Schweinehaltung: Wasserversorgung und Qualität regelmäßig prüfen

Blick in ein Stallabteil mit Ferkeln. In der Mitte ist eine offene Tränke zu erkennen.
Abb. 1: Offene Tränken in der Mitte des Aktivitätsbereich: Tränken bleiben sauber und sind gut erreichbar. Die Anbringung von Ketten in Nähe der Tränken vermeidet ein Zulegen der Tränken. Quelle: MuD Tierschutz © BLE

Das Thema Tränkwasser für Schweine scheint auf den ersten Blick allseits bekannt. Dennoch zeigen sich in der Praxis immer wieder Probleme mit der Wasserversorgung und -qualität. Nicht selten finden sich zu hohe oder zu niedrige Durchflussraten, zu wenige oder ungünstig angeordnete Tränken sowie Wasser von nicht einwandfreier Qualität. Dies führt häufig dazu, dass die Schweine nicht ausreichend Wasser aufnehmen und dadurch Gesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigt werden.

Wasser ist das wichtigste Futtermittel für Schweine. Viele Prozesse im Körper können nur dann optimal ablaufen, wenn qualitativ einwandfreies Wasser in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Wasser ist am Nährstofftransport, an Verdauungsprozessen, der Entgiftung und der Thermoregulation beteiligt. Bei Wassermangel werden diese Prozesse gestört, wodurch die Tiere anfälliger für Krankheiten und Vergiftungen sind. Letztlich führt ein Mangel zu einer verminderten Futteraufnahme und geringeren Leistungen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass alle Tiere jederzeit Zugang zu einwandfreiem Wasser haben. Das Wasser sollte sauber, ungetrübt und frei von Fremdgerüchen sein.

Die richtige Menge zum richtigen Zeitpunkt

Die vom Schwein benötigte Wassermenge wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören beispielsweise Alter, Lebendmasse, Leistungsniveau sowie die Umgebungstemperatur. Im Durchschnitt liegt der Wasserbedarf eines Schweins bei etwa 10 % seines Körpergewichts. Die aufgenommene Wassermenge hängt neben Verfügbarkeit und Qualität des Wassers auch von der Futterzusammensetzung und der Wassertemperatur ab. Die optimale Wassertemperatur liegt zwischen 12 °C und 22 °C.

Nahaufnahme einer Sau an einer Tränke: Darunter ist eine tiefergesetzte Tränke für Ferkel zu sehen.
Abb. 2: Mutter-Kind-Tränken fördern das Erlernen der Wasseraufnahme von Saugferkeln. Quelle: MuD Tierschutz © BLE

Besonders wichtig ist außerdem, dass die Durchflussraten der Tränken an die Tiere angepasst sind. Bei einer zu geringen Durchflussrate nehmen die Tiere zu wenig Wasser auf, da unter Umständen nicht genügend Zeit bleibt, bevor sie von Buchtengenossen verdrängt werden. Der daraus resultierende Mangel und die Frustration können dazu führen, dass Buchtengenossen belästigt und gebissen werden, wodurch sich schließlich ein Schwanzbeißgeschehen entwickeln kann. Auch die Futteraufnahme, insbesondere bei Trockenfutter, wird reduziert.

Ist die Durchflussrate dagegen zu hoch oder spritzt das Wasser aus den Tränken, werden die Tiere vom Wasserstrahl abgeschreckt. Zusätzlich kommt es zu Wasserverschwendung und in der Folge zu einem erhöhten Gülleanfall.

Die Bestimmung der Durchflussrate einer Tränke lässt sich einfach durchführen. Hierzu wird für 30 Sekunden ein Litermaß unter die laufende Tränke gehalten. Die gemessene Menge wird anschließend verdoppelt, um die Durchflussrate pro Minute zu ermitteln. Das Auslitern aller Tränken sollte regelmäßig und insbesondere nach Reinigungsarbeiten erfolgen. Eine Übersicht zum Wasserbedarf und zur optimalen Durchflussmenge der Tränken findet sich in Tabelle 1.

Tabelle 1: Um ausreichend Wasser aufnehmen zu können, ist die Durchflussmenge der Tränken entscheidend. Sie sollte an den jeweiligen Haltungsabschnitt angepasst werden.

