Maissilage – Grundfutter richtig einsetzen

Faserreiche Futtermittel können von Rindern effizient in Milch und Fleisch umgewandelt werden. Dazu zählt auch die Maissilage, die in vielen Milchviehbetrieben ein zentrales betriebseigenes Grundfuttermittel darstellt. Sie liefert Energie und Struktur und unterstützt damit Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere.

Für eine optimale Grundfutterqualität sind vor allem ein hoher Energiegehalt in der Trockenmasse, ein hoher Anteil ausgereifter Stärke, eine gute Restpflanzenverdaulichkeit sowie eine problemlose Silierbarkeit entscheidend. Die Wahl standortangepasster Maissorten trägt dabei entscheidend zu stabilen Erträgen bei.

Wird die Silage sauber konserviert, gelagert und bedarfsgerecht verfüttert, kann ein großer Anteil der Milchleistung direkt aus dem Grundfutter produziert werden und der Kraftfutterbedarf reduziert sich.

Inhaltsstoffe bestimmen die Ration

Der Futterwert von Maissilagen hängt sowohl von pflanzenbaulichen als auch und managementbezogenen Faktoren ab. Einen entscheidenden Einfluss auf die Rationsgestaltung hat der Gehalt an Stärke und anderen leicht abbaubaren Kohlenhydraten. Zwischen Silagen bestehen hier große Unterschiede: Im Jahr 2021 lagen die Werte der im Hessischen Landeslabor untersuchten Maissilagen zwischen 140 und 380 g Stärke/kg Trockenmasse, im Mittel bei 298 g. Angestrebt werden sollte ein Wert von mindestens 300 g/kg Trockenmasse.

3 fressende Rinder in einem Stall

Über die Sortenwahl und den Erntezeitpunkt kann hier steuernd eingegriffen werden. Niedrige Stärkegehalte gehen zum Teil mit hohen Zuckerkonzentrationen einher, was ein Hinweis auf zu frühe Ernte, unvollständige Abreife und damit mangelhafte Stärkeeinlagerung zum Erntezeitpunkt ist. Auch die Verdaulichkeit der Restpflanze beeinflusst den Energiegehalt deutlich. Sie lässt sich durch die Bestimmung von NDF-Gehalt und potentieller NDF-Verdaulichkeit einschätzen.

Eine Möglichkeit zur Bestimmung der Abreife der Pflanzen und damit des optimalen Erntezeitpunkts bildet die getrennte Messung der Trockenmasse-Gehalte der Kolben und der Restpflanze.

Als Richtwert gilt ein Trockenmassegehalt der Gesamtpflanze von 30–35 %. Mit zunehmender Reife steigt der Stärkeeinbau in die Körner, gleichzeitig sinkt die NDF-Verdaulichkeit – und damit die nutzbare Energie der Gesamtpflanze. Zu feuchte oder zu trockene Pflanzen bergen Silierprobleme und erhöhen das Risiko von Fehlgärungen.

Maissilage ist aufgrund ihrer leicht vergärbaren Kohlenhydrate und niedrigen Rohasche- und Rohproteingehalte grundsätzlich sehr silierfähig. Klassische Fehlgärungen treten daher nur selten auf. Problematisch kann jedoch die aerobe Stabilität nach dem Öffnen des Silos sein, insbesondere bei hohen Trockenmassegehalten, langen Häcksellängen oder unzureichender Verdichtung. Abhilfe schaffen die Kontrolle und Anpassung der Häcksellängen sowie geeignete Silierhilfsmittel und Verdichtungskontrollen mit dem Bohrstock.  Bei beginnender Nacherwärmung muss der Vorschub erhöht und damit die Ration angepasst werden.

Ertragserfassung für sichere Rationsplanung

Für eine verlässliche Jahresplanung der Futtervorräte sind möglichst genaue Ertragsdaten unverzichtbar. Diese können über Brückenwaagen oder am Feldhäcksler ermittelt werden. Auf Basis der geernteten Mengen sowie vorhandener Vorräte lassen sich Futterrationen für verschiedene Tiergruppen kalkulieren. So wird eine gleichmäßige Futterqualität gesichert und Futtermangel rechtzeitig erkannt. Bei Bedarf kann frühzeitig reagiert und die Fruchtfolge angepasst oder Futtermittel zugekauft werden.

