Endoparasiten bei Rindern – auf der Weide und im Stall
Dem Themenkomplex Endoparasiten und entsprechenden Bekämpfungsstrategien widmete sich Frau Dr. Stefanie Kewitz im Rahmen einer Veranstaltung des Netzwerks Fokus Tierwohl. Sie ist als Referentin für tiergerechte Nutztierhaltung am LfULG Sachsen tätig und beschäftigt sich dort intensiv mit den Auswirkungen parasitärer Erkrankungen.
Parasiten sind Organismen, die auf oder in einem anderen Lebewesen – dem sogenannten Wirt – leben und diesem meist Schaden zufügen. Man kann sie danach unterscheiden, wo sie sich im Körper befinden (außen = Ektoparasiten, innen = Endoparasiten) und in welcher Haltungsumgebung (Stall oder Weide) sie überwiegend aufgenommen werden.
Bei manchen Parasiten fungiert das Rind als Endwirt, etwa bei Magen-Darm- oder Lungenwürmern. In diesem Fall erreicht der Parasit im Rind seine Geschlechtsreife und vermehrt sich dort. Für bestimmte Entwicklungsstadien sind jedoch Zwischenwirte erforderlich, wie beispielsweise die Zwergschlammschnecke beim Leberegel.
Ist das Rind hingegen ein sogenannter Fehlwirt, kann der Parasit zwar in den Wirt eindringen, seinen Entwicklungszyklus jedoch nicht vollständig abschließen. Dies ist z. B. bei Neospora caninum (bedeutender Verursacher von Aborten beim Rind, Endwirte = Hund, Wolf) der Fall.

Magen-Darm-Würmer und Lungenwürmer
Ein grundsätzliches Risiko bei Parasiteninfektionen besteht darin, dass sie häufig subklinisch, d. h. ohne eindeutige klinische Symptome, verlaufen und dennoch das Tier belasten. Rinder können eine gewisse Parasitenbelastung tolerieren. Wie Kewitz betont, ist bei den meisten Endoparasiten deshalb keine Nulltoleranzstrategie erforderlich. Besondere Aufmerksamkeit ist jedoch bei Jungrindern im ersten Weidejahr geboten.

Ein Befall mit Magen-Darm-Würmern (MDW) äußert sich oft durch verzögerte Entwicklung, stumpfes oder struppiges Fell sowie geringere tägliche Gewichtszunahmen, wobei Todesfälle selten sind. Der Entwicklungszyklus der MDW beträgt rund drei Wochen, sodass der Infektionsdruck während der Vegetationsperiode kontinuierlich ansteigt. Die Tiere nehmen infektiöse Larven über das Weidefutter auf. Die Larven durchdringen bei MDW die Schleimhaut des Labmagens, beim Lungenwurm die Dünndarmschleimhaut und das Lymphsystem und nutzen dabei Nährstoffe des Wirts für ihre weitere Entwicklung.
Rinder können sowohl gegen MDW als auch gegen Lungenwürmer eine Immunität entwickeln. Im Gegensatz zu MDW ist die Immunität gegen Lungenwürmer jedoch zeitlich begrenzt. In der Praxis wurden beispielsweise Kühe mit zuvor erworbener Immunität beobachtet, die nach zwei trockenen Jahren in einem anschließenden feuchten Jahr aufgrund eines akuten Lungenwurmbefalls Husten zeigten. Während MDW-Larven Trockenperioden im Kot oder in Grasresten überstehen können, sind Lungenwurmlarven gegenüber Trockenheit empfindlich und sterben meist bereits nach etwa einer Woche ab. Beide Parasitenarten können jedoch im Wirt überwintern (Hypobiose) und ihren Entwicklungszyklus im folgenden Weidejahr fortsetzen.
Vorbeugende Maßnahmen

Eine zentrale vorbeugende Maßnahme, besonders für erstsömmrige Jungrinder, ist daher der Auftrieb auf möglichst parasitenarme Flächen. Geeignet sind beispielsweise Weiden, die vor dem Auftrieb gemäht wurden. Auch Mäh- oder Umtriebsweiden mit einem Wechselintervall von unter drei Wochen können den Parasitendruck reduzieren. Da viele Parasiten wirtsspezifisch sind, kann zudem eine Wechselbeweidung mit Schafen oder Pferden sinnvoll sein.
