Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Landwirtschaftliche Fachschulen

Projektarbeit „Öffentlichkeitsarbeit mit modernen Medien“

Auf dem Weg zu ihrem Abschluss als staatlich geprüfte Betriebswirte der Fachrichtung Agrarwirtschaft bearbeiten alle Studierenden der Fachschule für Agrarwirtschaft Fulda in Kleingruppenarbeit ein selbstgewähltes Projekt über die Dauer von einem Jahr. Durch die freie Themenwahl, Eigeninitiative und Teamarbeit der Studierenden entstehen immer wieder sehr gute Projekte. So konnte eine Gruppe des Abschlussjahrgangs 2019 mit Hilfe einer regionalen Online-Nachrichtenplattform mehr als 86.000 Nutzer auf ihre Videoreihe zu verschiedenen Themen der Landwirtschaft aufmerksam machen.

Das Projekt

Ziel der Projektarbeit im Rahmen der Fachschulausbildung ist der Erwerb von Kompetenzen zum selbstständigen Analysieren und Lösen von betrieblichen Problemen. Es sollen praxis- und prozessorientierte Aufgaben bearbeitet werden. Hierzu bilden die Studierenden selbstständig Kleingruppen mit zwei bis vier Mitgliedern und definieren einen Themenbereich. Dabei soll besonderer Wert auf hohe Praxisrelevanz und die Kooperation mit den Betrieben vor Ort gelegt werden. Bei der Planung und Durchführung der konkreten Projekte werden die Gruppen von Fachlehrern unterstützt. Außerdem wird die Arbeit der Studierenden durch verschiedene Unterrichtseinheiten im Rahmen des regulären Fachschulunterrichts begleitet. So erhalten sie beispielsweise einen Einblick in die statistische Auswertung von Versuchsergebnissen und üben das wissenschaftliche Zitieren. Am Ende des Projektzeitraums stellen die Arbeitsgruppen ihre Projekte und Ergebnisse den Mitstudierenden und Fachlehrern im Rahmen eines Kolloquiums vor. Außerdem wird eine schriftliche Ausarbeitung über das Vorgehen und die Ergebnisse angefertigt.

Die Motivation

Jakob Dimmerling, Marc Engel und Janina Wagner
Jakob Dimmerling, Marc Engel und Janina Wagner
Janina Wagner, Marc Engel und Jakob Dimmerling nahmen sich in ihrem Arbeitsprojekt des Themenbereichs Öffentlichkeitsarbeit an. Durch Kontakte zum regionalen Nachrichtenportal Osthessen|News konkretisierte sich ihre Idee schnell: Mit kurzen Videoclips, keiner länger als anderthalb Minuten, sollte ein möglichst breites Publikum erreicht und über die Arbeit der Landwirte vor Ort informiert werden. Ihnen war es wichtig, dass kein Eindruck von Landromantik vermittelt wird, sondern ein realistisches Bild der Landwirtschaft in der Region.

„Der Themenbereich Öffentlichkeitsarbeit nimmt bei unseren Studierenden seit Jahren an Bedeutung zu. Das spiegelt sich auch in den Arbeitsprojekten der Studierenden wieder“, sagt Martin Grenzebach, Schulleiter der Fachschule für Agrarwirtschaft Fulda und der betreuende Fachlehrer.

Die Umsetzung

Die Studierenden bekamen von ihrem Medienpartner einen Auszubildenden zur Seite gestellt, der das Projekt mit technischem Geschick, viel Einsatz und dem nötigen Knowhow unterstützte. „Außerdem war es gut, eine Sicht auf die Dinge zu haben, die von außerhalb der Landwirtschaft stammt“, ist sich Janina Wagner sicher. Gemeinsam entschied sich die Gruppe dafür, die Themen der Clips an den Jahresverlauf anzupassen. So wurden im Winterhalbjahr zwei Videos aus der Milchviehhaltung eingeplant und über die Düngung im Frühjahr zur Getreideernte und Zwischenfruchtsaat im Sommer übergeleitet. Nach sorgfältiger Diskussion der Vor- und Nachteile und Absprache mit dem betreuenden Fachlehrer wurden folgende Videos gedreht:

Vorstellungsvideo

Ein Teaser mit der Vorstellung der Studierenden und einem Ausblick auf die Themen eröffnete die Reihe. Darüber wurde auch in Osthessen|News berichtet.

Wie funktioniert ein Melkroboter?

Das erste fachliche Video befasste sich mit der Automatisierung im Kuhstall. Dieses Video wurde, neben knapp 100 positiven Reaktionen, auch einmal negativ auf Facebook kommentiert. Die Studierenden antworteten dem Kommentator mit einer Klarstellung als private Chatnachricht.

Vom Kalb zur Milchkuh

In diesem Video wurden vermeintlich kritische Themen wie die künstliche Besamung, die Einzeltierhaltung in den ersten 14 Tagen und die frühe Trennung von Kalb und Mutter angesprochen. Die Reichweite des Videos erreichte nicht ganz die der ersten beiden, es konnte aber wieder gezeigt werden, dass sich der offensive Umgang mit negativen Kommentaren bewährt.

Warum stinkt die Gülle

Die Studierenden gingen auf selbst erlebte Vorurteile und Fehlinformationen im Zusammenhang mit der Gülledüngung ein. Hier sah die Gruppe besonderen Aufklärungsbedarf. Die Vorschriften zur Gülleausbringung wurden anhand moderner Ausbringtechnik erläutert. Durch die aufwändige Technik und starken Wind am Drehort im hessischen Vogelsberg dauerte der Dreh des Rohmaterials über 4 Stunden. Das Video löste eine Reihe von Kommentaren aus, die sich zu verselbständigen drohten. Die Studierenden leiteten die Diskussion daher gezielt mit Hilfe befreundeter Blogger wieder in eine fachliche Richtung.

