Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Freizeitgartenbau/Gartenakademie

Wie Hänsel und Gretel mit den Bienen sprechen können…

Wer jetzt im Frühjahr aufmerksam durch Laubwälder wandert, wundert sich vielleicht, wenn er im Waldboden eine kleine Blume mit haarigen, oft weiß gepunkteten Blättern entdeckt, deren Blüten zwei unterschiedliche Farben haben: Nämlich rosa und blau.
Der Volksmund nannte sie „Brüderchen“ und „Schwesterchen“. (Und wer jetzt glaubt, wir hätten da gerade was verwechselt: Früher war das mit den Farben für Jungs und Mädchen umgekehrt. Da habt ihr jetzt so ganz nebenbei noch was gelernt.) Doch nun weiter: Der wissenschaftliche Name unserer Pflanze lautet allerdings Pulmonaria officinalis, auf Deutsch „Lungenkraut“, weil ihre Inhaltsstoffe hustenlindernd wirken.

Farben sprechen lassen

Und wie gelingt es nun der Pflanze, mit den Bienen zu sprechen? Wie ihr sicherlich wisst, benötigen viele Pflanzen zur Befruchtung, das heißt zur Frucht- und Samenbildung, Bienen und andere Insekten. Für diese Tätigkeit bekommen die Insekten quasi als Ausgleich den für sie und ihre Brut notwendigen Nektar und die Blütenpollen. Unser Lungenkraut geht dabei sogar noch einen Schritt weiter: Es weist die Bienen darauf hin, ich welchen Blüten es noch viel Nektar und Pollen zu holen gibt und in welchen nicht. Damit erspart es den Bienen viel Zeit und Mühe, damit sie nicht sinnlos in leer gesaugten Blüten herumsuchen müssen. Der Hinweis an die Bienen, in welchen Blüten der Tisch noch gedeckt ist und in welchen bereits die Teller leer gegessen sind, erfolgt mittels der Blütenfarbe. Dabei bedeutet die Farbe Rosa: Diese Blüte ist frisch und wurde vermutlich noch nicht besucht – deswegen gibt es hier noch Nektar und Pollen. Die Farbe Blau besagt dagegen: Diese Blüte ist schon etwas älter. Hier war bestimmt schon jemand und hat alles aufgefuttert. Genau genommen blüht das Lungenkraut sogar in drei Farben, denn im Übergang von rosa nach blau blüht die Blüte violett.

Wie kann die Pflanze ihre Farbe wechseln? Hast du Lust auf ein Experiment?

In frischen Blüten ist der Zellsaft leicht sauer. Nach der Befruchtung ändert sich der Zellsaft zu basisch und damit gleichzeitig die Farbe. Ein kleines Experiment kann dir beim Verstehen des Farbwechsels helfen: Durchsuche einfach mal alleine oder mit deinen Eltern das Internet nach dem Stichwort „Rotkohl-Experiment“. Alles was man dazu benötigt, findet man normalerweise in jeder Küche.

Den Blütenfarbenwechsel des Lungenkrautes kann man übrigens auch bei anderen Familienmitgliedern dieser Rauhblattgewächse beobachten, wie beispielsweise beim Borretsch, dem Steinsamen oder dem Vergissmeinnicht.


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