Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Freizeitgartenbau/Gartenakademie

Schnitt von Johannis- und Stachelbeeren

Ein regelmäßiger Schnitt fördert den Fruchtansatz. Nutzen Sie das Zeitfenster bis März für den Frühjahrsschnitt. Johannis- und Stachelbeeren stammen von verschiedenen Wildarten ab, die überwiegend in Europa beheimatet sind, so gibt es i.d.R. keine Standortprobleme bei der Kultur dieser beiden Beerenobstarten. Ein sonniger, offener Standort ist zu bevorzugen, wobei auch absonnige Standorte noch geeignet sind. Johannis- und Stachelbeeren treiben und blühen sehr früh, deshalb sollte der Standort nicht spätfrostgefährdet sein. Auch eine ungleichmäßige Wasserversorgung und große Hitze können Probleme bereiten. Hitze verursacht häufig Schäden an den Früchten, Trockenheit führt zu unzureichendem Triebzuwachs. An den Boden stellen Johannis- und Stachelbeeren wenig Ansprüche, ein nährstoffreicher, humoser und vor allem durchlässiger Gartenboden ist für die Kultur von Johannis- und Stachelbeeren gut geeignet. Johannis- und Stachelbeeren sind i.d.R. selbstfruchtbar, für einen besseren Fruchtansatz sollten trotzdem immer mehrere Sorten gepflanzt werden.

Die Kultur von Johannis- und Stachelbeeren erfolgt in unseren Hausgärten meist als Busch oder Stämmchen. Seltener findet man eine Hecken- oder Spindelerziehung. Schwarze Johannisbeeren eignen sich nur für Büsche und Heckenerziehung, nicht für Stämmchen.

Beerenobst hat gemeinhin einen hohen Gesundheitswert, dies und der geringe Platzbedarf machen den Anbau von Beerenobst – auch auf Balkon und Terrasse – so interessant.

Für einen erfolgreichen Anbau von Johannis- und Stachelbeeren ist die richtige Sortenwahl entscheidend! Grundsätzlich sollten moderne, krankheitstolerante oder resistente Sorten bevorzugt werden.

Ein regelmäßiger Schnitt fördert den Fruchtansatz

Neben der Sortenwahl kommt dem Schnitt eine besondere Bedeutung zu. Oft finden wir in den Haus- und Kleingärten sehr ungepflegte, von Moos und Flechten bewachsene, vergreiste Sträucher (Bild 1a und b). Die Folge sind eine geringe Ernte, kurze Fruchttrauben mit wenigen, kleinen Beeren, bei denen das Pflücken kein Vergnügen ist.

Beim Schnitt von Johannis- und Stachelbeeren sollte man bedenken, dass es sich hier im Gegensatz zu Äpfeln, Birnen oder Kirschen nicht um Bäume sondern um Sträucher handelt. Während Bäume einen Stamm mit einer Krone aufbauen und sehr alt werden können, vergreisen unsere Beerenobststräucher ohne Schnitt sehr schnell. Es muss dafür gesorgt werden, dass sich die Sträucher durch neue Basistriebe oder junge Austriebe aus dem mittleren Bereich immer wieder neu regenerieren. Es muss keine lange Baumerziehung vorgenommen werden; die Sträucher kommen auch ohne weiteren Schnitt in den Ertrag. Entscheidend ist eine stetige Erneuerung der Basistriebe, weil sonst die Sträucher schnell vergreisen und nicht mehr gut fruchten.

Keine Angst vor dem Schnitt!

Der Schnitt von Johannis- und Stachelbeeren lässt sich für den Hobbygärtner auf wenige Grundsätze reduzieren.

Grundsätzlich unterscheidet man beim Schnitt von Johannis- und Stachelbeeren zwischen: Pflanzschnitt, Erziehungsschnitt, Erhaltungsschnitt und Verjüngungsschnitt

Der Schnitttermin

Das zeitige Frühjahr bis etwa März (je nach Region) ist aufgrund der frühen Blüte, der optimale Schnitttermin. Der zeitige Schnitt regt das Wachstum an und anders als beim Schnitt im Herbst werden die Schnittwunden schon bald versorgt. Bei Frost sollten Sie jedoch nicht schneiden!
Zur Ernte ist ein Sommerschnitt möglich. Dabei sollten vergreiste Basistriebe und überzählige Jungtriebe entfernt werden. Die Pflanzen sind zu diesem Zeitpunkt sehr schnittverträglich, man verzichtet jedoch auf die wichtige, triebfördernde Wirkung des Schnitts.

Der Pflanzschnitt

Lassen sie den Pflanzschnitt am besten in der Baumschule durchführen. Grundsätzlich werden die vorhandenen 3-5 Triebe um 30-50% eingekürzt. Kleine, schwachwachsende Pflanzen/Sorten werden stärker eingekürzt als kräftige, starkwachsende Pflanzen/ Sorten.

Wichtig: setzen sie die Pflanzen recht tief, etwas tiefer als sie in der Baumschule/ im Container gestanden haben, nur so entstehen bei Sträuchern zukünftig neue Bodentriebe.