Die Silageernte

Es wurde der Ablauf der Futterernte vom Mähen bis zum Silierprozess dargestellt. Ein besonderer Fokus wurde auf die Möglichkeiten zum Schutz von Wildtieren gelegt.

Die Getreideernte

Getreideernte (Luftaufnahme)
Getreideernte (Luftaufnahme)

Am Beispiel der Getreideernte machten die Studierenden die Abhängigkeit der Landwirtschaft vom Wetter deutlich und sensibilisierten für die Notwendigkeit von Erntearbeiten auch an Sonn- und Feiertagen. Außerdem wurde die Verwendung des geernteten Getreides als Futter- oder Konsumware aufgezeigt. Zu diesen Dreharbeiten hatten die Studierenden Zugriff auf eine Drohne, um Luftaufnahmen machen zu können.

Die Aussaat von Zwischenfrüchten

Der Anbau von Zwischenfrüchten zur Futternutzung und zur Gründüngung wurden erläutert. Dabei wurde auch der Beitrag zur Biodiversität beleuchtet.


Links zu den veröffentlichten Videos (Facebook-Seite von Osthessen|News):


Jedes Video wurde im Vorfeld in einem Skript genau geplant. Es musste nicht nur auf die fachliche Umsetzung der Themen geachtet werden, sondern auch die entstehenden Bilder und deren Außenwirkung mit bedacht werden. Dementsprechend mussten auch geeignete Drehorte gefunden werden. Neben den eigenen Betrieben konnte die Gruppe auf Betriebe und Technik von Mitstudierenden und weiteren Berufskollegen zurückgreifen.

Die Videos wurden in den Nachrichtenfluss von Osthessen|News aufgenommen und zusätzlich über die Facebook-Präsenz von Osthessen|News geteilt. Hier erfolgte auch die Interaktion der Studierenden mit den Nutzern und Kommentatoren.

Als wichtigen Punkte hatte die Projektgruppe im Vorfeld bereits die fachlich fundierte Beantwortung von Kommentaren identifiziert. Insgesamt kamen in über 100 Kommentaren zum Teil rege Diskussionen auf. Nicht alle Hinweise und Meinungen blieben sachlich.

Die Ergebnisse

Es konnten pro Video bis zu 20.000 Nutzer erreicht werden. Außerdem wurden die Clips auf Facebook fast 500 mal gelikt und über 200 mal geteilt. Eine mediale Präsenz, die einzelne landwirtschaftliche Betriebe gewöhnlich nicht erreichen. Auffällig war aber auch, dass die Klickzahlen im Laufe der Reihe abnehmen. Ob dies am Thema der letzten Videos lag, wie die Projektgruppe mutmaßt, konnte nicht geklärt werden.

Anfangs wurde die Gruppe vor unerwartete Probleme gestellt: Die Nervosität vor der Kamera baute sich überraschend langsam ab und so dauerte der erste Dreh des Rohmaterials knapp vier Stunden. Glücklicherweise lief schon der zweite Dreh deutlich entspannter ab und im Laufe des Projektes wurden die Studierenden immer routinierter im Umgang mit Kamera und Drehskript. Der Aufwand für die Erstellung der ca. anderthalb minütigen Clips war dennoch groß. Pro Dreh waren im Schnitt ca. drei Stunden Drehzeit und ca. sechs Stunden Nachbearbeitung nötig. Dazu kam noch die „Betreuungszeit“ also das Antworten auf Kommentare und das Auswerten der Nutzerzahlen. Das Reagieren auf negative Kommentare als private Chatnachricht hat sich bewährt. Im privaten Austausch war es fast immer möglich, die Diskussion zu versachlichen.

Das Fazit

Viel positive Resonanz bekamen die Studierenden auch abseits des Netzes. Viele Berufskollegen, Freunde und Bekannte haben die Serie gesehen und die drei Studierenden für ihr Engagement gelobt. Mit den Ergebnissen des Gruppenprojektes waren die Studierenden selbst zufrieden. Besonders die hohe Reichweite und die positive Resonanz lassen erwarten, dass das Ziel, über die Arbeit in der Landwirtschaft aufzuklären, erreicht wurde. Dennoch würde die Projektgruppe beim nächsten Mal auch einiges ändern. „Mit gezielteren Veröffentlichungszeitpunkten, zum Beispiel am Wochenende hätten wir die Reichweite sicher erhöhen können“, schlägt Marc Engel dazu vor. Auch könnte mit Hilfe von Bekannten und Freunden gezielt geteilt werden und so die Reichweite erhöht oder bestimmte Zielgruppen angesprochen werden. Ebenso könnten auch Berufskollegen mit in die Videos einbezogen werden. Als Fazit hält die Projektgruppe fest: „Das Projekt hat uns gezeigt, dass zum einen das Reden vor der Kamera nicht einfach ist und zum anderen seitens der Landwirtschaft noch viel mit der Bevölkerung aufzuarbeiten ist, um verloren gegangenes Vertrauen in unseren Berufsstand wieder aufzubauen.“ Projekte wie das von Jakob Dimmerling, Marc Engel und Janina Wagner sind dafür sicherlich geeignet und zeigen eindrucksvoll, wie Öffentlichkeitsarbeit mit Hilfe neuer Medien in der Landwirtschaft gelingen kann.


Dieser Artikel wurde erstmals in der Zeitung B&B Agrar veröffentlicht.  https://www.bildungsserveragrar.de/zeitschrift-bub-agrar/


Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag

Durch die weitere Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen