Weite Reihe – Praktische Anleitung für die Umsetzung im Feld
Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie der Getreideanbau in Weiter Reihe praktisch umgesetzt werden kann.
Biodiversitätsziele und betriebliche Aspekte im Blick
Ackerbau und eine umfassende Förderung der Artenvielfalt auf derselben Fläche, geht das?
Ja – beim Getreideanbau in erweitertem Reihenabstand mit oder ohne Untersaat lassen sich Nahrungs- oder Futtermittelproduktion und die Förderung von Artenvielfalt gut verbinden. Das Anbauverfahren bringt, je nach Ausgestaltung, zahlreiche ackerbauliche und ökologische Vorteile mit sich:

Vorüberlegungen
Auswahl des Standortes
Bei der Standortwahl gibt es einige Punkte zu bedenken:
Geeignete Flächen
- Vernetzung fördern: Flächen in der Nähe zu Blühstreifen oder Landschaftselementen
- Idealerweise mit mind. 100 m Abstand von Wäldern oder hohen Baumreihen (Raubvögel) und mind. 50 m von Straßen
- Untersaat kann als Zwischenfrucht oder zur Erfüllung von GLÖZ 6 (Begrünung über Winter) weitergeführt werden
- Flächen in Wasserschutzgebieten zur leichteren Einhaltung der Düngeverordnung
Ungeeignete Flächen
- Feuchte Flächen, auf denen eine gute Saatbettbereitung erschwert ist
- Erosionsgefährdete Flächen, bzw. hier unbedingt eine Untersaat einsäen und quer zum Hang arbeiten
- Flächen mit einem hohen Druck an Beikräutern, insbesondere Gräser, Distel, Ackerwinde, Melde, Weißer Gänsefuß, Kamille oder Windenknöterich
- Flächen, auf denen Stroh abgefahren werden soll
Vorbeugende Maßnahmen zur Beikrautregulierung
Eine sorgfältige Saatbettbereitung mit falschem Saatbett verhindert das Auflaufen unerwünschter Beikräuter im Bestand. Hinweise finden Sie im Beitrag „So gelingt die Anlage einer Blühfläche“.
Sorten- und Mischungswahl


Im Projekt „Weite Reihe Getreide mit blühender Untersaat“1 wurden für Sommer und Wintergetreide spezielle Untersaatmischungen entwickelt.
Weitere Zusammenstellungen für blühende Untersaaten sind im Handel erhältlich.
Bei der Wahl der Getreidesorte sollte auf Standfestigkeit, Langstrohigkeit und gute Gesundheit geachtet werden.
Informationen zum Anbau
Wie wird ausgesät?
Die Weite Reihe kann, je nach technischer Ausstattung, in einem oder in mehreren Arbeitsgängen angelegt werden. Idealerweise erfolgt die Aussaat des Getreides und die der Untersaat am gleichen Tag. Wenn in der Untersaat größere Samen, wie beispielsweise Ringelblumen, enthalten sind, empfiehlt es sich, das Saatgut aufzumischen, um eine Verstopfung zu vermeiden. Wird eine Untersaat im Wintergetreide ausgebracht, muss diese, bis spätestens Ende Oktober, besser früher, im Boden sein. Andernfalls drohen Frostschäden und die Unkrautunterdrückung ist nicht mehr gegeben.



Saatstärke und Düngung
- Sommergetreide: Reduktion der Saatstärke auf 70 %
- Wintergetreide: aufgrund der stärkeren Bestockung um 50 % reduzieren
- Düngung: entsprechend anpassen
Getreideaussaat
- 50% der Säschare werden geschlossen
- Scharabstand von 12,5 cm: Doppelreihe (2 auf, 2 zu)
- Scharabstand von 15 cm: Weite Reihe (1 auf, 1zu) ortsübliche Ablagetiefe
Untersaat
- Aussaat mit Drille oder Pneumatikstreuer und Striegel, Schnecken- oder Düngerstreuer (mit Schrot aufmischen!)
- Oberflächliche Saatgutablage (Lichtkeimer)
- optimalerweise Anwalzen
Bestandsführung
| Niedrigwüchsige Beikräuter, die in der Folgekultur gut in den Griff zu bekommen sind, können toleriert werden. Sie tragen zum Nektar- und Pollenangebot bei. Bei problematischen Beikräutern ist jedoch ein steuernder Eingriff anzuraten. Ein hoher Mulchschnitt unterstützt die Entwicklung der Kultur, sollte sie von der Untersaat oder unerwünschten Beikräutern im frühen Stadium überwachsen werden. | ![]() |
| Ist bereits vor oder kurz nach dem Auflaufen ein Unkrautbesatz erkennbar, kann durch striegeln Abhilfe geschaffen werden. Eine Nachsaat der Untersaat mit geringer Saatstärke kann anschließend sinnvoll sein. | ![]() |
| Sind die voran genannten Maßnahmen nicht wirkungsvoll, kann ein Herbizideinsatz erforderlich werden. Im Idealfall sollten nur Bereiche mit problematischem Unkrautbesatz behandelt werden, mit einem Pflanzenschutzmittel, welches die Untersaat schont. | ![]() |
Welche Optionen gibt es für den Pflanzenschutz?
Pflanzenschutzmittel sind grundsätzlich nach guter fachlicher Praxis einzusetzen. Durch eine gute Saatbettvorbereitung, eine geschickte Sortenwahl und eine genaue Beobachtung der Fläche kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ein Minimum begrenzt werden.
Sollten auf der Fläche, trotz guter Vorbereitung, Ungräser ein Problem darstellen, kann Axial 50 oder auch Traxos (Indikation beachten) im Nachauflauf eingesetzt werden. Bei starkem Auftreten von Problemunkräutern können die Nester punktuell behandelt werden. Nach Möglichkeit sollte hier ein auf die Problempflanzen abgestimmtes Herbizid gewählt werden. Der flächige Einsatz von breit wirksamen Herbiziden schädigt die Untersaat und muss vermieden werden.
Auf den Einsatz von Insektiziden sollte während der gesamten Vegetation verzichtet werden, mit der Ausnahme eines starken Blattlausdruckes im Herbst. In dieser Situation kann, wenn die Schadschwelle früh überschritten wird, ein Insektizideinsatz vertreten werden.
Wachstumsregler und Fungizide sollten situativ, je nach Krankheitsdruck und Wachstumsbedingungen eingesetzt werden.
Die Ernte! Und danach?

Eine Verunreinigung des Ernteguts kann beim Drusch durch einen hohen Schnitt reduziert werden. Je nach Witterung kann eine Nachtrocknung des Ernteguts erforderlich werden. Soll die Untersaat stehen bleiben, empfiehlt es sich, das Stroh zu häckseln oder abzufahren.
Idealerweise kann die Untersaat als Futter für Nutztiere oder Zwischenfrucht über Winter stehen bleiben und gleichzeitig als Lebensraum für Wildtiere dienen. Eine sorgfältige und flache Einarbeitung verhindert beim anschließenden Umbruch den Durchwuchs in der Folgekultur.

Folgt eine Winterung, muss die Untersaat für eine sichere Etablierung der Folgekultur durch eine gezielte und mehrmalige Bodenbearbeitung von der Fläche entfernt werden. Wurden bei der Ernte hohe Stoppeln stehen gelassen oder hat sich die Untersaat nach der Ernte wieder gut entwickelt, empfiehlt es sich, den Aufwuchs vor der Einarbeitung mit einem Mulcher zu zerkleinern. Finden sich auf der Fläche viele Schnecken, wird ihnen durch eine feine Saatbettbereitung und Rückverfestigung die Möglichkeit zum Verstecken genommen.
Insektenvielfalt in der Weiten Reihe

Blattläuse, Schmetterlingsraupen, Schneckennachwuchs und Co.:
Weichkäfer und ihre Larven halten die Insektenvielfalt im Gleichgewicht! Während die Larven mit ihrem giftigen Biss gar Schnecken erbeuten können, profitieren die Käfer von der blühenden Untersaat.
Nektar und Pollen von Doldenblütlern (wie z.B. Koriander) und die darauf sitzenden Kleininsekten gehören zu ihrem Nahrungsspektrum.
Weichkäferlarven sind empfindlich gegenüber Austrocknung. Bleibt die Untersaat über den Winter stehen, finden sie Schutz und gehen selbst bei Schnee auf Beutezug.
Weite Reihe – Oase für Feldvögel?
Bodenbrüter benötigen Platz zwischen den Reihen, um erfolgreich brüten zu können.

Das Anbausystem der Weiten Reihe ermöglicht mehr Lichteinfall am Boden. Empfindliche Küken haben es so ausreichend warm. Eine blühende Untersaat oder ackerbaulich unproblematische Wildkräuter fördern das Vorkommen von Insekten. Mit weniger Aufwand können die Altvögel mehr proteinreiches Futter erjagen und die Jungtiere bestens versorgen.
Eine Quersaat im Vorgewende erschwert Raubtieren zusätzlich den Zugang in die Reihen und verbessert so die Überlebenschancen der Brut.
Fördermöglichkeiten
Mit dem Getreideanbau in Weiter Reihe werden produktionsintegriert Lebensräume geschaffen und bereits bestehende Strukturen in der Agrarlandschaft vernetzt. In Hessen können Betriebe über die Teilnahme am HALM2 H.2-Programm für die Weite Reihe mit blühender Untersaat ein Fördersatz bis zu 1.100 €/ha ausgezahlt bekommen.
Zu einer an Ihre ackerbaulichen und ökologischen Gegebenheiten angepassten Umsetzung beraten wir Sie gern!
1 IFAB Mannheim und KTBL Darmstadt: Weite Reihe Getreide mit blühender Untersaat, 2024