Einsatz von Anthelminthika
Beim Einsatz von Anthelminthika müssen die zunehmende Resistenzentwicklung sowie mögliche Umweltwirkungen berücksichtigt werden. Eine Behandlung sollte daher entweder nach gesichertem Befallsnachweis oder gezielt zum strategisch richtigen Zeitpunkt erfolgen. Der Nachweis erfolgt über Kotproben, entweder von Einzeltieren oder als Sammelprobe. Jungtiere mit Symptomen wie dünnflüssigem Kot oder struppigem Fell sollten entsprechend behandelt werden.
Eine Möglichkeit, die Entstehung von Resistenzen zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen, ist die sogenannte Refugiumstrategie. Dabei werden nur klinisch auffällige Tiere behandelt. Sollten resistente MDW auftreten, paaren sich diese mit noch empfindlichen (sensiblen) Parasiten. Auf diese Weise bleibt die nachfolgende Generation weiterhin gegenüber dem eingesetzten Wirkstoff empfindlich. Werden hingegen alle Tiere pauschal und ohne Strategie behandelt, vermehren sich resistente Würmer untereinander und können die Weidefläche rasch dominieren. Aus diesem Grund wird das frühere „Dose-and-Move“-Verfahren – Behandlung der gesamten Herde mit anschließendem sofortigem Umtrieb auf eine parasitenfreie Fläche – heute nicht mehr empfohlen, da es die Ausbreitung resistenter Parasiten begünstigt.
Großer Leberegel
Entscheidend für das Auftreten des Großen Leberegels sind Flächen, auf denen die Zwergschlammschnecke einen Lebensraum findet. Sumpfige, nasse Stellen und Bachläufe, aber auch Bereiche mit Trittschäden (z. B. unbefestigte Futter- oder Tränkestellen), bieten ideale Lebensräume für die Zwergschlammschnecke. In ihr reifen die Larven heran, gelangen anschließend über Wasser und Feuchtigkeit auf die Pflanzen und werden dann von den weidenden Rindern aufgenommen. Nach der Aufnahme durchdringen die Larven die Darmwand, gelangen in die Bauchhöhle und wandern schließlich in die Leber.
Die Leber, das zentrale Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan, wird durch den Befall geschädigt, was die Gesundheit der Tiere beeinträchtigt. Schlachthofbefunde können als wichtiger Befallsnachweis dienen, werden jedoch nicht routinemäßig an die Tierhalter übermittelt.
Die Bekämpfung sollte hier unbedingt strategisch erfolgen, was oftmals einige Jahre in Anspruch nimmt. Der Einsatz von Anthelminthika bei Rindern ist aufgrund eingeschränkter Zulassungen, Wartezeiten und der begrenzten Wirkung auf bestimmte Entwicklungsstadien des Parasiten im Tier erschwert. Hinzu kommt, dass adulte Rinder lediglich eine Teilimmunität entwickeln können. Daher liegt der Schwerpunkt der Bekämpfungsmaßnahmen auf einer gezielten Weideplanung, z. B. mit dem Aussparen entsprechend nasser Teilflächen oder auch der Befestigung von Futter- und Tränkestellen.
Kryptosporidien und Kokzidien bei Kälbern
Kryptosporidien sind insbesondere auf Milchviehbetrieben vorzufinden und infizieren hauptsächlich Saugkälber in Stallhaltung im Alter von 10 bis 30 Lebenstagen. Auf Weiden treten sie zwar ebenfalls auf, bei Mutterkuh-Kälbern verursachen sie jedoch selten Probleme.