Der Erziehungsschnitt

Grundsätzlich ist bei Johannis- und Stachelbeersträuchern kein Erziehungsschnitt notwendig, lediglich bei sehr schwach wachsenden Pflanzen/Sorten kann und sollte das Wachstum durch Schnitt gefördert werden.
Sind besondere Erziehungsformen, wie Heckenerziehung (1-3-triebige Erziehung, Bild 2) oder Spindeln (eintriebige Erziehung, Bild 3) gewünscht, müssen die Pflanzen natürlich in diese Richtung entwickelt werden.
Bei der Erziehung von Johannis- und Stachelbeersträuchern ist das Ziel, ein Strauch mit insgesamt 8-12 Basistrieben (Bild 4), bei Stämmchen mit 5 Grundtrieben (Bild 5) zu hervorzubringen.

Der Erhaltungsschnitt

Er besteht aus der ständigen Erneuerung der Basistriebe (8-12) und einer regelmäßigen Fruchtholzerneuerung bzw. Fruchtholzschnitt.
Rote und Weiße Johannisbeeren tragen an einjährigen Seitentrieben, die aus zwei- und dreijährigem Holz entspringen, Fruchtholz an älteren Trieben zeigt starke Vergreisungserscheinungen, daher sollten die Basistriebe maximal 4-5 Jahre alt werden.
Bei 2-3 einjährigen Trieben, 2-3 zweijährigen Trieben, 2-3 dreijährigen Trieben und 2-3 vierjährigen (Bild 6) Trieben ergibt dies einen Strauch mit 8-12 Trieben. Die Wuchsstärke und die Verzweigung entscheidet über die (sinnvolle) Gesamttriebzahl. Der Strauch sollte keinesfalls zu dicht aufgebaut sein! Alle älteren Triebe werden im Frühjahr oder bei der Ernte über dem Erdboden abgeschnitten (Bild 7). Dazu eignen sich kleine Japansägen oder Astscheren. Überzählige Jungtriebe sollten schon im Sommer entfernt werden.

Stachelbeeren tragen wie auch Rote Johannisbeeren an einjährigen Seitentrieben, die aus zwei- und dreijährigem Holz entspringen, daher sollten die Basistriebe ebenfalls maximal 4-5 Jahre alt werden, es sollten dabei nur 1-2 Triebe je Jahrgang vorhanden sein, damit der Strauch nicht zu dicht wird.
Bei Schwarzen Johannisbeeren und Jostabeeren entstehen qualitativ hochwertige, lange Trauben nur an kräftigen einjährigen Trieben, daher sollten die Basistriebe nur 2-3 Jahre alt werden. Da diese Arten sich gerne im mittleren Strauchbereich verzweigen, kann eine Verjüngung auch durch Rückschnitt auf einen dieser kräftigen Seitentriebe erfolgen. (Bild 8)

Ein regelmäßiger Fruchtholzschnitt, bzw. Erneuerung des Fruchtholzes ist bei Johannisbeeren nicht unbedingt erforderlich, da die Erneuerung der Basistriebe auch für eine Erneuerung des Fruchtholzes sorgt. Ein gezielter Fruchtholzschnitt ist bei den einzelnen Sorten möglich und fördert Fruchtansatz und Fruchtqualität. Bei Stachelbeeren sollten alle einjährigen Triebe im Frühjahr um 10-15 cm eingekürzt werden, so reduzieren sie effektiv den Befall mit Amerikanischem Stachelbeermehltau. (Bild 9a und b)

Verjüngungsschnitt

Ein Verjüngungsschnitt ist eigentlich nur bei vernachlässigten Sträuchern notwendig! Johannis- und Stachelbeeren sind sehr schnittverträglich, so können auch alte, vergreiste Sträucher gut regeneriert werden. Hierbei gilt es, die Zahl der Basistriebe zu reduzieren, die Altersstaffelung der Sträucher wiederherzustellen und das Wachstum wieder anzuregen.
Dabei sollten sie Mut zeigen und alle vergreisten Triebe entnehmen oder auf jüngere Seitentriebe ableiten. Kürzen sie überlange Triebe auf jüngere Seitentriebe ein und verschlanken sie die noch vorhandenen Triebe, d.h. kürzen sie die Seitentriebe ein.

Schnitt von Stämmchen

Beim Schnitt von Stämmchen gelten im Prinzip die gleichen Regeln wie bei Sträuchern, allerdings können hier keine neuen Basistriebe erzogen werden. Ziel ist, die 5 Grundtriebe regelmäßig zu verjüngen. Dies ist durch Aufleitung auf junge Seitentriebe möglich. Wichtig ist ein kräftiges Auslichten nach innen gehender, sich kreuzender und abhängender Triebe.

Ein besonderes Kapitel ist die Heckenerziehung von Johannisbeeren. Diese Erziehungsformen sollten auch in unseren Haus- und Kleingärten mehr Beachtung finden.Fortsetzung folgt …


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