Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Landwirtschaftszentrum Eichhof

Automatisches Melken am Eichhof – ein moderner Arbeitsplatz für Mensch und Kuh

Automatisierung und Digitalisierung – zwei Schlagworte, die für eine zukunftsfähige Landwirtschaft mit wachsenden Betrieben, die eine hohe Arbeitsproduktivität erreichen müssen und gleichzeitig ein hohes Maß an Tierwohl erreichen wollen, an Bedeutung gewinnen. Dadurch wird auch die Ausbildung von jungen Landwirtinnen und Landwirten und die Weiterbildung von Interessierten in diesem Bereich immer wichtiger.

Automatisches Melksystem von DeLaval
Automatisches Melksystem von DeLaval

Das Melken mit einem automatischen Melksystem hat am Landwirtschaftszentrum (LWZ) Eichhof eine lange Tradition. Bereits 2002 wurde der erste Melkroboter in Betrieb genommen. So führten eine Vielzahl an Informations-, Bildungs- und Beratungsangeboten dazu, dass dieses Melksystem in Hessen schnell an Bedeutung gewann. Nun wurde wieder in moderne Technik investiert und seit August 2021 wird mit einem neuen automatischen Melksystem gemolken. Anfang April fand ein Erfahrungsaustausch und die offizielle Einweihung des VMS 310 mit der Herstellerfirma DeLaval und deren Vertriebspartner Götz Milking Systems statt.

Im Vordergrund stehen für das LWZ Eichhof der Bildungsauftrag und die Wissensvermittlung. Aber auch eine effektive und effiziente Milcherzeugung mit hohen Qualitätsstandards soll erreicht werden. Mit moderner Melktechnik ist Sensortechnik verbunden, die viele Daten und Informationen liefert. Diese Informationen bilden für den Tierhalter oder die Tierhalterin die Entscheidungsgrundlage für ein optimales Herdenmanagement in Bezug auf Tier und Umwelt, woraus wiederum eine gute Lebensmittelhygiene der Milch resultieren kann.

Das neue automatische Melksystem bietet dazu einige Ausstattungsoptionen. Die Melkung erfolgt individuell für jedes Viertel. Während des Melkvorgangs wird zum Beispiel die Zellzahl pro Milliliter Milch gemessen und gemeinsam mit anderen Daten wie dem Milchfluss, der Milchmenge, der Farbe und Leitfähigkeit der Milch zu einem Index verarbeitet, der Mastitiden frühzeitig erkennen lässt und Behandlungen zu einem frühen Zeitpunkt ermöglicht. Dadurch wird die Chance auf eine erfolgreiche Therapie deutlich erhöht, was sich positiv auf das Tierwohl und auch auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt.

Auch im Bereich des Reproduktionsmanagements gibt es neue Entwicklungen. So wird mit dem automatischen Melksystem während des Melkvorgangs die Progesteron-Konzentration in der Milch gemessen. Die Brunsterkennung wird durch die Kombination mit einer Aktivitätsmessung des Einzeltiers deutlich vereinfacht und der Besamungszeitpunkt kann für jede Kuh optimal gewählt werden. Auch die Trächtigkeitskontrolle wird deutlich vereinfacht und ist zu einem frühen Stadium der Trächtigkeit möglich, ohne weitere Untersuchungen am Tier durchzuführen. Zur Sicherheit wurden weiterhin konventionelle Trächtigkeitsuntersuchungen durchgeführt, die die Ergebnisse der Progesteron-Messung bisher immer bestätigt haben.

Das Fütterungs- und Gesundheitsmanagement wird durch das Melksystem ebenfalls unterstützt. Als Beispiel dazu ist die im Roboter integrierte Infrarot-Kamera zu nennen, die bei jedem Tier, das die Melkbox betritt, den Body-Condition-Score (BCS) misst und damit Information zum Gesundheitsstatus des Tieres (Ketoseprophylaxe) und zur optimalen Gestaltung der Fütterung liefert.

Alle Daten, die vom System geliefert werden, laufen mit anderen Daten aus dem Stall in einem Management-Programm zusammen und werden dort ausgewertet. Hier können betriebsindividuelle Einstellungen vorgenommen werden, um die Daten optimal auszuwerten und anschließend Handlungsaufträge für die Beschäftigten zu generieren.

Die neue Melktechnik wird am LWZ Eichhof in die Lehrgänge der Überbetrieblichen Ausbildung sowie im Seminarangebot im Bereich der Milchkuhhaltung eingebunden. Auch Praxiserprobungen und Auswertungen (z.B. zu Energieverbrauchsdaten) und damit verbunden die Erstellung von Fachinformationen sollen zukünftig stattfinden.


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