Die Zusammensetzung der Rationen hängt stark von der Verfügbarkeit von Mais- und Grassilagen ab. Der jeweilige Anteil beeinflusst auch die Auswahl der Ergänzungsfuttermittel.

Maissilage hat im Vergleich zu Gras eine geringere Strukturwirksamkeit im Pansen. Bei hohen Maisanteilen müssen deshalb zusätzliche strukturwirksame Futtermittel (z. B. Stroh) in die Ration eingemischt werden, um Wiederkauaktivität und Pansenstabilität zu sichern. Mais enthält zudem mit bis zu 40 % einen hohen Anteil beständiger Stärke, die nicht im Pansen, sondern erst im Dünndarm verdaut wird. Das senkt das Risiko einer Pansenazidose, insbesondere bei kraftfutterreichen Rationen, und entlastet die Leber. Allerdings ist die Kapazität der Stärkeverdauung im Dünndarm begrenzt und für den Aufbau von Mikrobenprotein im Pansen muss ausreichend Energie verfügbar sein. Ein zu hoher Anteil beständiger Stärke – besonders gegen Ende der Laktation – kann zudem zu Verfettung der Milchkühe führen und die Abkalbung beziehungsweise den Start in die nächste Laktation erschweren.

Der Gehalt an beständiger Stärke in Maisprodukten hängt von Erntezeitpunkt, Konservierung und Lagerdauer ab. Während reiferer Mais höhere Gehalte aufweist, sinkt dieser Anteil durch die Säureeinwirkung bei der Silierung und mit längerer Lagerung im Silostock ab. In Maissilagen liegen die Werte meist bei 10–15 %.

Proteinergänzung notwendig

Mais weißt eine negative ruminale Stickstoffbilanz auf und deckt den Proteinbedarf von Milchkühen nicht ab. Zudem zeigen Analysen sinkende Rohproteingehalte in Maissilagen. Deshalb ist der Einsatz von Proteinausgleichsfuttermitteln erforderlich.

Bei der Wahl des Ausgleichsfutters sollte abhängig von der Futtervorlage auf eine synchrone Abbaubarkeit im Pansen geachtet werden. Rapsextraktionsschrot wird oft zum Ausgleich eingesetzt. Es ist schnell abbaubar und passt daher weniger gut zu Maisstärke. Biertreber hingegen ist langsamer abbaubar und eignet sich besser zur Kombination mit Maisstärke. So wird die mikrobielle Proteinsynthese im Pansen gefördert und die Versorgung mit nutzbarem Rohprotein im Dünndarm verbessert.

Mineralstoffergänzungen sind abhängig vom Rationsaufbau ebenfalls notwendig.

Futtermittelanalysen und Rationskontrolle

Eine wiederkäuer- und bedarfsgerechte Fütterung von Milchkühen setzt präzise Rationsberechnungen voraus. Dafür sollten betriebseigene Futtermittel und Zukauffuttermittel ohne Deklaration regelmäßig analysiert werden – nur so können betriebsspezifische Futterrationen erstellt und die Inhaltsstoffe der Futtermittel gezielt genutzt werden.

Hohe Futteraufnahmen lassen sich durch täglich frisch vorgelegte, hygienisch einwandfreie und schmackhafte Rationen, häufiges (ggf. automatisiertes) Anschieben am Trog und tägliches Entfernen von Futterresten sichern. Ergänzend sollte eine Rationskontrolle inklusive der Überprüfung der Trockenmasse-Aufnahme regelmäßig durchgeführt werden. Diese kann durch Messung der Trockenmassegehalte in der Ration, der Menge an vorgelegtem Futter sowie der verbleibenden Futterreste im Trog mit einfachen Mitteln auf dem Betrieb bestimmt werden.

Fazit

Maissilage ist ein wertvolles Grundfutter, wenn Sortenwahl, Ernte, Silomanagement und Rationsgestaltung optimal aufeinander abgestimmt sind. Entscheidend sind eine hohe Silagequalität, eine gezielte Ergänzung mit Protein- und Strukturkomponenten sowie eine kontinuierliche Kontrolle der Ration. Nur so lassen sich Milchleistung, Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit nachhaltig sichern.

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