Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Freizeitgartenbau/Gartenakademie

Im Nutzgarten

Bewirtschaftung im Zeichen des Klimawandels

Grafik: © www.ponderosa-design.de

Während es für den Wohngarten ein großes Angebot an Pflanzen für verschiedene Standortsituationen gibt, fordert der Klimawandel unsere Nutzpflanzen und ihre Ertragssicherheit besonders heraus. Für reiche Ernten braucht es vitale Nutzpflanzen. Diese werden aber durch die Klimaveränderungen auf die Probe gestellt: Die Winter werden kürzer und milder, die Sommer hingegen länger, heißer und trockener. Während sich auf der einen Seite der Anbauzeitraum verlängert und der Anbau wärmebedürftiger Kulturen möglich wird, ist der Anbau im Sommer zunehmend schwieriger. Der Wassermangel reicht bis in tiefe Bodenschichten; neben der Hitze verursachen Winde eine weitere Austrocknung. Geschwächte Pflanzen sind anfälliger für Schädlinge – bekannte und Neuankömmlinge –, die sich wiederum aufgrund der wärmeren Temperaturen schneller vermehren können. Abiotische Schäden durch Extremwetterereignisse wie rasche Temperaturwechsel, Spätfröste, Starkregen, Hagel oder heftige Winde nehmen zu.

Die Bewirtschaftungsweise eines Nutzgartens kann sich zudem noch negativ auf wichtige Wasser- und Bodenfunktionen und die biologische Vielfalt auswirken. Dem Boden werden Nährstoffe entzogen, gebunden in Ernteerzeugnissen, die dann immer wieder nachgeführt werden müssen. Eine unsachgemäße Zufuhr von Nährstoffen, insbesondere in Form mineralischer Nährsalze, kann auf Dauer die Bodenstruktur schädigen. Bodenbearbeitung fördert durch die bessere Belüftung des Bodens den Humusabbau, insbesondere dann, wenn dabei der Boden gewendet wird. Maschinelle Bodenbearbeitung kann zusätzlich den größeren Bodentieren zusetzen. Und Pflanzenschutzmittel, die unsere Erzeugnisse vor Schädlingen und Krankheiten schützen sollen, können nachteilige Auswirkungen auf Nützlinge und Bodenorganismen haben – auch die als biologisch eingestuften.

Wie kannst Du also den Nutzgarten klimaangepasst bewirtschaften, einen angemessenen Ertrag erzielen und gleichzeitig die negativen Eingriffe so gering wie möglich halten? Wir geben an dieser Stelle einen groben Überblick. Detailliertere Informationen bieten wir in unserer Broschüre „Im Nutzgarten“ zum Download an.

Obst und Gemüse: klimaangepasst und naturnah

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, mit denen Du die Auswirkungen des Klimawandels und anderer Stressfaktoren mildern kannst. Obwohl sich die Maßnahmen für Obstkulturen und Gemüseanbau unterscheiden können, gibt es dennoch ein paar universelle Maßnahmen, die für beide gelten:

Schützende Strukturen für mehr Vielfalt

Standortangepasste, im Wuchs höhere Strukturelemente (Hecken, Bäume und Solitärsträucher) sind ideal, um Kulturen auf vielfältige Weise zu schützen. Sie schwächen die Wirkung des Windes ab. Der Schatten bewahrt Pflanzen und Boden vor Überhitzung und Austrocknung. Und auch im unbelaubten Zustand schützen höhere Pflanzen vor Frösten. Mit der richtigen Pflanzenauswahl kannst Du Deine Kulturen vorbeugend vor Schädlingsbefall schützen. Denn Du schaffst Lebensräume für verschiedene Tiere, unter anderem für viele Nützlinge, die Schädlingen Paroli bieten können. Deswegen sind diese Strukturen auch häufig Bestandteil alternativer Bewirtschaftungsweisen wie Permakultur und Waldgärten.