HaltungsabschnittLebendmasse [kg]Wasserbedarf [l / Tier und Tag]Durchflussmenge [l / min]
Saugferkel< 90,7 – 10,4 – 0,5
Absetzferkel< 291 – 30,5 – 0,7
Mastschweine< 503 – 60,6 – 1,0
50 – 805 – 8,50,8 – 1,2
80 – 1208,5 – 111,5 – 1,8
güste und niedertragende Sauen8 – 121,5 – 1,8
hochtragende Sauen10 – 151,5 – 1,8
säugende Sauen15 + 1,5 / Ferkel2,5 – 3,0
Eber12 – 151,0 – 1,5
Quelle: DLG-Merkblatt 464 – Fütterung und Tierwohl beim Schwein, 2021

Im Hochsommer nehmen die Tiere teilweise die doppelte Wassermenge auf. Je höher die Leistung und je niedriger die Luftfeuchtigkeit im Stall ist, desto größer ist der Wasserbedarf.

Freier Zugang zu den Tränken

Ferkel vor Tränknippeln an einer Wandleitung im Stall
Abb. 3: Tränknippel in unterschiedlicher Höhe an einer Durchflussleitung montiert erleichtern die Wasseraufnahme in jeder Wachstumsphase. Quelle: MuD Tierschutz © BLE

Die Anzahl der Tränken spielt eine wichtige Rolle für die Wasserverfügbarkeit. Bei Gruppenhaltung ist eine Tränke für maximal 12 Schweine vorgeschrieben (Ausnahme: Saugferkel). Um jederzeit freien Zugang zum Wasser zu gewährleisten, sollten jedoch immer mindestens zwei Tränkestellen pro Bucht vorhanden sein. Wird eine Tränkestelle beispielsweise von einem ranghohen Tier durch Ablegen blockiert, entsteht ansonsten für die restliche Gruppe Stress. Insbesondere im Sommer nutzen die Tiere den Tränkebereich zur Abkühlung und versperren dadurch den Zugang zum Wasser. Sind mehrere Tränken in der Bucht verfügbar, steigt die Wahrscheinlichkeit, ungehindert an Wasser zu gelangen.

Um ein Zulegen der Tränken zusätzlich zu vermeiden, ist es hilfreich, Beschäftigungsmaterial wie kleingliedrige Ketten neben den Tränken anzubringen. Bei der Installation der Tränken ist zudem auf die Einbauhöhe zu achten. Nur Tränken, die für die Tiere körperlich erreichbar sind, können in das genannte Tier-Tränke-Verhältnis von maximal 12:1 eingerechnet werden. Die optimale Höhe der Tränke hängt sowohl von der Größe der Tiere als auch von der Art der Tränke ab. Richtwerte zur Einbauhöhe finden sich in Tabelle 2. Aufgrund des schnellen Wachstums der Ferkel in der Ferkelaufzucht bieten sich insbesondere höhenverstellbare oder stufenweise angeordnete Tränken an.

Tabelle 2: Die Einbauhöhe der Tränken ist wichtig für eine gute Erreichbarkeit des Wassers. Sie ist abhängig von der Art der Tränke und der Größe der Schweine.

 Einbauhöhe (mm)
BeckentränkenZapfentränken
45° Anstellwinkel zur Wand90° Anstellwinkel zur Wand
Saugferkel80 – 105150100
Absetzferkel80 – 105  
       7 kg250200
     15 kg450350
     25 kg550450
Mastschweine250 – 300650550
Jungsauen250 – 300750650
Sauen und Eber350 – 400900750
Quelle: DLG-Merkblatt 351 – Tränketechnik für Schweine, 2008

Tränkenarten und ihre Verwendung 

Ein Ferkel trinkt im Stall aus einer Beckentränke, die an einer Mauer befestigt ist. Davor sind weitere Ferkel zu sehen.
Abb. 4: Beckentränken werden schnell gefunden und gerne genutzt. Quelle: MuD Tierschutz © BLE

Damit die Schweine auch nach einer Umstallung das Wasser möglichst schnell finden, sollten in allen Haltungsabschnitten die gleichen Tränken verwendet oder gleichzeitig verschiedene Tränkentypen (z. B. Nippel- und Beckentränken) angeboten werden. Besonders vorteilhaft sind offene Tränkestellen wie Becken- oder Aqualeveltränken, da das Saufen daraus nicht erlernt werden muss. Die Schweine können entsprechend ihres natürlichen Saufverhaltens das Wasser herausschlürfen.

