Erhöhtes Mutterkornaufkommen 2026: Getreidepartien sorgfältig kontrollieren

Getreideähre mit Mutterkorn
Mutterkorn

In der Getreideernte 2026 ist es zu einem vermehrten Auftreten von Mutterkorn gekommen. Betroffen sind neben Roggen und Triticale auch zahlreiche Weizenpartien. Trotz überwiegend trockener Witterung zur Blüte haben lange Blühphasen, beispielsweise durch spätere Seitentriebe, die Infektionsmöglichkeiten verlängert.

Mutterkorn ist hochgiftig und darf im Erntegut nur in sehr geringen Mengen enthalten sein. Der Höchstgehalt für Getreide, welches zu Lebensmitteln verarbeitet wird, liegt bei 0,02 % und bei Futtergetreide bei 0,1 %, also 0,2 g bzw. 1,0 g pro Kilogramm Getreide. Deshalb sollte das Erntegut sorgfältig kontrolliert und bei Befall getrennt erfasst werden. Eine Reduktion der Gehalte ist mit geeigneten Reinigungssystemen mit Gewichts- oder Farberkennung möglich.

Für die kommenden Anbaujahre lässt sich das Risiko vor allem durch vorbeugende Maßnahmen im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes reduzieren:

  • weniger anfällige Sorten wählen,
  • weite Fruchtfolgen einhalten,
  • gereinigtes Saatgut verwenden,
  • Ausfallgetreide und Gräser wie Ackerfuchsschwanz konsequent bekämpfen,
  • Mutterkorn durch eine intensive Bodenbearbeitung in den Boden einarbeiten, damit die Sklerotien schneller abgebaut werden.
  • Eine wirksame Bekämpfung ist nur vorbeugend möglich. Daher sollten auffällige Bestände bereits während der Ernte dokumentiert werden, um die Fruchtfolge und das Bestandsmanagement im kommenden Jahr gezielt anzupassen.

Folgen für die Schweinefütterung

Bei Schweinen zeigt sich eine Belastung des Futters mit Mutterkorn an verschiedenen Symptomen. So kommt es zu einer geringeren Futteraufnahme und somit geringerem Wachstum bei Aufzuchtferkeln und Mastschweinen. Bei Sauen bedeutet dies eine Unterkonditionierung tragender Sauen und ein verstärktes Absäugen laktierender Sauen. Bei diesen ist auch die Milchbildung reduziert bis hin zum vollständigen Versiegen der Milchproduktion.

Das Gift hat ebenso Folgen für die Trächtigkeit der Sauen. So kann es zu einer verkürzten Trächtigkeitsdauer bis hin zu Aborten führen. Die Frühgeburten führen zu mehr Totgeburten und lebensschwach geborenen Ferkeln.

Bei der Wiederbelegung der Sauen kommt es zu unregelmäßigen Umrauschern bis hin zur völligen Unfruchtbarkeit.

Durch Verengungen in den Blutgefäßen kann es zum vermehrten Auftreten von Schwanz- und Ohrnekrosen kommen. Das Risiko für das Auftreten von Schwanzbeißen ist deutlich erhöht.

Grundsätzlich reagieren Sauen und Saugferkel empfindlicher auf mutterkornbelastetes Getreide als Mastschweine. Bereits die oben genannten 0,1 % oder 1 g pro kg Futter können zu den beschriebenen Symptomen führen.

Folgen für die Rinderfütterung

Bei Rindern ist die Verfütterung von mit Mutterkorn belastetem Getreide ebenfalls problematisch. Die wichtigsten Ansatzstellen der Giftwirkung sind das Nerven- und das Blutgefäßsystem. Die Alkaloide im Mutterkorn wirken gefäßverengend und greifen in das Nervensystem ein. Die wichtigsten Symptome beim Rind sind:

  • Senkung der Futteraufnahme bis zur Futterverweigerung (der gesamten Ration)
  • Rückgang der Milchmenge
  • drastische Erhöhung der Zellzahl
  • gesteigerte Wasseraufnahme
  • gesteigerte Speichelsekretion
  • gesteigerte Atmungsfrequenz, erhöhte Körpertemperatur
  • zentralnervöse Störungen, Erregungs- und Krampfzustände, Aggressionen, Inkoordination, Opisthotonus (krampfartiges Rückwärtsbiegen des Kopfes) sowie auch Sedation (Dämpfung)
  • Laxieren und gastrointestinale Störungen
  • Durchblutungsstörungen
  • ausgeprägte Klauenrehe mit assoziierten Klauenerkrankungen
  • Gangrän (Nekrosen) bis zur Mumifikation an den Extremitäten
  • Uteruskontraktionen (oxytozinähnliche Effekte), Stimulation der glatten Muskulatur
  • Gebärmutterzysten
  • Aborte, Totgeburten
  • Verendungen

Besonders tückisch ist die sehr individuelle Tierreaktion auf die Aufnahme von Mutterkorn. Die Symptome können sich sehr unspezifisch zeigen. Die Symptome treten frühestens 3 Tage nach Beginn der Fütterung mit den Alkaloiden auf, in der Regel aber erst nach 2–3 Wochen. Zudem sind chronische Vergiftungen häufiger als akute.

Für die Diagnostik sollte das verdächtige Futter abgestellt und ein Nachweis auf Mykotoxine veranlasst werden. Die Probennahme sollte an mehreren Stellen erfolgen, da die Mykotoxine nicht gleichmäßig im Futter verteilt sind. Deshalb ist es ratsam, mehrere Proben an verschiedenen Orten zu nehmen.


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