Ergänzender Schutz vor Hitze und Sonneneinstrahlung

Pflanzen vertragen in unterschiedlichem Grad Hitze und Trockenheit. So gibt es Obst- und Gemüsearten, die besser mit diesen Bedingungen zurechtkommen als andere. Zusätzlich weisen auch innerhalb einer Art die verschiedenen Sorten eine unterschiedliche Trockenheits- und Hitzetoleranz auf. Achte auf entsprechende Empfehlungen.

Ergänzender Schutz bei Trockenheit

Alle Pflanzen benötigen Wasser – für das Wachstum allgemein, aber auch für die Erzeugung von Blüten, Blättern und Früchten.

Ergänzender Schutz vor Spätfrösten

Die Gefahr der Spätfrostschäden steigt trotz und – vor allem – wegen der milderen Jahresdurchschnittstemperaturen und wärmeren Winter, da die Pflanzen früher anfangen auszutreiben und es immer noch zu plötzlichen Kälteeinbrüchen und Spätfrösten kommen kann.

Sofern die Kulturen nicht durch höhere Pflanzen oder einen anderen günstigen Standort geschützt sind, sollten kleinere Kulturen bei Frostmeldungen mit Vliesen abgedeckt werden. Behalte also im Frühjahr die Wettermeldungen im Blick. In rauen Gegenden wähle Obstgehölze und Sorten, die spät austreiben und blühen.

Schutz vor Staunässe und Erosion

Staunässe vertragen die meisten Pflanzen nicht. Diese können dann kümmern oder verfaulen. Schwere oder verdichtete Böden neigen zu Staunässe, da das Regenwasser nicht in den Boden versickern kann. Auch Starkregenereignisse können zu Staunässe führen – weil der Boden schon durch vorangegangene Regenphasen wassergesättigt oder durch langanhaltende Trockenheit wasserabweisend ist. Ist die Fläche abschüssig, kann der fruchtbare Oberboden abgetragen und verlagert werden (Erosion).

Sorge für eine gute Wasserdurchlässigkeit und Tiefgründigkeit Deiner Gartenböden. Vermeide bei Arbeiten im Garten Bodenverdichtungen und Verschlämmungen. Kommt es doch mal zu Verdichtungen, dann lockere den Boden. Die Tiefgründigkeit erhöhst Du durch entsprechende Bodenbearbeitung oder Gründüngungspflanzen. Durch eine dichte Pflanzendecke oder Mulchschicht verhinderst Du, dass Böden verkrusten und somit wasserdurchlässiger bleiben. Offene Böden solltest Du jedoch regelmäßig oberflächlich lockern, um Verkrustungen aufzubrechen. Böschungen werden durch Bepflanzung vor Erosion geschützt.

Bedarfsgerechte Düngung

Zu wenige Nährstoffe im Boden haben negative Auswirkungen auf den Wuchs, den Ertrag und die Gesundheit der Pflanzen. Aber auch bei einer Überversorgung mit Nährstoffen besteht die Gefahr von Pflanzenschäden und der Nährstoffauswaschung ins Grundwasser. Das gilt vor allem für die Stickstoffverbindung Nitrat. Durch die wärmeren Bodentemperaturen wird die Aktivität der Bodenorgansimen angeregt. Diese trägt wiederum zu einer erhöhten Freisetzung von Nitrat bei.

Passe die Düngung an den Bedarf Deiner Pflanzen an. Es ist sinnvoll, die erforderliche Gesamtdüngermenge von Stickstoff auf mehrere kleinere Gaben zu verteilen, insbesondere bei mineralischen Düngern. Vermeide einen schnelleren Humusabbau und die damit verbundene Stickstofffreisetzung, indem Du vegetationsfreie Flächen erst kurz vor dem Anbau neuer Kulturen umgräbst. Am besten säst Du zur Überbrückung und zum Bodenschutz eine Zwischenbegrünung ein.


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