Positiv bewährt hat sich der Einbau von Mutter-Kind-Tränken und Saugferkelbeckentränken bereits im Abferkelstall. So können die Ferkel die Wasseraufnahme bereits von der Mutter erlernen. Bei der Umstallung in die Ferkelaufzucht sollten zumindest in den ersten Tagen offene Tränkestellen angeboten werden, bis die Ferkel die Nippeltränken sicher nutzen. Dies lässt sich besonders einfach durch Klemmtröge umsetzen. Dabei ist darauf zu achten, das Wasser regelmäßig zu erneuern, um eine Keimbelastung zu vermeiden.

Auch in den weiteren Haltungsabschnitten bringen offene Tränken Vorteile für die Wasseraufnahme. Dabei ist besonders auf die Platzierung in der Bucht zu achten. Sie sollten im Aktivitätsbereich und möglichst mittig in der Bucht installiert werden, um ein Verkoten zu vermeiden. Zusätzlich hilft die Anbringung auf einer kleinen Stufe dabei, die Tränke sauber zu halten.

Wasserhygiene und -qualität

Da sich im Laufe der Zeit schädliche Keime in Form eines Biofilms in den Leitungen ablagern können, sollte das Tränkwasser mindestens einmal jährlich mikrobiologisch untersucht werden. Bei der Verwendung von Wasser aus einem eigenen Brunnen sollten zusätzlich die physiko-chemischen und chemischen Parameter untersucht werden.

Folgende Orientierungswerte sollten dabei nicht unter- beziehungsweise überschritten werden:

Tabelle 3: Mikrobiologische Parameter zur Tränkwasserqualität (nach LHL)

ParameterEinheitOrientierungswert für die Eignung von Tränkwasser
Aerobe Gesamtkeimzahl bei 22°CKbE/ ml< 10.000
Aerobe Gesamtkeimzahl bei 36°CKbE/ ml< 1.000
Coliforme KeimeKbE/100 ml<10
Escherichia coliKbE/100 ml0

Tabelle 4: Physiko-chemische und chemische Parameter zur Tränkwasserqualität (nach BMEL)

ParameterEinheitOrientierungswert
für die Eignung als Tränkwasser
Mögliche Störungen bei Unter- bzw. Überschreitung
der Orientierungswerte
Physiko-chemische Parameter (nach BMEL)
pH-Wert>5, <9Korrosion im Leitungssystem
Elektrische Leit-fähigkeit bei 25°CµS/cm< 3000Evtl. Durchfälle bei höheren Werten, Schmackhaftigkeit
Chemische Parameter (nach BMEL)
Eisen (Fe)mg/l<3Antagonist zu anderen Spuren-elementen, Biofilmbildung, Geschmacksbeeinflussung
Calcium (Ca)mg/l<500Kalkablagerungen in Rohren und Ventilen
Nitrat (NO3)mg/l<200Harntreibend, schädigen der Darmschleimhaut
Sulfat (SO4)mg/l<500Abführender Effekt, Geschmack

Die Tränkwasserproben sollten möglichst direkt an der Tränke sachgerecht entnommen werden. Treten Abweichungen bei den mikrobiologischen Parametern auf, sollte eine Wasserhygienisierung installiert werden. Um „Standwasser“ zu vermeiden, sollten nach Möglichkeit Ringleitungen verbaut werden. Vor der Neubelegung eines Abteils oder Stalles sind die Wasserleitungen zu spülen, damit Ablagerungen aus den Leitungen nicht mit dem Tränkwasser aufgenommen werden.

Für die Beratung zum Thema Tränkwasser und zur korrekten Probenentnahme wenden Sie sich an die Beraterinnen und Berater des LLH.

Checkliste für eine optimale Wasserversorgung

✔ Wasser ist jederzeit für alle Tiere frei verfügbar (tägliche Kontrolle)
✔ Sauberes, ungetrübtes Wasser, frei von Fremdgerüchen
✔ Tränkesystem in allen Haltungsabschnitten gleich oder offene Tränken, bis das neue System erlernt wurde
✔ Maximal 12 (besser 10) Tiere pro Tränke, mindestens jedoch 2 Tränken
✔ Tränkehöhe an die Tiergröße angepasst
✔ Durchflussraten an die Tiere angepasst
✔ Wassertemperatur zwischen 12 und 22 °C
✔ Standwasser vor der Einstallung ablaufen lassen
✔ Regelmäßige Tränkwasseruntersuchung

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