im oberen Viertel erreicht, im Mittel liegt er bei 26,4 %. Die Gräser wachsen in der Phase nach dem ersten Schnitt meist sehr schnell und versuchen, in die Samenreife zu kommen. Entsprechend schnell steigt der Rohfasergehalt der Aufwüchse an. Die Verdaulichkeit der organischen Masse liegt mit 76 % im Mittel dennoch oberhalb des Zielwertes von 73 %.

Bei Fragen wenden Sie sich an die Beratung

Mithilfe der vorliegenden Auswertung können die Ergebnisse der eigenen Silageuntersuchungen besser eingeordnet und Hinweise zum Umgang abgeleitet werden. Bei stark abweichenden Werten können zukünftige Verbesserungen gezielt geplant und umgesetzt werden.

Bei Fragen hierzu stehen die Beratungskräfte des LLH-Beratungsteams Tierhaltung (Link) sowie vom HVL und STA zur Verfügung.

Reifeuntersuchungen: Hinweise für den richtigen Schnittzeitpunkt

Ab der zweiten Aprilhälfte untersucht der LLH jeden Montag Aufwuchsproben von repräsentativen Standorten in Hessen auf ihren Futterwert. Die Ergebnisse erhalten die Abonnenten der LLH-Futterbauinfo direkt.

Hier geht es zur Anmeldung für die Futterbauinfo des LLH!

Ab dem darauffolgenden Mittwoch können sie auch auf der LLH-Website eingesehen werden.
Die Untersuchungen liefern damit wertvolle Hinweise für die künftige Futterqualität und die Planung der Ernte. Die Auswertungen berücksichtigen Regionen und Höhenlagen sowie die Artenzusammensetzung der beprobten Bestände. Damit liefern sie eine gute Orientierung für den eigenen Betrieb und helfen, den optimalen Schnittzeitpunkt einzuschätzen.

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