Betroffene Kälber zeigen anhaltend wässrigen Durchfall und scheiden dabei infektiöse Oozyten aus. Die Übertragung erfolgt beispielsweise über kontaminiertes Futter, Wasser oder auch Stallstiefel. Menschen können ebenfalls betroffen sein, da es sich um eine Zoonose handelt. Effektive Bekämpfungsmaßnahmen umfassen insbesondere die Reinigung und Desinfektion, aber auch das Tragen separater Stiefel für den Kälberbereich sowie die seit 2024 zugelassene Muttertierimpfung. Eine Immunität gegen den Erreger kann somit aufgebaut werden.
Tritt ein durch Parasiten verursachter Durchfall später auf, also zwischen der dritten Lebenswoche und dem sechsten Monat, sind oft Kokzidien die Auslöser. Aufgrund verschiedener Erregerformen unterscheidet man zwischen Stall- und Weidekokzidiose. Die infektiösen Oozyten können in kühler und feuchter Umgebung mehrere Monate überleben, was insbesondere auf Kälberweiden und in schwer zu reinigenden Stallungen problematisch sein kann.
Ein weiterer, bei Kälbern häufig vorkommender Durchfallverursacher sind Giardien (Giardia spp.). In Schleswig-Holstein wurden sie in 90 % der untersuchten Betriebe nachgewiesen. Auch hier besteht ein Infektionsrisiko für Menschen, was zu oftmals schwer therapierbarem, langanhaltendem Durchfall führen kann.
Praxistipps
Eine aufgebaute Immunität gegen MDW und Lungenwürmer führt dazu, dass weniger Tiere erkranken, die Entwicklung der Parasiten im Rind reduziert wird und auch die Ausscheidungsrate infektiöser Larven sinkt. Mutterkuh-Kälber, die im Winter sowie im zeitigen Frühjahr geboren wurden, sind in der folgenden Weideperiode meist deutlich weniger mit MDW und Lungenwürmern befallen als andere Kälber. Dies liegt zum einen daran, dass die Muttertiere infektiöse Larven aufnehmen und durch ihre Immunität den Befallsdruck reduzieren. Zum anderen beginnen die Kälber nach und nach mit der Weidefutteraufnahme und bauen somit eine eigene Immunität auf.
In der Milchviehhaltung sollten erstsömmrige Jungrinder unbedingt getrennt von älteren Tieren aufgetrieben werden, weil sonst das Risiko besteht, dass Parasiten durch die älteren Tiere ausgeschieden werden und die jüngeren Tiere infizieren.
Eine Aufstallungsbehandlung ist grundsätzlich bei Standweidesystemen sinnvoll, um die Infektionslast für Tier und Weide im Folgejahr zu reduzieren. Gleichzeitig kann hiermit eine Behandlung gegen Lungenwürmer und Ektoparasiten erfolgen, bestenfalls im gesamten Bestand.
Für die Stalldesinfektion gegen Endoparasiten empfiehlt Frau Dr. Kewitz, Desinfektionsmittel aus der entsprechenden DVG-Desinfektionsmittelliste für den Tierbereich zu verwenden. Hierbei sollte gezielt nach antiparasitärer Wirkung sortiert werden. Zu beachten ist, dass eine Desinfektion grundsätzlich nur auf sauber gereinigten Flächen erfolgen sollte, da die Mittel nicht auf Oberflächen mit Eiweißresten (Kot, Harn, Futter) wirken. Zudem ist die korrekte Anwendung entscheidend, insbesondere die richtige Konzentration, Einwirkzeit und Umgebungstemperatur.
In der Praxis stellt sich auch die Frage, ob Weißkalk zur Stalldesinfektion weiterhin seine Berechtigung hat. Frau Dr. Kewitz bestätigt dies: „Löschkalk, also Calciumhydroxid, bekannt auch als Kalkmilch, hat weiterhin seine Berechtigung für die Stalldesinfektion. Die natürliche Zusammensetzung erlaubt auch den Einsatz in Bio-Betrieben. Bei besonders widerstandsfähigen Erregern, wie Parasiten-Oozysten, reicht der Löschkalk jedoch nicht für eine vollständige Desinfektion aus. Daher sollte er eher ergänzend zur allgemeinen Stallhygiene verwendet werden.“









